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		<title><![CDATA[claws & fangs - Townsend]]></title>
		<link>https://claws.stories-untold.de/</link>
		<description><![CDATA[claws & fangs - https://claws.stories-untold.de]]></description>
		<pubDate>Sat, 13 Jun 2026 06:50:47 +0000</pubDate>
		<generator>MyBB</generator>
		<item>
			<title><![CDATA[you're crazy until you're successful. then you're genius!]]></title>
			<link>https://claws.stories-untold.de/showthread.php?tid=577</link>
			<pubDate>Thu, 28 May 2026 12:47:42 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://claws.stories-untold.de/member.php?action=profile&uid=78">Briar Blackbeak</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://claws.stories-untold.de/showthread.php?tid=577</guid>
			<description><![CDATA[Das Labor lag tief im Herzen des Komplexes wie ein sterilisiertes Nervenzentrum aus Glas, Licht und summender Präzision. Keine Fenster nach draußen. Keine direkte Verbindung zur Außenwelt. Nur Schichten aus Sicherheitsprotokollen, schalldämpfenden Wänden und intelligenten Zugangssystemen, die jede Bewegung registrierten, analysierten und katalogisierten. Der einzige Hinweis darauf, dass hier tatsächlich jemand arbeitete und nicht bloß Maschinen autonom Prozesse abwickelten, war das unregelmäßige Flackern zahlloser Hologrammoberflächen und das gelegentliche, metallische Klacken feinmechanischer Werkzeuge.<br />
<br />
Briar liebte diesen Ort.<br />
<br />
Vielleicht ein wenig zu sehr.<br />
<br />
Das Labor war nicht einfach nur ein Arbeitsplatz. Es war eine Erweiterung ihres Verstandes. Ein physischer Ausdruck ihres Chaos, kanalisiert durch Genialität und einen beinahe krankhaften Perfektionismus, wenn es um Dinge ging, die ihr tatsächlich wichtig waren. Und dieses Projekt… dieses verdammte Projekt war nicht einfach wichtig.<br />
<br />
Es war heilig.<br />
<br />
Der Raum erstreckte sich weitläufig über mehrere Ebenen und war in unterschiedliche Sektionen unterteilt, die durch hohe Glaswände voneinander getrennt wurden. Kristallklar im inaktiven Zustand, doch mit einem simplen Sprachbefehl konnten sie milchig und undurchsichtig werden, jede Station vollständig isolieren oder sensible Arbeitsbereiche vor neugierigen Blicken abschirmen. In den Glasflächen liefen ununterbrochen feine Linien aus Daten entlang. Sicherheitscodes. Temperaturanzeigen. Luftreinheitswerte. Biometrische Parameter.<br />
<br />
Alles kontrolliert.<br />
Alles überwacht.<br />
Alles unter ihrer Hand.<br />
<br />
Im vorderen Bereich des Labors befanden sich mehrere modulare Werkbänke aus dunklem Verbundmetall, über denen holografische Interfaces schwebten. Zerlegte Waffen lagen dort nicht wie gewöhnlicher Schrott herum, sondern wie geöffnete Körper auf einem Operationstisch. Präzisionsgewehre mit freigelegten Energiekanälen. Modifizierte Magazine. Prototypische Klingen mit vibrierenden Schneiden, deren Energiekerne in transparenten Schächten pulsierten. Über einigen Arbeitsflächen rotierten dreidimensionale Blaupausen in blassem Cyanlicht, während Algorithmen Materialbelastungen simulierten und Schwachstellen berechneten.<br />
<br />
Weiter hinten befand sich die biotechnische Sektion.<br />
<br />
Ihr neuster Lieblingsbereich.<br />
<br />
Dort war die Atmosphäre eine andere als im restlichen Labor.<br />
<br />
Kühler.<br />
Leiser.<br />
Fast ehrfürchtig.<br />
<br />
Die Beleuchtung war heller und klinischer gehalten, reflektierte sich in makellosen Oberflächen und warf sterile Schatten über die makellos gereinigten Instrumententische. Die Luft roch nach Desinfektionsmitteln, Metall und diesem charakteristischen, beinahe elektrischen Geruch hochentwickelter Technologie, die ununterbrochen lief.<br />
