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		<title><![CDATA[claws & fangs - restliches Revier]]></title>
		<link>https://claws.stories-untold.de/</link>
		<description><![CDATA[claws & fangs - https://claws.stories-untold.de]]></description>
		<pubDate>Mon, 12 Oct 2026 19:49:49 +0000</pubDate>
		<generator>MyBB</generator>
		<item>
			<title><![CDATA[in wood we trust - no bears were harmed in the making]]></title>
			<link>https://claws.stories-untold.de/showthread.php?tid=588</link>
			<pubDate>Sun, 30 Aug 2026 20:39:33 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://claws.stories-untold.de/member.php?action=profile&uid=22">Malachi Sloan</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://claws.stories-untold.de/showthread.php?tid=588</guid>
			<description><![CDATA[Wenn man Malachi gefragt hätte, wann genau aus einer vergleichsweise simplen Renovierung eine militärisch organisierte Großoperation geworden war, hätte er vermutlich keine vernünftige Antwort darauf geben können.<br />
<br />
Vielleicht in dem Moment, in dem Neela begonnen hatte, Aufgabenlisten zu verteilen.<br />
<br />
Vielleicht auch erst, als Alaya eben jene Aufgabenlisten kommentarlos an sich genommen, an einigen Stellen durchgestrichen, ergänzt und anschließend mit einer Selbstverständlichkeit zurückgegeben hatte, die keinen Zweifel daran ließ, dass selbst eine Stellvertreterin gut beraten war, einer dominanten Bärenmutter nicht zu widersprechen, wenn diese beschlossen hatte, dass sechs Bleche Gebäck für eine Horde körperlich arbeitender Gestaltwandler vollkommen unzureichend waren.<br />
<br />
Wahrscheinlich jedoch hatte das Schicksal der kleinen Hütte bereits lange vorher festgestanden.<br />
<br />
Spätestens in dem Augenblick, in dem irgendjemand im Clan erfahren hatte, welche Cree sich ausgesucht hatte.<br />
<br />
Sie lag - für einen Erwachsenen - nur wenige Minuten von der Höhle entfernt, eingebettet zwischen hohen Bäumen und weit genug vom Zentrum des Reviers entfernt, um tatsächlich so etwas wie Privatsphäre zu ermöglichen. Ein nicht vollkommen unwesentlicher Faktor, wenn man bedachte, dass vor allem die jüngeren Clanmitglieder dazu neigten, die Nähe ihres Alphas zu suchen, sobald sie wussten, wo sie ihn finden konnten.<br />
<br />
Cree liebte den Clan.<br />
<br />
Aber wahrscheinlich liebte er ihn erheblich mehr, wenn nicht jeden Morgen drei Kinder, zwei Jugendliche und irgendein erwachsener Bär mit einer vollkommen fadenscheinigen Begründung vor seiner Haustür standen.<br />
<br />
Malachi konnte es ihm nicht verübeln. Sein eigener Bär hätte wahrscheinlich spätestens am dritten Tag angefangen, Besucher mit gezielten Blicken vom Grundstück zu vertreiben. Und Steinen.<br />
<br />
Allerdings hatte die gewünschte Abgeschiedenheit ihren Preis gehabt. <br />
<br />
Die Hütte war nicht heruntergekommen. Zumindest nicht, wenn man den Begriff großzügig auslegte. Sie war nur...<br />
<br />
Malachi ließ den Blick über die offene Küche gleiten, deren alte Fronten mittlerweile vollständig verschwunden waren ... vernachlässigt gewesen.<br />
<br />
<i>Sehr</i> vernachlässigt.<br />
<br />
Jahrelang hatte hier niemand gewohnt, der mehr getan hatte, als notwendige Reparaturen durchführen zu lassen. Das Holz war grundsätzlich gesund gewesen, die Konstruktion stabil, das Dach dicht. Doch die Veranda hatte bessere Jahrzehnte gesehen, einzelne Dielen hatten ausgetauscht werden müssen und Teile des Geländers waren so mürbe gewesen, dass selbst ein menschliches Kind vermutlich ausreichend Kraft besessen hätte, sie aus ihrer Verankerung zu reißen.<br />
<br />
Die Elektrik war funktionstüchtig gewesen. Wenn man unter funktionstüchtig verstand, dass noch niemand daran gestorben war.<br />
<br />
Das Wassersystem war empfindlich. <br />
Die Küche alt.<br />
Einige Fenster mussten neu abgedichtet werden.<br />
<br />
Und irgendwo draußen fluchte seit mindestens fünf Minuten jemand in derart kreativen Wortkombinationen, dass Malachi langsam neugierig wurde, was dort eigentlich schiefging.<br />
<br />
Er schob die letzte Schublade der neuen Küchenzeile zurück.<br />
<br />
Sie glitt geräuschlos in ihre Führung.<br />
<br />
Noch einmal.<br />
Raus.<br />
Rein.<br />
Perfekt.<br />
<br />
Zufrieden trat er einen halben Schritt zurück.<br />
<br />
Die ursprünglichen Küchenschränke waren nicht vollständig ersetzt worden. Das hätte dem Charakter der Hütte widersprochen, und irgendwie hatte niemand gewollt, dass Cree anschließend in einem Heim lebte, das aussah, als wäre es gestern aus irgendeinem Einrichtungskatalog gefallen.<br />
<br />
Also hatte man erhalten, was erhaltenswert gewesen war.<br />
<br />
Massive Holzkorpusse waren abgeschliffen, beschädigte Stellen ersetzt und die Fronten überarbeitet worden. Moderne Auszüge, neue Scharniere und eine deutlich sinnvollere Innenaufteilung hatten dafür gesorgt, dass die Küche mittlerweile technisch kaum noch etwas mit ihrem ursprünglichen Zustand gemeinsam hatte, äußerlich jedoch noch immer zu der rustikalen Hütte passte.<br />
<br />
Malachi legte die Hand auf die Arbeitsplatte und überprüfte mit leichtem Druck noch einmal ihren Sitz.<br />
<br />
<i>"Wenn du das Ding noch einmal kontrollierst, wächst es davon auch nicht fester."</i><br />