<br />
Zylindrische Analysebehälter standen entlang der Wände wie ruhende Maschinenwesen, gefüllt mit schimmernden Flüssigkeiten und mikroskopischen Nanoscans biologischer Strukturen. Mehrere vertikale Bildschirme projizierten DNA-Stränge in die Luft, deren Sequenzen sich unablässig bewegten und neu sortierten. Zellverhalten. Gewebeadaption. Belastungsanalysen unter Wandlungsstress.<br />
<br />
Alles drehte sich um denselben Kern.<br />
<br />
<i>Den Chip</i>.<br />
<br />
Briars Blick hob sich zu dem holografischen Modell, das über der zentralen Arbeitsstation schwebte.<br />
<br />
Kaum größer als der Fingernagel ihres kleinen Fingers.<br />
<br />
Unspektakulär für jeden, der nicht verstand, was er dort eigentlich sah.<br />
<br />
Ein winziges Stück Technologie, das Jahre ihres Lebens verschlungen hatte. Jahre voller Fehlschläge. Zerstörter Prototypen. Implodierter Nanostrukturen. Verlorener Testreihen. Materialversagen während der Wandlungsimulationen. Signalstörungen. Abstoßungsreaktionen.<br />
<br />
Und trotzdem hatte sie nie aufgehört.<br />
Nicht nach der ersten Sackgasse.<br />
Nicht nach der zehnten.<br />
<br />
Nicht einmal nach jener Nacht, in der sie stundenlang reglos vor den Daten gesessen hatte, weil die letzte Simulation exakt denselben Fehler zeigte wie die fünf davor und sie ernsthaft darüber nachgedacht hatte, alles gegen die Wand zu werfen.<br />
<br />
Doch das hatte sie nicht. Und sie hatte nicht aufgegeben. Jetzt wurde sie endlich dafür belohnt.<br />
<br />
Der Chip rotierte langsam im Hologramm, während verschiedene Schichten transparent dargestellt wurden. Außenhülle. Adaptive Verankerungskomponenten. Biokompatible Nanofasern. Der eigentliche Senderkern tief im Inneren, geschützt durch mehrere Abschirmungsebenen, die moderne Ortungssysteme täuschen und gleichzeitig verhindern sollten, dass die Wandlung eines Gestaltwandlers das Ding schlicht zerfetzte.<br />
<br />
Ihr Lebenswerk.<br />
<br />
Ein Ortungschip, der selbst nach einer vollständigen Wandlung stabil blieb.<br />
<br />
Unsichtbar.<br />
Nicht zurückverfolgbar.<br />
Nicht störanfällig.<br />
Und vor allem: zuverlässig.<br />
<br />
Briars Hände bewegten sich routiniert über die holografischen Bedienfelder. Mehrere Fenster verschoben sich gleichzeitig, Daten wurden geöffnet, minimiert, neu angeordnet. Ihr Gehirn arbeitete schneller als die meisten Systeme, mit denen sie interagierte. Sie überprüfte ein letztes Mal die Vitalparameter der bisherigen Testreihen, ließ Materialanalysen durchlaufen und kontrollierte die Sterilisationswerte des Operationsbereiches.<br />
<br />
Perfekt.<br />
Es musste perfekt sein.<br />
<br />
Denn irgendwo tief unter all der Rationalität und den mathematischen Gleichungen existierte noch immer dieses eine Bild, das sie nie ganz losgeworden war.<br />
<br />
Ein Trupp, der ohne ihren Vater zurückgekehrt war.<br />
Zu spät.<br />
Immer zu spät.<br />
<br />
Sie erinnerte sich nicht mehr an jedes Detail dieses Tages. Erinnerungen zerfransten mit der Zeit, wurden weich an den Kanten. Aber das Gefühl war geblieben. Dieses kalte, hohle Wissen, dass irgendwo da draußen jemand gelegen hatte, verletzt, allein, möglicherweise noch am Leben … und niemand hatte ihn rechtzeitig gefunden.<br />
<br />
Weil niemand wusste, wo er war.<br />
<br />
Briar hatte damals beschlossen, dass sie dieses Problem irgendwann lösen würde.<br />
<br />
Menschen trafen ständig große emotionale Schwüre und vergaßen sie dann nach zwei Wochen wieder. Wie Neujahrsvorsätze mit mehr Traumaanteil. Sie nicht.<br />
<br />
Sie machte aus Dingen Obsessionen.<br />
<br />
Und jetzt stand sie kurz davor.<br />
<br />