Er hob den Kopf und blickte in große braune Augen, vor die sich eine widerspenstige Locke schob. Eine der Mütter, deren Namen ihm gerade entfallen war, balancierte zwei Körbe voller sauberer Geschirrtücher durch den Raum und grinste ihn an.<br />
<br />
Malachi sah zurück auf die Platte.<br />
Dann wieder zu ihr.<br />
<br />
<ina>"Du weißt nicht, wie motivierend Kontrolle wirken kann."</ina>, gab er zurück und beschloss sich der nächsten Aufgabe zuzuwenden.<br />
Ihr Lachen folgte ihm noch, als er sich von der Küchenzeile abwandte.<br />
<br />
Die Küche war ohnehin nicht mehr sein Problem.<br />
Zumindest offiziell.<br />
<br />
Was in diesem Haus wenig bedeutete.<br />
<br />
Überall arbeiteten Menschen, Mediale und Gestaltwandler gleichzeitig an Dingen, die irgendwann auf einer Liste gestanden hatten und inzwischen längst in eine Vielzahl kleinerer Aufgaben zerfallen waren.<br />
<br />
Zwei Männer knieten vor einer Wand und verschwanden bis zu den Schultern hinter einer geöffneten Verkleidung, während eine Frau neben ihnen irgendeinen Messwert vorlas. Im Wohnzimmer stand ein halb aufgebautes Regal, dessen Einzelteile sich über einen erstaunlich großen Bereich des Fußbodens verteilten. Dazwischen bewegten sich Clanmitglieder mit Werkzeugen, Kartons, Kabeln, Stoffen, Lebensmitteln und Dingen, deren Zweck Malachi nicht auf den ersten Blick bestimmen konnte.<br />
<br />
Ein junger Soldat lief mit einem zusammengerollten Teppich vorbei.<br />
Hinter ihm folgte ein Mädchen mit einem Akkuschrauber.<br />
<br />
<i>"Der gehört nicht dir!"</i><br />
"Jetzt schon!"<br />
<i>"NADIA!"</i><br />
<br />
Malachi schnaubte leise.<br />
Niemand reagierte darauf.<br />
<br />
Vermutlich, weil ungefähr gleichzeitig draußen ein lautes Krachen erklang.<br />
<br />
Für einen kurzen Moment wurde es still.<br />
Nicht vollkommen.<br />
Aber ausreichend, um zu wissen, dass etwas nicht nach Plan lief.<br />
<br />
Mehrere Köpfe drehten sich in Richtung der geöffneten Haustür.<br />
<br />
<i>"Alles gut!"</i><br />
Eine männliche Stimme.<br />
Pause.<br />
Stille.<br />
<br />
<i>"Der Balken war sowieso kaputt!"</i><br />
<br />
Malachi verzog das Gesicht.<br />
Von irgendwo weiter hinten kam trocken: "Jetzt auf jeden Fall."<br />
<br />
Gelächter brandete durch die Hütte, bevor der Lärm beinahe genauso schnell wieder anschwoll wie zuvor.<br />
<br />
Es war Chaos.<br />
Kein wirkliches Chaos.<br />
Aber irgendwie doch Chaos.<br />
<br />
An der Seitenwand hing mittlerweile Neelas dritte überarbeitete Aufgabenübersicht. Farbliche Markierungen zeigten, welche Bereiche erledigt waren, wo Material fehlte und welche Gruppen einander zuarbeiteten. Werkzeuge hatten feste Ablageplätze bekommen, damit nicht permanent gesucht wurde. Zwei Clanmitglieder hielten den Materialbestand im Auge und irgendwo existierte sogar ein Plan darüber, wer wann Pause machen sollte.<br />
<br />
Dass sich trotzdem niemand vollständig daran hielt, war wahrscheinlich unvermeidlich.<br />
Bären waren gut darin, gemeinsam zu arbeiten.<br />
<br />
Sie waren nur nicht besonders gut darin, dabei leise zu sein.<br />
Malachi trat durch die offene Haustür hinaus auf die Veranda und sofort schlug ihm ein Gemisch aus Gerüchen entgegen.<br />
<br />
Frisch geschliffenes Holz.<br />
Lasur.<br />
Erde.<br />
Schweiß.<br />
Sonnenwarmes Laub.<br />
Gegrilltes Fleisch.<br />
Kaffee.<br />
<br />
Und darunter die unzähligen individuellen Witterungen der Clanmitglieder, die sich zu etwas verbanden, das sein Bär sofort erkannte.<br />
<br />
<i>Zuhause.</i><br />
<br />
Das Tier in seinem Inneren wurde für einen Augenblick vollkommen ruhig und Malachi ignorierte es nicht.<br />
Früher hätte er es vielleicht getan, aber mittlerweile wusste er es besser.<br />
<br />
Vor der Hütte erstreckte sich ein Bild, das wahrscheinlich jeden Außenstehenden vollkommen überfordert hätte.<br />
<br />
Auf der linken Seite arbeiteten mehrere Clanmitglieder an der Veranda. Ein Teil der alten Bretter war bereits ausgetauscht worden, während andere gerade abgeschliffen wurden. Zwei Männer kümmerten sich um einen der tragenden Balken. Weiter hinten strich eine Gruppe bereits die fertig bearbeiteten Bereiche mit einer Lasur, die das Holz gegen Feuchtigkeit, Schädlinge und die nächsten Jahrzehnte schützen sollte.<br />
<br />
Auf der rechten Seite des Grundstücks stand ein langer improvisierter Tisch unter mehreren Sonnensegeln.<br />
Oder vielmehr mehrere Tische.<br />
<br />
Darauf türmten sich Getränke, belegte Brote, Salate, Obst, Fleisch, Kuchen und eine Menge anderer Dinge, die Alaya vermutlich unter dem harmlosen Begriff kleine Verpflegung zusammengefasst hatte.<br />
<br />
Malachi wusste inzwischen, dass man solche Aussagen niemals wörtlich nehmen durfte.<br />
Vor allem nicht von Müttern.<br />
<br />
Die Frauen, die dort das Kommando übernommen hatten, kümmerten sich jedoch nicht ausschließlich um Essen.<br />
Sie beobachteten.<br />
<br />
<b>Alles. Und. Jeden.</b><br />
<br />
Malachi hatte keine Ahnung, wie sie das machten.<br />
<br />
Einige unterhielten sich, eine schnitt Gemüse, eine andere füllte Getränkebehälter auf und gleichzeitig schien jede einzelne von ihnen exakt zu wissen, wann irgendwo jemand drohte, eine fragwürdige Entscheidung zu treffen.<br />
<br />
<i>"Nicht auf die Lehne!"</i>, erklang die rauchige Frauenstimme mit dem schweren, russischen Akzent.<br />
<br />
Ein Jugendlicher, der gerade einen Fuß auf einen Stuhl gestellt hatte, erstarrte.<br />
Langsam setzte er ihn wieder ab.<br />
<br />
Alaya sah nicht einmal zu ihm. Dennoch kam ein <i>"Danke."</i> und der Junge nickte nur knapp. Und irritiert.<br />
<br />
Malachi musste grinsen.<br />
<br />
Es gab Formen von Dominanz, gegen die selbst extrem dominante Bären klug genug waren, nicht anzukämpfen.<br />
<br />
Mütter gehörten dazu.<br />
Noch durften sie sich überwiegend draußen aufhalten.<br />
<br />
Malachi vermutete, dass Neela diesen Teil der Planung bewusst nach hinten geschoben hatte.<br />
<br />
<ul><li>Zuerst Bauarbeiten.<br />
<li>Dann Grundreinigung.<br />
<li>Dann Einrichtung.</ul>
<br />
Und erst ganz am Ende würden Alaya und ihre kleine Armee losgelassen werden, um der Hütte den letzten Schliff zu verpassen. Dabei hatte man mehrfach und sehr ausdrücklich betont, dass der letzte Schliff den beiden Männern entsprechen sollte, die hier wohnen würden.<br />
<br />
Kein Tüll.<br />
Keine dekorativen Rüschen.<br />
Keine absurden Mengen an Kissen.<br />
Kein Rosa.<br />
<br />
Alaya hatte daraufhin mit leicht beleidigter Miene erklärt, sie verfüge durchaus über Geschmack.<br />
Niemand hatte gewagt, darauf zu antworten.<br />
Wahrscheinlich aus Selbsterhaltungstrieb.<br />
<br />
Malachi ließ seinen Blick über das Grundstück wandern.<br />
Das hier war mehr als irgendeine Renovierung.<br />
<br />
Es war auch kein Arbeitseinsatz, obwohl es sich organisatorisch problemlos mit einem solchen messen konnte.<br />
<br />
Es war ein Geburtstagsgeschenk.<br />
Für Cree.<br />
<br />
Und gleichzeitig etwas anderes.<br />
Etwas, das niemand offiziell ausgesprochen hatte, weil es vollkommen überflüssig gewesen wäre.<br />
<br />
Kade gehörte hierher.<br />
<br />
Ob der Mediale selbst bereits bereit war, diesen Umstand anzuerkennen, interessierte offensichtlich niemanden besonders.<br />
Das Paarungsband mochte noch offen sein.<br />
Kade mochte noch nicht offiziell eingewilligt haben.<br />
Der Clan hatte seine Entscheidung offenbar längst getroffen.<br />
<br />
Es war nicht Crees Hütte.<br />
Es war ihre.<br />
<br />
Die Möbel wurden für zwei Männer ausgesucht.<br />
Die Vorräte für zwei Bewohner aufgefüllt.<br />
<br />
Bei den Umbauten war darauf geachtet worden, dass sowohl Cree als auch Kade sich hier wohlfühlen konnten.<br />
<br />
Niemand behandelte den Medialen wie einen vorübergehenden Gast.<br />
Niemand richtete ihm irgendeine symbolische Ecke ein, die man später wieder entfernen konnte.<br />
<br />
<br />
Malachi spürte, wie sich etwas Warmes in seiner Brust ausbreitete und sein Bär brummte zufrieden. So funktionierte Familie.<br />
Man konnte sich gegen vieles wehren.<br />
<br />
Aber gegen einen Clan voller Bären, der beschlossen hatte, jemanden zu adoptieren? Viel Glück.<br />
<br />
<i>"Mal!"</i> Er drehte den Kopf in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war und suchte nach demjenigen, der ihn gerufen hatte.<br />
Jake stand einige Meter entfernt bei einer geöffneten Versorgungsklappe und hatte drei jüngere Soldaten um sich versammelt. Der Eisbär deutete mit einer Hand auf irgendein Bauteil, während er mit der anderen eine schematische Darstellung auf einem Tablet vergrößerte.<br />
Malachi hob fragend die Brauen.<br />
<br />
Jake deutete nur mit zwei Fingern auf seine eigenen Augen und anschließend auf die jungen Männer, als wolle er sagen: Die hier hab ich im Blick.<br />
Malachi nickte.<br />
<br />
Das war vermutlich auch notwendig.<br />
<br />
Das Wassersystem der Hütte war eine kleine Besonderheit. Alt genug, um empfindlich zu sein, aber auf eine Weise konstruiert, die eine komplette Erneuerung unnötig gemacht hatte. Stattdessen hatte man es modernisiert, mehrere Komponenten ersetzt und mit einem effizienteren Aufbereitungs- und Kreislaufsystem verbunden.<br />
<br />
Was wiederum bedeutete, dass man wissen sollte, was man tat. <br />
<!-- start: charactertagger_tag_link -->
<a href="member.php?action=profile&amp;uid=65" id="tag-18" class="tag" title="Jake Bressett" data-uid="65">Jake</a>
<!-- end: charactertagger_tag_link --> wusste es.<br />
<br />
Ob seine drei Schüler es wussten, würde sich vermutlich noch zeigen.<br />
Einer von ihnen griff nach einem Ventil.<br />
Jake schlug ihm leicht auf die Finger.<br />
<br />
"Ich wollte nur—"<br />
<i>"Nein."</i><br />
<br />
Malachi grinste.<br />
<br />
Er würde später nachsehen, ob Jake noch Hilfe brauchte.<br />
Im Moment sah es jedoch so aus, als hätte der Eisbär die Situation unter Kontrolle.<br />
<br />
Sein Blick wanderte weiter.<br />
<br />
Nur wenige Meter entfernt erkannte er Romeo. Der Schwarzbär stand etwas abseits vom unmittelbaren Arbeitsbereich und unterhielt sich mit Jericho. <br />
<br />
Malachi kannte den Wapiti nicht besonders gut.<br />
Doch er wusste genug über ihn.<br />
Wildhüter und - wenn er es recht im Kopf hatte - Soldat im mittleren Rang.<br />
<br />