Ihr Blick glitt zur abgeschirmten Sektion am hinteren Ende des Labors. Der sterile Eingriffsbereich war bereits vorbereitet. Transparente Instrumententische standen ordentlich sortiert bereit, jede Klinge, jedes Werkzeug exakt ausgerichtet. Darüber schwebten mehrere medizinische Interfaces, die Vitaldaten in Echtzeit erfassen würden. Ein autonomer Assistenzarm ruhte bewegungslos in seiner Halterung an der Decke, bereit, auf Sprachbefehle zu reagieren.<br />
<br />
In der Mitte stand der Stuhl.<br />
<br />
Übergroß. Gepolstert. Komfortabler als vieles, worin Soldaten vermutlich freiwillig schliefen.<br />
<br />
Briar verlangsamte ihre Schritte, als sie daran vorbeiging.<br />
<br />
Nur minimal.<br />
Kaum sichtbar.<br />
Aber genug.<br />
<br />
Ihr Mund verzog sich leicht, als sie an die letzte Person dachte, die in diesem Stuhl gesessen hatte, um ihr bei ihrem Projekt zu helfen.<br />
<br />
Letitia.<br />
<br />
Vor wenigen Wochen hatte die Soldatin noch genau dort gesessen. Beine locker überschlagen. Eine ihrer trockenen Bemerkungen auf den Lippen, während Briar Gewebeproben entnommen und parallel drei andere Dinge gleichzeitig erklärt hatte, die absolut niemand außer ihr interessant fand.<br />
<br />
Jetzt war sie tot.<br />
Der Platz leer.<br />
<br />
Und obwohl Briar nicht zu denen gehörte, die sich in Trauer verloren oder stundenlang sentimental vor sich hin zerfielen, zog sich für einen kurzen Augenblick etwas dumpf in ihrer Brust zusammen.<br />
<br />
Frisch genug, um noch weh zu tun.<br />
<br />
Sie blieb einen Herzschlag länger stehen, ließ den Blick über die Lehne des Sessels wandern und atmete langsam durch das transparente Visier aus.<br />
<br />
<ina> "Verdammt beschissener Zeitpunkt zum Sterben"</ina>, murmelte sie leise in den Raum hinein.<br />
<br />
Trocken.<br />
Fast genervt.<br />
Und gerade deshalb ehrlich.<br />
<br />
Dann richtete sie die Schultern wieder auf und machte weiter. So funktionierte das Leben nun einmal. Vor allem in diesem Rudel.<br />
<br />
Menschen starben.<br />
Soldaten verschwanden.<br />
Und genau deswegen stand sie hier.<br />
<br />
Nicht für Ruhm. Nicht für wissenschaftliche Anerkennung. Nicht für irgendwelche idiotischen Medialen-Auszeichnungen, die am Ende sowieso nur aus selbstgefälligen Leuten bestanden, die sich gegenseitig Preise dafür verliehen, besonders effizient mit Zahlen jonglieren zu können.<br />
<br />
Sie tat das hier, damit niemand ihres Rudels jemals einfach spurlos verschwand.<br />
Damit jemand gefunden werden konnte, bevor es zu spät war.<br />
Bevor wieder nur Stille zurückblieb.<br />
<br />
Ein leises Signal erklang an der Außenschleuse des Labors.<br />
<br />
Cyrel.<br />
<br />
Briar hob den Blick zu den Sicherheitsanzeigen, die seine Identität bestätigten. Für den Bruchteil einer Sekunde musterte sie ihr eigenes Spiegelbild in der Glasfläche daneben.<br />
<br />
Kaum wiederzuerkennen.<br />
<br />
Ihre wilde rote Lockenmähne war vollständig gebändigt und ordentlich hochgesteckt. Kein einziges widerspenstiges Knäuel sprang in alle Richtungen wie sonst. Die klinische Kleidung saß ungewohnt ordentlich an ihr, der dunkle Kasack sauber und faltenfrei. Handschuhe bedeckten ihre Hände, während das transparente Visier vor ihrem Mund ihr Gesicht leicht verzerrte.<br />
<br />
Keine Bandshirts.<br />
Keine Snackkrümel auf dem Stoff, keine ölverschmierten Finger.<br />
Keine zerschlissenen Jeans.<br />
<br />
<br />
Heute war sie nicht der chaotische Wirbelwind, den das Rudel gewohnt war.<br />
Heute war sie Wissenschaftlerin.<br />
<br />
Und ihr verdammtes Meisterwerk würde funktionieren!<br />
<br />
<ina> "Komm rein, zieh dich aus. Ich muss dich dekontaminieren und anschließend deinen Rücken desinfizieren, ehe ich dich nach hinten bringe."</ina> Einen Moment lang stockte sie. Sah zu dem Soldaten auf, der vor ihr stand. Erinnerte sich an das, was man ihr immer wieder riet. Erinnerte sich an ihre Erziehung. Die 'gute Kinderstube'. Und weil sie nicht im Wald bei wilden Tieren aufgewachsen war, wusste sie auch genau, womit sie eigentlich hätte anfangen sollen. <ina> "Hallo. Danke, dass du dich gemeldet hast."</ina><br />
<br />
Sie musste ihre Versuchskaninchen ... personen, Versuchspersonen! bei Laune halten. Immerhin war ihre eigene Genialität nur eine Seite der Medaille und sie brauchte die Wandler, um die Funktionalität ihres Prototyps sicherzustellen. Die Alphaversion war vielversprechend gewesen doch Fehleranfällig, sie hoffte sehr darauf, dass sie in der Betaversion alles ausgemerzt hatte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Das Labor lag tief im Herzen des Komplexes wie ein sterilisiertes Nervenzentrum aus Glas, Licht und summender Präzision. Keine Fenster nach draußen. Keine direkte Verbindung zur Außenwelt. Nur Schichten aus Sicherheitsprotokollen, schalldämpfenden Wänden und intelligenten Zugangssystemen, die jede Bewegung registrierten, analysierten und katalogisierten. Der einzige Hinweis darauf, dass hier tatsächlich jemand arbeitete und nicht bloß Maschinen autonom Prozesse abwickelten, war das unregelmäßige Flackern zahlloser Hologrammoberflächen und das gelegentliche, metallische Klacken feinmechanischer Werkzeuge.<br />
<br />
Briar liebte diesen Ort.<br />
<br />
Vielleicht ein wenig zu sehr.<br />
<br />
Das Labor war nicht einfach nur ein Arbeitsplatz. Es war eine Erweiterung ihres Verstandes. Ein physischer Ausdruck ihres Chaos, kanalisiert durch Genialität und einen beinahe krankhaften Perfektionismus, wenn es um Dinge ging, die ihr tatsächlich wichtig waren. Und dieses Projekt… dieses verdammte Projekt war nicht einfach wichtig.<br />
<br />
Es war heilig.<br />
<br />
Der Raum erstreckte sich weitläufig über mehrere Ebenen und war in unterschiedliche Sektionen unterteilt, die durch hohe Glaswände voneinander getrennt wurden. Kristallklar im inaktiven Zustand, doch mit einem simplen Sprachbefehl konnten sie milchig und undurchsichtig werden, jede Station vollständig isolieren oder sensible Arbeitsbereiche vor neugierigen Blicken abschirmen. In den Glasflächen liefen ununterbrochen feine Linien aus Daten entlang. Sicherheitscodes. Temperaturanzeigen. Luftreinheitswerte. Biometrische Parameter.<br />
<br />
Alles kontrolliert.<br />
Alles überwacht.<br />
Alles unter ihrer Hand.<br />
<br />
Im vorderen Bereich des Labors befanden sich mehrere modulare Werkbänke aus dunklem Verbundmetall, über denen holografische Interfaces schwebten. Zerlegte Waffen lagen dort nicht wie gewöhnlicher Schrott herum, sondern wie geöffnete Körper auf einem Operationstisch. Präzisionsgewehre mit freigelegten Energiekanälen. Modifizierte Magazine. Prototypische Klingen mit vibrierenden Schneiden, deren Energiekerne in transparenten Schächten pulsierten. Über einigen Arbeitsflächen rotierten dreidimensionale Blaupausen in blassem Cyanlicht, während Algorithmen Materialbelastungen simulierten und Schwachstellen berechneten.<br />
<br />
Weiter hinten befand sich die biotechnische Sektion.<br />
<br />
Ihr neuster Lieblingsbereich.<br />
<br />
Dort war die Atmosphäre eine andere als im restlichen Labor.<br />
<br />
Kühler.<br />
Leiser.<br />
Fast ehrfürchtig.<br />
<br />
Die Beleuchtung war heller und klinischer gehalten, reflektierte sich in makellosen Oberflächen und warf sterile Schatten über die makellos gereinigten Instrumententische. Die Luft roch nach Desinfektionsmitteln, Metall und diesem charakteristischen, beinahe elektrischen Geruch hochentwickelter Technologie, die ununterbrochen lief.<br />