Ein Mann, der große Teile seiner Zeit damit verbrachte, die Tierwelt des Reviers zu überwachen und gleichzeitig bei den Arbeiten rund um Aufforstung und Erhaltung der Wälder mitzuwirken. Zusammen mit Crees Vater Eamon.<br />
<br />
Ein wichtiges Mitglied des Clans.<br />
<br />
Und vermutlich gerade deshalb fiel Malachi sofort auf, wie sorgfältig Romeo seine eigene Dominanz zurückhielt.<br />
Nicht vollständig, denn das wäre kaum möglich gewesen. Aber genug, um den Bullen nicht in Bedrängnis zu bringen und den immensen Unterschied zwischen Raub- und Fluchttier herauszufordern.<br />
<br />
Jericho stand entspannt.<br />
<br />
Naja ... Nicht vollkommen, dafür waren dann doch zu viele dominante Raubtiere auf engem Raum versammelt. Mann und Bär konnten die unterschwellige Aufmerksamkeit in seiner Haltung erkennen, das instinktive Bewusstsein eines Herdentiers, das von Wesen umgeben war, deren animalischer Instinkt vollkommen anders funktionierte als der eigene.<br />
<br />
Doch niemand drängte ihn und niemand kam ihm unnötig nahe.<br />
Selbst die Laufwege um die beiden Männer herum wirkten einen Hauch großzügiger.<br />
<br />
Wobei er nicht mit Sicherheit sagen konnte, ob es aus Rücksicht vor Jericho geschah, oder weil man Romeo nicht auf die Pelle rücken wollte, der trotz seiner umgänglichen Art ein 'No-Bullshit-Taker' war. <br />
<br />
Malachi mochte das.<br />
<br />
Vielleicht gerade deshalb, weil es kaum auffiel.<br />
<br />
Er war jahrelang durch die Welt gereist. Hatte Rudel kennengelernt, Clans besucht, mit Gemeinschaften verhandelt, deren Zusammenleben auf vollkommen unterschiedlichen Hierarchien und Traditionen basierte.<br />
<br />
Überall hatte man von Loyalität gesprochen.<br />
<br />
Von Stärke.<br />
Von Zusammenhalt.<br />
Doch am Ende zeigte sich die Qualität einer Gemeinschaft selten in großen Reden.<br />
<br />
Sie zeigte sich darin, ob jemand bemerkte, dass einer ihrer Soldaten zwischen dreißig Raubtieren stand und vielleicht einen halben Meter mehr Raum gebrauchen konnte.<br />
<br />
Darin, dass jemand frisches Essen in einen Kühlschrank stellte, wenn ein Clanmitglied nach Jahren nach Hause kam.<br />
<br />
Oder darin, dass dutzende Menschen einen freien Tag opferten, um innerhalb weniger Stunden eine alte Hütte in ein Zuhause zu verwandeln, nur damit ihr Alpha am Abend vor seiner Tür stand und begriff, dass er verdammt noch mal nicht alles alleine tragen musste.<br />
<br />
Malachi atmete langsam aus, dann setzte er sich in Bewegung.<br />
<br />
Er wich einem jungen Mann aus, der zwei lange Bretter auf der Schulter trug, fing im Vorbeigehen eine Wasserflasche auf, die ihm jemand ohne Vorwarnung zuwarf, und duckte sich unter einem Stromkabel hinweg, das gerade von einer Seite des Grundstücks zur anderen getragen wurde.<br />
<br />
<i>"Malachi! Hast du gegessen?"</i>, wandte sich die rauchige Stimme nun an ihn.<br />
Er blieb nicht stehen, sondern antwortete der Mutter im Laufen: <ina>"Ja!"</ina><br />
Eine Sekunde Stille. Als würde sie abwägen und das Kollektivhirn der Mütter anzapfen. Dann: <i>"Wann?"</i><br />
<br />
Verdammt.<br />
<br />
Er sah über seine Schulter.<br />
Alaya stand mit verschränkten Armen hinter dem Tisch.<br />
Malachi hob die Wasserflasche ein wenig an. <ina>Ich arbeite daran.“</ina><br />
Ihr Blick wurde schmal. <i>"Das ist Wasser."</i><br />
<ina>"Ich sehe, dass dir nichts entgeht."</ina><br />
<i>"Malachi."</i><br />
Er grinste und versprach: <ina>"Gleich."</ina><br />
<br />
Sie zeigte auf ihn.<br />
Dann auf den Tisch.<br />
Eine vollkommen unmissverständliche Drohung.<br />
<br />
Malachi hob beschwichtigend die freie Hand und setzte seinen Weg fort.<br />
<br />
Romeo hatte ihn inzwischen bemerkt.<br />
Jericho ebenfalls.<br />
<br />
Je näher Malachi kam, desto deutlicher konnte er einzelne Gesprächsfetzen aus dem allgemeinen Lärm herausfiltern, verstand jedoch nicht genug, um zu wissen, worüber die beiden gesprochen hatten. Also versuchte er es auch gar nicht erst. Er blieb in angenehmem Abstand vor den beiden Männern stehen und ließ seinen Blick kurz zwischen Romeo und Jericho wandern.<br />
<br />
Hinter ihnen erklang erneut ein lautes Krachen.<br />
Diesmal folgte unmittelbar: "Fuck!"<br />
Dann: "Alles okay!"<br />
<br />
Malachi wartete einen Moment, ehe er fragte: <ina>"Sollten wir nachsehen?"</ina><br />
Romeo blickte in die entsprechende Richtung.<br />
Jericho ebenfalls.<br />
<br />
Ein weiterer Ruf erklang: "Hat jemand einen zweiten Hammer?!"<br />
<br />
<ina>"Dann offenbar nicht."</ina>, schnaubte Malachi leise und konzentrierte sich wieder auf die beiden Männer.<br />
<ina>"Küche steht."</ina> Er hob kurz die Wasserflasche an, bevor er sie öffnete. <ina>"Jake hält da hinten gerade einen Einführungskurs darüber, wie man Cree nicht versehentlich die Wasserversorgung sprengt, und solange keiner seiner Schüler besonders kreativ wird, sieht es aus, als hätte er das unter Kontrolle."</ina><br />
<br />
Er nahm einen Schluck aus der Wasserflasche.<br />
Hinter Romeo bewegten zwei Frauen eine große Zimmerpflanze quer über das Grundstück.<br />
<br />
Eine Zimmerpflanze. <br />
Natürlich.<br />
Die Mütter infiltrierten bereits das Gebäude.<br />
Verdammte Profis.<br />
<br />