<br />
Zylindrische Analysebehälter standen entlang der Wände wie ruhende Maschinenwesen, gefüllt mit schimmernden Flüssigkeiten und mikroskopischen Nanoscans biologischer Strukturen. Mehrere vertikale Bildschirme projizierten DNA-Stränge in die Luft, deren Sequenzen sich unablässig bewegten und neu sortierten. Zellverhalten. Gewebeadaption. Belastungsanalysen unter Wandlungsstress.<br />
<br />
Alles drehte sich um denselben Kern.<br />
<br />
<i>Den Chip</i>.<br />
<br />
Briars Blick hob sich zu dem holografischen Modell, das über der zentralen Arbeitsstation schwebte.<br />
<br />
Kaum größer als der Fingernagel ihres kleinen Fingers.<br />
<br />
Unspektakulär für jeden, der nicht verstand, was er dort eigentlich sah.<br />
<br />
Ein winziges Stück Technologie, das Jahre ihres Lebens verschlungen hatte. Jahre voller Fehlschläge. Zerstörter Prototypen. Implodierter Nanostrukturen. Verlorener Testreihen. Materialversagen während der Wandlungsimulationen. Signalstörungen. Abstoßungsreaktionen.<br />
<br />
Und trotzdem hatte sie nie aufgehört.<br />
Nicht nach der ersten Sackgasse.<br />
Nicht nach der zehnten.<br />
<br />
Nicht einmal nach jener Nacht, in der sie stundenlang reglos vor den Daten gesessen hatte, weil die letzte Simulation exakt denselben Fehler zeigte wie die fünf davor und sie ernsthaft darüber nachgedacht hatte, alles gegen die Wand zu werfen.<br />
<br />
Doch das hatte sie nicht. Und sie hatte nicht aufgegeben. Jetzt wurde sie endlich dafür belohnt.<br />
<br />
Der Chip rotierte langsam im Hologramm, während verschiedene Schichten transparent dargestellt wurden. Außenhülle. Adaptive Verankerungskomponenten. Biokompatible Nanofasern. Der eigentliche Senderkern tief im Inneren, geschützt durch mehrere Abschirmungsebenen, die moderne Ortungssysteme täuschen und gleichzeitig verhindern sollten, dass die Wandlung eines Gestaltwandlers das Ding schlicht zerfetzte.<br />
<br />
Ihr Lebenswerk.<br />
<br />
Ein Ortungschip, der selbst nach einer vollständigen Wandlung stabil blieb.<br />
<br />
Unsichtbar.<br />
Nicht zurückverfolgbar.<br />
Nicht störanfällig.<br />
Und vor allem: zuverlässig.<br />
<br />
Briars Hände bewegten sich routiniert über die holografischen Bedienfelder. Mehrere Fenster verschoben sich gleichzeitig, Daten wurden geöffnet, minimiert, neu angeordnet. Ihr Gehirn arbeitete schneller als die meisten Systeme, mit denen sie interagierte. Sie überprüfte ein letztes Mal die Vitalparameter der bisherigen Testreihen, ließ Materialanalysen durchlaufen und kontrollierte die Sterilisationswerte des Operationsbereiches.<br />
<br />
Perfekt.<br />
Es musste perfekt sein.<br />
<br />
Denn irgendwo tief unter all der Rationalität und den mathematischen Gleichungen existierte noch immer dieses eine Bild, das sie nie ganz losgeworden war.<br />
<br />
Ein Trupp, der ohne ihren Vater zurückgekehrt war.<br />
Zu spät.<br />
Immer zu spät.<br />
<br />
Sie erinnerte sich nicht mehr an jedes Detail dieses Tages. Erinnerungen zerfransten mit der Zeit, wurden weich an den Kanten. Aber das Gefühl war geblieben. Dieses kalte, hohle Wissen, dass irgendwo da draußen jemand gelegen hatte, verletzt, allein, möglicherweise noch am Leben … und niemand hatte ihn rechtzeitig gefunden.<br />
<br />
Weil niemand wusste, wo er war.<br />
<br />
Briar hatte damals beschlossen, dass sie dieses Problem irgendwann lösen würde.<br />
<br />
Menschen trafen ständig große emotionale Schwüre und vergaßen sie dann nach zwei Wochen wieder. Wie Neujahrsvorsätze mit mehr Traumaanteil. Sie nicht.<br />
<br />
Sie machte aus Dingen Obsessionen.<br />
<br />
Und jetzt stand sie kurz davor.<br />
<br />
Ihr Blick glitt zur abgeschirmten Sektion am hinteren Ende des Labors. Der sterile Eingriffsbereich war bereits vorbereitet. Transparente Instrumententische standen ordentlich sortiert bereit, jede Klinge, jedes Werkzeug exakt ausgerichtet. Darüber schwebten mehrere medizinische Interfaces, die Vitaldaten in Echtzeit erfassen würden. Ein autonomer Assistenzarm ruhte bewegungslos in seiner Halterung an der Decke, bereit, auf Sprachbefehle zu reagieren.<br />
<br />
In der Mitte stand der Stuhl.<br />
<br />
Übergroß. Gepolstert. Komfortabler als vieles, worin Soldaten vermutlich freiwillig schliefen.<br />
<br />
Briar verlangsamte ihre Schritte, als sie daran vorbeiging.<br />
<br />
Nur minimal.<br />
Kaum sichtbar.<br />
Aber genug.<br />
<br />
Ihr Mund verzog sich leicht, als sie an die letzte Person dachte, die in diesem Stuhl gesessen hatte, um ihr bei ihrem Projekt zu helfen.<br />
<br />
Letitia.<br />
<br />
Vor wenigen Wochen hatte die Soldatin noch genau dort gesessen. Beine locker überschlagen. Eine ihrer trockenen Bemerkungen auf den Lippen, während Briar Gewebeproben entnommen und parallel drei andere Dinge gleichzeitig erklärt hatte, die absolut niemand außer ihr interessant fand.<br />
<br />
Jetzt war sie tot.<br />
Der Platz leer.<br />
<br />
Und obwohl Briar nicht zu denen gehörte, die sich in Trauer verloren oder stundenlang sentimental vor sich hin zerfielen, zog sich für einen kurzen Augenblick etwas dumpf in ihrer Brust zusammen.<br />
<br />
Frisch genug, um noch weh zu tun.<br />
<br />
Sie blieb einen Herzschlag länger stehen, ließ den Blick über die Lehne des Sessels wandern und atmete langsam durch das transparente Visier aus.<br />
<br />
<ina> "Verdammt beschissener Zeitpunkt zum Sterben"</ina>, murmelte sie leise in den Raum hinein.<br />
<br />
Trocken.<br />
Fast genervt.<br />
Und gerade deshalb ehrlich.<br />
<br />
Dann richtete sie die Schultern wieder auf und machte weiter. So funktionierte das Leben nun einmal. Vor allem in diesem Rudel.<br />
<br />
Menschen starben.<br />
Soldaten verschwanden.<br />
Und genau deswegen stand sie hier.<br />
<br />
Nicht für Ruhm. Nicht für wissenschaftliche Anerkennung. Nicht für irgendwelche idiotischen Medialen-Auszeichnungen, die am Ende sowieso nur aus selbstgefälligen Leuten bestanden, die sich gegenseitig Preise dafür verliehen, besonders effizient mit Zahlen jonglieren zu können.<br />
<br />
Sie tat das hier, damit niemand ihres Rudels jemals einfach spurlos verschwand.<br />
Damit jemand gefunden werden konnte, bevor es zu spät war.<br />
Bevor wieder nur Stille zurückblieb.<br />
<br />
Ein leises Signal erklang an der Außenschleuse des Labors.<br />
<br />
Cyrel.<br />
<br />
Briar hob den Blick zu den Sicherheitsanzeigen, die seine Identität bestätigten. Für den Bruchteil einer Sekunde musterte sie ihr eigenes Spiegelbild in der Glasfläche daneben.<br />
<br />
Kaum wiederzuerkennen.<br />
<br />
Ihre wilde rote Lockenmähne war vollständig gebändigt und ordentlich hochgesteckt. Kein einziges widerspenstiges Knäuel sprang in alle Richtungen wie sonst. Die klinische Kleidung saß ungewohnt ordentlich an ihr, der dunkle Kasack sauber und faltenfrei. Handschuhe bedeckten ihre Hände, während das transparente Visier vor ihrem Mund ihr Gesicht leicht verzerrte.<br />
<br />
Keine Bandshirts.<br />
Keine Snackkrümel auf dem Stoff, keine ölverschmierten Finger.<br />
Keine zerschlissenen Jeans.<br />
<br />
<br />
Heute war sie nicht der chaotische Wirbelwind, den das Rudel gewohnt war.<br />
Heute war sie Wissenschaftlerin.<br />
<br />
Und ihr verdammtes Meisterwerk würde funktionieren!<br />
<br />