Seine Aufmerksamkeit kehrte zu Romeo und Jericho zurück.<br />
<br />
<ina>"Also."</ina> Er schraubte den Deckel wieder auf die Flasche. <ina>"Braucht ihr noch irgendwo zwei Hände?"</ina><br />
Eine kurze Pause. Dann verzog sich sein Mundwinkel. <ina>"Bevor Alaya mich zum Essen zwingt und ich für die nächsten zwanzig Minuten als Arbeitskraft ausfalle."</ina>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Wenn man Malachi gefragt hätte, wann genau aus einer vergleichsweise simplen Renovierung eine militärisch organisierte Großoperation geworden war, hätte er vermutlich keine vernünftige Antwort darauf geben können.<br />
<br />
Vielleicht in dem Moment, in dem Neela begonnen hatte, Aufgabenlisten zu verteilen.<br />
<br />
Vielleicht auch erst, als Alaya eben jene Aufgabenlisten kommentarlos an sich genommen, an einigen Stellen durchgestrichen, ergänzt und anschließend mit einer Selbstverständlichkeit zurückgegeben hatte, die keinen Zweifel daran ließ, dass selbst eine Stellvertreterin gut beraten war, einer dominanten Bärenmutter nicht zu widersprechen, wenn diese beschlossen hatte, dass sechs Bleche Gebäck für eine Horde körperlich arbeitender Gestaltwandler vollkommen unzureichend waren.<br />
<br />
Wahrscheinlich jedoch hatte das Schicksal der kleinen Hütte bereits lange vorher festgestanden.<br />
<br />
Spätestens in dem Augenblick, in dem irgendjemand im Clan erfahren hatte, welche Cree sich ausgesucht hatte.<br />
<br />
Sie lag - für einen Erwachsenen - nur wenige Minuten von der Höhle entfernt, eingebettet zwischen hohen Bäumen und weit genug vom Zentrum des Reviers entfernt, um tatsächlich so etwas wie Privatsphäre zu ermöglichen. Ein nicht vollkommen unwesentlicher Faktor, wenn man bedachte, dass vor allem die jüngeren Clanmitglieder dazu neigten, die Nähe ihres Alphas zu suchen, sobald sie wussten, wo sie ihn finden konnten.<br />
<br />
Cree liebte den Clan.<br />
<br />
Aber wahrscheinlich liebte er ihn erheblich mehr, wenn nicht jeden Morgen drei Kinder, zwei Jugendliche und irgendein erwachsener Bär mit einer vollkommen fadenscheinigen Begründung vor seiner Haustür standen.<br />
<br />
Malachi konnte es ihm nicht verübeln. Sein eigener Bär hätte wahrscheinlich spätestens am dritten Tag angefangen, Besucher mit gezielten Blicken vom Grundstück zu vertreiben. Und Steinen.<br />
<br />
Allerdings hatte die gewünschte Abgeschiedenheit ihren Preis gehabt. <br />
<br />
Die Hütte war nicht heruntergekommen. Zumindest nicht, wenn man den Begriff großzügig auslegte. Sie war nur...<br />
<br />
Malachi ließ den Blick über die offene Küche gleiten, deren alte Fronten mittlerweile vollständig verschwunden waren ... vernachlässigt gewesen.<br />
<br />
<i>Sehr</i> vernachlässigt.<br />
<br />
Jahrelang hatte hier niemand gewohnt, der mehr getan hatte, als notwendige Reparaturen durchführen zu lassen. Das Holz war grundsätzlich gesund gewesen, die Konstruktion stabil, das Dach dicht. Doch die Veranda hatte bessere Jahrzehnte gesehen, einzelne Dielen hatten ausgetauscht werden müssen und Teile des Geländers waren so mürbe gewesen, dass selbst ein menschliches Kind vermutlich ausreichend Kraft besessen hätte, sie aus ihrer Verankerung zu reißen.<br />
<br />
Die Elektrik war funktionstüchtig gewesen. Wenn man unter funktionstüchtig verstand, dass noch niemand daran gestorben war.<br />
<br />
Das Wassersystem war empfindlich. <br />
Die Küche alt.<br />
Einige Fenster mussten neu abgedichtet werden.<br />
<br />
Und irgendwo draußen fluchte seit mindestens fünf Minuten jemand in derart kreativen Wortkombinationen, dass Malachi langsam neugierig wurde, was dort eigentlich schiefging.<br />
<br />
Er schob die letzte Schublade der neuen Küchenzeile zurück.<br />
<br />
Sie glitt geräuschlos in ihre Führung.<br />
<br />
Noch einmal.<br />
Raus.<br />
Rein.<br />
Perfekt.<br />
<br />
Zufrieden trat er einen halben Schritt zurück.<br />
<br />
Die ursprünglichen Küchenschränke waren nicht vollständig ersetzt worden. Das hätte dem Charakter der Hütte widersprochen, und irgendwie hatte niemand gewollt, dass Cree anschließend in einem Heim lebte, das aussah, als wäre es gestern aus irgendeinem Einrichtungskatalog gefallen.<br />
<br />
Also hatte man erhalten, was erhaltenswert gewesen war.<br />
<br />
Massive Holzkorpusse waren abgeschliffen, beschädigte Stellen ersetzt und die Fronten überarbeitet worden. Moderne Auszüge, neue Scharniere und eine deutlich sinnvollere Innenaufteilung hatten dafür gesorgt, dass die Küche mittlerweile technisch kaum noch etwas mit ihrem ursprünglichen Zustand gemeinsam hatte, äußerlich jedoch noch immer zu der rustikalen Hütte passte.<br />
<br />
Malachi legte die Hand auf die Arbeitsplatte und überprüfte mit leichtem Druck noch einmal ihren Sitz.<br />
<br />
<i>"Wenn du das Ding noch einmal kontrollierst, wächst es davon auch nicht fester."</i><br />
Er hob den Kopf und blickte in große braune Augen, vor die sich eine widerspenstige Locke schob. Eine der Mütter, deren Namen ihm gerade entfallen war, balancierte zwei Körbe voller sauberer Geschirrtücher durch den Raum und grinste ihn an.<br />
<br />
Malachi sah zurück auf die Platte.<br />
Dann wieder zu ihr.<br />
<br />