<ina> "Komm rein, zieh dich aus. Ich muss dich dekontaminieren und anschließend deinen Rücken desinfizieren, ehe ich dich nach hinten bringe."</ina> Einen Moment lang stockte sie. Sah zu dem Soldaten auf, der vor ihr stand. Erinnerte sich an das, was man ihr immer wieder riet. Erinnerte sich an ihre Erziehung. Die 'gute Kinderstube'. Und weil sie nicht im Wald bei wilden Tieren aufgewachsen war, wusste sie auch genau, womit sie eigentlich hätte anfangen sollen. <ina> "Hallo. Danke, dass du dich gemeldet hast."</ina><br />
<br />
Sie musste ihre Versuchskaninchen ... personen, Versuchspersonen! bei Laune halten. Immerhin war ihre eigene Genialität nur eine Seite der Medaille und sie brauchte die Wandler, um die Funktionalität ihres Prototyps sicherzustellen. Die Alphaversion war vielversprechend gewesen doch Fehleranfällig, sie hoffte sehr darauf, dass sie in der Betaversion alles ausgemerzt hatte.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[all big things come from small beginnings]]></title>
			<link>https://claws.stories-untold.de/showthread.php?tid=570</link>
			<pubDate>Mon, 13 Apr 2026 15:05:17 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://claws.stories-untold.de/member.php?action=profile&uid=30">Ryan Vasquez</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://claws.stories-untold.de/showthread.php?tid=570</guid>
			<description><![CDATA[Ryan lehnte mit überschlagenen Beinen und in den Hosentaschen versenkten Händen an einer Straßenlaterne in der Nähe des CPS Hauptquartiers. Die Augen geschlossen, weil der Schlafmangel der letzten Tage noch immer an ihm nagte, ließ er sich die Sonne ins Gesicht scheinen. Die Gewitter am Wochenende hatten eine angenehme, trockene Wärme hinterlassen. Entsprechend leicht war seine <a href="https://s1.directupload.eu/images/user/260413/wp59wp93.png"><span style="text-decoration: underline;" class="mycode_u">Garderobe</span></a> – eine dünne, sandfarbene Anzughose, helle Sneaker und ein dunkelblaues Hemd, großzügig aufgeknöpft und die Ärmel bis zu den Ellbogen hochgekrempelt. <br />
<br />
Eigentlich hätte das Treffen mit Miss Ashton bereits letzte Woche stattfinden sollen. Allerdings hatten <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">unvorhersehbare Umstände</span> dafür gesorgt, dass der Termin verschoben werden musste. Die Mission in Tschechien hätte ein Tagesausflug werden sollen. Stattdessen waren sie vier Tage unterwegs gewesen, um den Scherbenhaufen zusammenzuflicken, den Povstat hinterlassen hatte. <br />
<br />
Das leise Motorensurren eines sich aus der Ferne nähernden Fahrzeugs ließ den Alpha aufblicken. Das nachtschwarze Auto gehörte eindeutig zum Fuhrpark von CPS und damit war klar, dass der Fahrer eingetroffen war, der Miss Ashton von der Grenze des Reviers abgeholt hatte. Ryan stieß sich geschmeidig von der Laterne ab und lief mit schlendernden Schritten in Richtung Straße, sodass er zeitgleich mit dem Wagen die Einfahrt zum Firmengelände erreichte. Er grüßte den Fahrer durch ein leichtes Heben seine Hand, während er den Wagen umrundete und zur hinteren Tür Schritt. Er öffnete diese und trat sofort einen Schritt zur Seite, damit die Mediale ungehindert aussteigen konnte. Er wusste bereits, dass Rory Ashton eine Empathin war, doch selbst ohne dieses Wissen hätte ihre besondere Ausstrahlung ein ziemlich gutes Indiz dafür geliefert. Sein Wolf spürte es sofort und reagierte ähnlich auf sie, wie er es auf fremde Heiler tat. Er blieb präsent, jedoch eher in einer schützenden, denn in einer offensiven Rolle. Wachsam, aber neugierig statt misstrauisch. Auf den Lippen des Alphas lag ein sachtes Lächeln, das die höfliche Distanz zwischen ihnen wahrte, und dennoch eine leichte Wärme ausstrahlte. <br />