<ina>"Du weißt nicht, wie motivierend Kontrolle wirken kann."</ina>, gab er zurück und beschloss sich der nächsten Aufgabe zuzuwenden.<br />
Ihr Lachen folgte ihm noch, als er sich von der Küchenzeile abwandte.<br />
<br />
Die Küche war ohnehin nicht mehr sein Problem.<br />
Zumindest offiziell.<br />
<br />
Was in diesem Haus wenig bedeutete.<br />
<br />
Überall arbeiteten Menschen, Mediale und Gestaltwandler gleichzeitig an Dingen, die irgendwann auf einer Liste gestanden hatten und inzwischen längst in eine Vielzahl kleinerer Aufgaben zerfallen waren.<br />
<br />
Zwei Männer knieten vor einer Wand und verschwanden bis zu den Schultern hinter einer geöffneten Verkleidung, während eine Frau neben ihnen irgendeinen Messwert vorlas. Im Wohnzimmer stand ein halb aufgebautes Regal, dessen Einzelteile sich über einen erstaunlich großen Bereich des Fußbodens verteilten. Dazwischen bewegten sich Clanmitglieder mit Werkzeugen, Kartons, Kabeln, Stoffen, Lebensmitteln und Dingen, deren Zweck Malachi nicht auf den ersten Blick bestimmen konnte.<br />
<br />
Ein junger Soldat lief mit einem zusammengerollten Teppich vorbei.<br />
Hinter ihm folgte ein Mädchen mit einem Akkuschrauber.<br />
<br />
<i>"Der gehört nicht dir!"</i><br />
"Jetzt schon!"<br />
<i>"NADIA!"</i><br />
<br />
Malachi schnaubte leise.<br />
Niemand reagierte darauf.<br />
<br />
Vermutlich, weil ungefähr gleichzeitig draußen ein lautes Krachen erklang.<br />
<br />
Für einen kurzen Moment wurde es still.<br />
Nicht vollkommen.<br />
Aber ausreichend, um zu wissen, dass etwas nicht nach Plan lief.<br />
<br />
Mehrere Köpfe drehten sich in Richtung der geöffneten Haustür.<br />
<br />
<i>"Alles gut!"</i><br />
Eine männliche Stimme.<br />
Pause.<br />
Stille.<br />
<br />
<i>"Der Balken war sowieso kaputt!"</i><br />
<br />
Malachi verzog das Gesicht.<br />
Von irgendwo weiter hinten kam trocken: "Jetzt auf jeden Fall."<br />
<br />
Gelächter brandete durch die Hütte, bevor der Lärm beinahe genauso schnell wieder anschwoll wie zuvor.<br />
<br />
Es war Chaos.<br />
Kein wirkliches Chaos.<br />
Aber irgendwie doch Chaos.<br />
<br />
An der Seitenwand hing mittlerweile Neelas dritte überarbeitete Aufgabenübersicht. Farbliche Markierungen zeigten, welche Bereiche erledigt waren, wo Material fehlte und welche Gruppen einander zuarbeiteten. Werkzeuge hatten feste Ablageplätze bekommen, damit nicht permanent gesucht wurde. Zwei Clanmitglieder hielten den Materialbestand im Auge und irgendwo existierte sogar ein Plan darüber, wer wann Pause machen sollte.<br />
<br />
Dass sich trotzdem niemand vollständig daran hielt, war wahrscheinlich unvermeidlich.<br />
Bären waren gut darin, gemeinsam zu arbeiten.<br />
<br />
Sie waren nur nicht besonders gut darin, dabei leise zu sein.<br />
Malachi trat durch die offene Haustür hinaus auf die Veranda und sofort schlug ihm ein Gemisch aus Gerüchen entgegen.<br />
<br />
Frisch geschliffenes Holz.<br />
Lasur.<br />
Erde.<br />
Schweiß.<br />
Sonnenwarmes Laub.<br />
Gegrilltes Fleisch.<br />
Kaffee.<br />
<br />
Und darunter die unzähligen individuellen Witterungen der Clanmitglieder, die sich zu etwas verbanden, das sein Bär sofort erkannte.<br />
<br />
<i>Zuhause.</i><br />
<br />
Das Tier in seinem Inneren wurde für einen Augenblick vollkommen ruhig und Malachi ignorierte es nicht.<br />
Früher hätte er es vielleicht getan, aber mittlerweile wusste er es besser.<br />
<br />
Vor der Hütte erstreckte sich ein Bild, das wahrscheinlich jeden Außenstehenden vollkommen überfordert hätte.<br />
<br />
Auf der linken Seite arbeiteten mehrere Clanmitglieder an der Veranda. Ein Teil der alten Bretter war bereits ausgetauscht worden, während andere gerade abgeschliffen wurden. Zwei Männer kümmerten sich um einen der tragenden Balken. Weiter hinten strich eine Gruppe bereits die fertig bearbeiteten Bereiche mit einer Lasur, die das Holz gegen Feuchtigkeit, Schädlinge und die nächsten Jahrzehnte schützen sollte.<br />
<br />
Auf der rechten Seite des Grundstücks stand ein langer improvisierter Tisch unter mehreren Sonnensegeln.<br />
Oder vielmehr mehrere Tische.<br />
<br />
Darauf türmten sich Getränke, belegte Brote, Salate, Obst, Fleisch, Kuchen und eine Menge anderer Dinge, die Alaya vermutlich unter dem harmlosen Begriff kleine Verpflegung zusammengefasst hatte.<br />
<br />
Malachi wusste inzwischen, dass man solche Aussagen niemals wörtlich nehmen durfte.<br />
Vor allem nicht von Müttern.<br />
<br />
Die Frauen, die dort das Kommando übernommen hatten, kümmerten sich jedoch nicht ausschließlich um Essen.<br />
Sie beobachteten.<br />
<br />
<b>Alles. Und. Jeden.</b><br />
<br />
Malachi hatte keine Ahnung, wie sie das machten.<br />
<br />
Einige unterhielten sich, eine schnitt Gemüse, eine andere füllte Getränkebehälter auf und gleichzeitig schien jede einzelne von ihnen exakt zu wissen, wann irgendwo jemand drohte, eine fragwürdige Entscheidung zu treffen.<br />
<br />
<i>"Nicht auf die Lehne!"</i>, erklang die rauchige Frauenstimme mit dem schweren, russischen Akzent.<br />
<br />
Ein Jugendlicher, der gerade einen Fuß auf einen Stuhl gestellt hatte, erstarrte.<br />
Langsam setzte er ihn wieder ab.<br />
<br />
Alaya sah nicht einmal zu ihm. Dennoch kam ein <i>"Danke."</i> und der Junge nickte nur knapp. Und irritiert.<br />