<br />
<b>„Hallo Miss Ashton! Willkommen in Townsend!“</b> Er ließ die Tür hinter ihr sanft ins Schloss fallen, bevor der Wagen leise an ihnen vorbei aufs Gelände rollte. <b> „Das Wetter ist zu schön zum Drinnensitzen. Wollen wir ein Stück gehen?“</b> Ryan hielt nicht alle seine Meetings bei einem Spaziergang ab, doch in diesem Fall fühlte es sich passend an. Hier ging es viel mehr um eine Tuchfühlung als um die starre Auswertung eines Portfolios. Er musste herausfinden, ob Rory und ihre Vorstellungen zu Townsend passten. Und das ging am besten, wenn er sie direkt in der Stadt selbst beobachten konnte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Ryan lehnte mit überschlagenen Beinen und in den Hosentaschen versenkten Händen an einer Straßenlaterne in der Nähe des CPS Hauptquartiers. Die Augen geschlossen, weil der Schlafmangel der letzten Tage noch immer an ihm nagte, ließ er sich die Sonne ins Gesicht scheinen. Die Gewitter am Wochenende hatten eine angenehme, trockene Wärme hinterlassen. Entsprechend leicht war seine <a href="https://s1.directupload.eu/images/user/260413/wp59wp93.png"><span style="text-decoration: underline;" class="mycode_u">Garderobe</span></a> – eine dünne, sandfarbene Anzughose, helle Sneaker und ein dunkelblaues Hemd, großzügig aufgeknöpft und die Ärmel bis zu den Ellbogen hochgekrempelt. <br />
<br />
Eigentlich hätte das Treffen mit Miss Ashton bereits letzte Woche stattfinden sollen. Allerdings hatten <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">unvorhersehbare Umstände</span> dafür gesorgt, dass der Termin verschoben werden musste. Die Mission in Tschechien hätte ein Tagesausflug werden sollen. Stattdessen waren sie vier Tage unterwegs gewesen, um den Scherbenhaufen zusammenzuflicken, den Povstat hinterlassen hatte. <br />
<br />
Das leise Motorensurren eines sich aus der Ferne nähernden Fahrzeugs ließ den Alpha aufblicken. Das nachtschwarze Auto gehörte eindeutig zum Fuhrpark von CPS und damit war klar, dass der Fahrer eingetroffen war, der Miss Ashton von der Grenze des Reviers abgeholt hatte. Ryan stieß sich geschmeidig von der Laterne ab und lief mit schlendernden Schritten in Richtung Straße, sodass er zeitgleich mit dem Wagen die Einfahrt zum Firmengelände erreichte. Er grüßte den Fahrer durch ein leichtes Heben seine Hand, während er den Wagen umrundete und zur hinteren Tür Schritt. Er öffnete diese und trat sofort einen Schritt zur Seite, damit die Mediale ungehindert aussteigen konnte. Er wusste bereits, dass Rory Ashton eine Empathin war, doch selbst ohne dieses Wissen hätte ihre besondere Ausstrahlung ein ziemlich gutes Indiz dafür geliefert. Sein Wolf spürte es sofort und reagierte ähnlich auf sie, wie er es auf fremde Heiler tat. Er blieb präsent, jedoch eher in einer schützenden, denn in einer offensiven Rolle. Wachsam, aber neugierig statt misstrauisch. Auf den Lippen des Alphas lag ein sachtes Lächeln, das die höfliche Distanz zwischen ihnen wahrte, und dennoch eine leichte Wärme ausstrahlte. <br />
<br />
<b>„Hallo Miss Ashton! Willkommen in Townsend!“</b> Er ließ die Tür hinter ihr sanft ins Schloss fallen, bevor der Wagen leise an ihnen vorbei aufs Gelände rollte. <b> „Das Wetter ist zu schön zum Drinnensitzen. Wollen wir ein Stück gehen?“</b> Ryan hielt nicht alle seine Meetings bei einem Spaziergang ab, doch in diesem Fall fühlte es sich passend an. Hier ging es viel mehr um eine Tuchfühlung als um die starre Auswertung eines Portfolios. Er musste herausfinden, ob Rory und ihre Vorstellungen zu Townsend passten. Und das ging am besten, wenn er sie direkt in der Stadt selbst beobachten konnte.]]></content:encoded>
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