<br />
Malachi musste grinsen.<br />
<br />
Es gab Formen von Dominanz, gegen die selbst extrem dominante Bären klug genug waren, nicht anzukämpfen.<br />
<br />
Mütter gehörten dazu.<br />
Noch durften sie sich überwiegend draußen aufhalten.<br />
<br />
Malachi vermutete, dass Neela diesen Teil der Planung bewusst nach hinten geschoben hatte.<br />
<br />
<ul><li>Zuerst Bauarbeiten.<br />
<li>Dann Grundreinigung.<br />
<li>Dann Einrichtung.</ul>
<br />
Und erst ganz am Ende würden Alaya und ihre kleine Armee losgelassen werden, um der Hütte den letzten Schliff zu verpassen. Dabei hatte man mehrfach und sehr ausdrücklich betont, dass der letzte Schliff den beiden Männern entsprechen sollte, die hier wohnen würden.<br />
<br />
Kein Tüll.<br />
Keine dekorativen Rüschen.<br />
Keine absurden Mengen an Kissen.<br />
Kein Rosa.<br />
<br />
Alaya hatte daraufhin mit leicht beleidigter Miene erklärt, sie verfüge durchaus über Geschmack.<br />
Niemand hatte gewagt, darauf zu antworten.<br />
Wahrscheinlich aus Selbsterhaltungstrieb.<br />
<br />
Malachi ließ seinen Blick über das Grundstück wandern.<br />
Das hier war mehr als irgendeine Renovierung.<br />
<br />
Es war auch kein Arbeitseinsatz, obwohl es sich organisatorisch problemlos mit einem solchen messen konnte.<br />
<br />
Es war ein Geburtstagsgeschenk.<br />
Für Cree.<br />
<br />
Und gleichzeitig etwas anderes.<br />
Etwas, das niemand offiziell ausgesprochen hatte, weil es vollkommen überflüssig gewesen wäre.<br />
<br />
Kade gehörte hierher.<br />
<br />
Ob der Mediale selbst bereits bereit war, diesen Umstand anzuerkennen, interessierte offensichtlich niemanden besonders.<br />
Das Paarungsband mochte noch offen sein.<br />
Kade mochte noch nicht offiziell eingewilligt haben.<br />
Der Clan hatte seine Entscheidung offenbar längst getroffen.<br />
<br />
Es war nicht Crees Hütte.<br />
Es war ihre.<br />
<br />
Die Möbel wurden für zwei Männer ausgesucht.<br />
Die Vorräte für zwei Bewohner aufgefüllt.<br />
<br />
Bei den Umbauten war darauf geachtet worden, dass sowohl Cree als auch Kade sich hier wohlfühlen konnten.<br />
<br />
Niemand behandelte den Medialen wie einen vorübergehenden Gast.<br />
Niemand richtete ihm irgendeine symbolische Ecke ein, die man später wieder entfernen konnte.<br />
<br />
<br />
Malachi spürte, wie sich etwas Warmes in seiner Brust ausbreitete und sein Bär brummte zufrieden. So funktionierte Familie.<br />
Man konnte sich gegen vieles wehren.<br />
<br />
Aber gegen einen Clan voller Bären, der beschlossen hatte, jemanden zu adoptieren? Viel Glück.<br />
<br />
<i>"Mal!"</i> Er drehte den Kopf in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war und suchte nach demjenigen, der ihn gerufen hatte.<br />
Jake stand einige Meter entfernt bei einer geöffneten Versorgungsklappe und hatte drei jüngere Soldaten um sich versammelt. Der Eisbär deutete mit einer Hand auf irgendein Bauteil, während er mit der anderen eine schematische Darstellung auf einem Tablet vergrößerte.<br />
Malachi hob fragend die Brauen.<br />
<br />
Jake deutete nur mit zwei Fingern auf seine eigenen Augen und anschließend auf die jungen Männer, als wolle er sagen: Die hier hab ich im Blick.<br />
Malachi nickte.<br />
<br />
Das war vermutlich auch notwendig.<br />
<br />
Das Wassersystem der Hütte war eine kleine Besonderheit. Alt genug, um empfindlich zu sein, aber auf eine Weise konstruiert, die eine komplette Erneuerung unnötig gemacht hatte. Stattdessen hatte man es modernisiert, mehrere Komponenten ersetzt und mit einem effizienteren Aufbereitungs- und Kreislaufsystem verbunden.<br />
<br />
Was wiederum bedeutete, dass man wissen sollte, was man tat. <br />
<!-- start: charactertagger_tag_link -->
<a href="member.php?action=profile&amp;uid=65" id="tag-18" class="tag" title="Jake Bressett" data-uid="65">Jake</a>
<!-- end: charactertagger_tag_link --> wusste es.<br />
<br />
Ob seine drei Schüler es wussten, würde sich vermutlich noch zeigen.<br />
Einer von ihnen griff nach einem Ventil.<br />
Jake schlug ihm leicht auf die Finger.<br />
<br />
"Ich wollte nur—"<br />
<i>"Nein."</i><br />
<br />
Malachi grinste.<br />
<br />
Er würde später nachsehen, ob Jake noch Hilfe brauchte.<br />
Im Moment sah es jedoch so aus, als hätte der Eisbär die Situation unter Kontrolle.<br />
<br />
Sein Blick wanderte weiter.<br />
<br />
Nur wenige Meter entfernt erkannte er Romeo. Der Schwarzbär stand etwas abseits vom unmittelbaren Arbeitsbereich und unterhielt sich mit Jericho. <br />
<br />
Malachi kannte den Wapiti nicht besonders gut.<br />
Doch er wusste genug über ihn.<br />
Wildhüter und - wenn er es recht im Kopf hatte - Soldat im mittleren Rang.<br />
<br />
Ein Mann, der große Teile seiner Zeit damit verbrachte, die Tierwelt des Reviers zu überwachen und gleichzeitig bei den Arbeiten rund um Aufforstung und Erhaltung der Wälder mitzuwirken. Zusammen mit Crees Vater Eamon.<br />
<br />
Ein wichtiges Mitglied des Clans.<br />
<br />
Und vermutlich gerade deshalb fiel Malachi sofort auf, wie sorgfältig Romeo seine eigene Dominanz zurückhielt.<br />
Nicht vollständig, denn das wäre kaum möglich gewesen. Aber genug, um den Bullen nicht in Bedrängnis zu bringen und den immensen Unterschied zwischen Raub- und Fluchttier herauszufordern.<br />
<br />
Jericho stand entspannt.<br />
<br />
Naja ... Nicht vollkommen, dafür waren dann doch zu viele dominante Raubtiere auf engem Raum versammelt. Mann und Bär konnten die unterschwellige Aufmerksamkeit in seiner Haltung erkennen, das instinktive Bewusstsein eines Herdentiers, das von Wesen umgeben war, deren animalischer Instinkt vollkommen anders funktionierte als der eigene.<br />
<br />
Doch niemand drängte ihn und niemand kam ihm unnötig nahe.<br />
Selbst die Laufwege um die beiden Männer herum wirkten einen Hauch großzügiger.<br />
<br />
Wobei er nicht mit Sicherheit sagen konnte, ob es aus Rücksicht vor Jericho geschah, oder weil man Romeo nicht auf die Pelle rücken wollte, der trotz seiner umgänglichen Art ein 'No-Bullshit-Taker' war. <br />
<br />
Malachi mochte das.<br />
<br />
Vielleicht gerade deshalb, weil es kaum auffiel.<br />
<br />
Er war jahrelang durch die Welt gereist. Hatte Rudel kennengelernt, Clans besucht, mit Gemeinschaften verhandelt, deren Zusammenleben auf vollkommen unterschiedlichen Hierarchien und Traditionen basierte.<br />
<br />
Überall hatte man von Loyalität gesprochen.<br />
<br />
Von Stärke.<br />
Von Zusammenhalt.<br />
Doch am Ende zeigte sich die Qualität einer Gemeinschaft selten in großen Reden.<br />
<br />
Sie zeigte sich darin, ob jemand bemerkte, dass einer ihrer Soldaten zwischen dreißig Raubtieren stand und vielleicht einen halben Meter mehr Raum gebrauchen konnte.<br />
<br />
Darin, dass jemand frisches Essen in einen Kühlschrank stellte, wenn ein Clanmitglied nach Jahren nach Hause kam.<br />
<br />
Oder darin, dass dutzende Menschen einen freien Tag opferten, um innerhalb weniger Stunden eine alte Hütte in ein Zuhause zu verwandeln, nur damit ihr Alpha am Abend vor seiner Tür stand und begriff, dass er verdammt noch mal nicht alles alleine tragen musste.<br />
<br />
Malachi atmete langsam aus, dann setzte er sich in Bewegung.<br />
<br />
Er wich einem jungen Mann aus, der zwei lange Bretter auf der Schulter trug, fing im Vorbeigehen eine Wasserflasche auf, die ihm jemand ohne Vorwarnung zuwarf, und duckte sich unter einem Stromkabel hinweg, das gerade von einer Seite des Grundstücks zur anderen getragen wurde.<br />
<br />
<i>"Malachi! Hast du gegessen?"</i>, wandte sich die rauchige Stimme nun an ihn.<br />
Er blieb nicht stehen, sondern antwortete der Mutter im Laufen: <ina>"Ja!"</ina><br />
Eine Sekunde Stille. Als würde sie abwägen und das Kollektivhirn der Mütter anzapfen. Dann: <i>"Wann?"</i><br />
<br />
Verdammt.<br />
<br />
Er sah über seine Schulter.<br />
Alaya stand mit verschränkten Armen hinter dem Tisch.<br />
Malachi hob die Wasserflasche ein wenig an. <ina>Ich arbeite daran.“</ina><br />
Ihr Blick wurde schmal. <i>"Das ist Wasser."</i><br />
<ina>"Ich sehe, dass dir nichts entgeht."</ina><br />
<i>"Malachi."</i><br />
Er grinste und versprach: <ina>"Gleich."</ina><br />
<br />
Sie zeigte auf ihn.<br />
Dann auf den Tisch.<br />
Eine vollkommen unmissverständliche Drohung.<br />
<br />
Malachi hob beschwichtigend die freie Hand und setzte seinen Weg fort.<br />
<br />
Romeo hatte ihn inzwischen bemerkt.<br />
Jericho ebenfalls.<br />
<br />
Je näher Malachi kam, desto deutlicher konnte er einzelne Gesprächsfetzen aus dem allgemeinen Lärm herausfiltern, verstand jedoch nicht genug, um zu wissen, worüber die beiden gesprochen hatten. Also versuchte er es auch gar nicht erst. Er blieb in angenehmem Abstand vor den beiden Männern stehen und ließ seinen Blick kurz zwischen Romeo und Jericho wandern.<br />
<br />
Hinter ihnen erklang erneut ein lautes Krachen.<br />
Diesmal folgte unmittelbar: "Fuck!"<br />
Dann: "Alles okay!"<br />
<br />
Malachi wartete einen Moment, ehe er fragte: <ina>"Sollten wir nachsehen?"</ina><br />
Romeo blickte in die entsprechende Richtung.<br />
Jericho ebenfalls.<br />
<br />
Ein weiterer Ruf erklang: "Hat jemand einen zweiten Hammer?!"<br />
<br />
<ina>"Dann offenbar nicht."</ina>, schnaubte Malachi leise und konzentrierte sich wieder auf die beiden Männer.<br />
<ina>"Küche steht."</ina> Er hob kurz die Wasserflasche an, bevor er sie öffnete. <ina>"Jake hält da hinten gerade einen Einführungskurs darüber, wie man Cree nicht versehentlich die Wasserversorgung sprengt, und solange keiner seiner Schüler besonders kreativ wird, sieht es aus, als hätte er das unter Kontrolle."</ina><br />
<br />
Er nahm einen Schluck aus der Wasserflasche.<br />
Hinter Romeo bewegten zwei Frauen eine große Zimmerpflanze quer über das Grundstück.<br />
<br />
Eine Zimmerpflanze. <br />
Natürlich.<br />
Die Mütter infiltrierten bereits das Gebäude.<br />
Verdammte Profis.<br />
<br />
Seine Aufmerksamkeit kehrte zu Romeo und Jericho zurück.<br />
<br />
<ina>"Also."</ina> Er schraubte den Deckel wieder auf die Flasche. <ina>"Braucht ihr noch irgendwo zwei Hände?"</ina><br />
Eine kurze Pause. Dann verzog sich sein Mundwinkel. <ina>"Bevor Alaya mich zum Essen zwingt und ich für die nächsten zwanzig Minuten als Arbeitskraft ausfalle."</ina>]]></content:encoded>
		</item>
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