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		<title><![CDATA[claws & fangs - Knoxville]]></title>
		<link>https://claws.stories-untold.de/</link>
		<description><![CDATA[claws & fangs - https://claws.stories-untold.de]]></description>
		<pubDate>Sat, 18 Apr 2026 16:12:49 +0000</pubDate>
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			<title><![CDATA[I learned to fight before I learned to feel]]></title>
			<link>https://claws.stories-untold.de/showthread.php?tid=555</link>
			<pubDate>Wed, 18 Mar 2026 13:00:43 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://claws.stories-untold.de/member.php?action=profile&uid=133">Kenjiro Takahashi</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<div id="estcath"><div id="estcath-contain">
<div class="estcath-secondary">I learned to fight before I learned to feel </div>
<div id="estcath-main"><div class="estcath-title"> heartbeat</div>
<div class="estcath-facts">Kenjiro & Farlow <span>/</span> Tokyo Taste <span>/</span> Datum <span>/</span> mittags <span>/</span> <a href="https://i.pinimg.com/736x/3e/c8/97/3ec8977f0b786386732b0030ee755fc4.jpg" target="_blank"> Outfit</a><br />
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<br />
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<br />
Er hatte kein Heimweh. Knoxville war anders. Kleiner. Viel kleiner als Chicago. <br />
Aber nichts trieb ihn zurück. <br />
Abgesehen von dieser Schlange!<br />
Er seufzte genervt und tänzelte von einem Fuß auf den anderen. Geduld war nicht wirklich seine Stärke. <jin>“Willst du jemanden bestrafen, dann stell ihn in 'ne Schlange“</jin>, murmelte er. Er konnte den Gedanken nicht bei sich halten. Diesen, der ihn an die Hölle erinnerte, in der jeder eine Nummer zog und sich hinten anstellen musste. <br />
<br />
Die asiatischen Religionen kannten 12.800 Unterwelten unter der Erde – acht dunkle Unterwelten, acht kalte Unterwelten und 84.000 sonstige Unterwelten am Rande des Universums. Alle kamen nach dem Tod in die Unterwelt, aber wie lange man dort blieb, hing von der Schwere der Sünden ab, die man begangen hatte. <br />
<br />
Und Kenjiro befand sich jetzt schon in einer davon. <br />
Dabei hatte er sich nur etwas zu Mittag holen wollen. <br />
Er hätte es ja mitgenommen und auf dem Heimweg gegessen, aber es regnete! Und man aß Sushi nicht aus einem Regenfass! Und trotzallem musste er anstehen. <br />
<br />
Geh ins Tokyo Taste, hatten sie gesagt! Da gibt’s das beste Sushi des Landes, hatten sie gesagt.<br />
Nur hatte niemand gesagt, dass es nicht mehr frisch sein würde, wenn er endlich an der Reihe war. Und dass es der einzige Japaner in der Gegend war. Alle rannten in ihrer Mittagspause hier her. <br />
Für einen winzigen Moment lang hielt er es für einen Scherz. Den Neuen mal so richtig verladen. Ihm waren die Blicke der anderen nicht entgangen. Abschätzend und so als würde man herausfinden wollen, ob er hielt. Wie eine geflickte Naht, die man mit einem skeptischen Blick maß, während man erstmal prüfend am Stoff zerrte. <br />
<br />
In der High School lief es nicht besser. Name. Herkunft. Alter. Und dann diese hochgezogene Augenbraue. So als hätte er vergessen, sich 'ne Hose anzuziehen. Und in ihren Blicken all diese Fragen, die er nicht beantworten wollte. Er hätte längst mit der Schule fertig sein müssen. Stattdessen stand er da und schrieb sich für das Semester der zehnten Klasse ein. Die Zehnte! Nicht die Zwölfte – was man vielleicht noch ohne einen Laut der Überraschung hingenommen hätte. Aber die Zehnte? Das konnte nur bedeuten, dass mehr hinter der Schwänzerei steckte – und er las die Frage danach förmlich in ihren Gesichtern. <br />
<br />
Und dann das Geräusch seiner Schuhe auf dem Linoleum der Gänge. Der Geruch von alten Socken und vergammeltem Schulbrot in den Spints – Gott, er hatte das wirklich hinter sich gelassen. Und jetzt holte es ihn ein. Mit der Wucht eines Düsenjets, weil er sich kein bisschen darum geschert hatte, wie das Drumherum sein würde. Er wollte doch nur kämpfen!<br />
<br />
Dabei würde er in einer Woche wieder zur High School gehen und sich fragen, wieso zum Teufel er das Kleingedruckte nicht rechtzeitig gelesen hatte.<br />
<br />
Jetzt steckte er bis zum Hals in neuen Pflichten, während der Traum vom Sieg auf dem Ozean der Hoffnung dahin schipperte. <br />
<br />
Manches davon war ja ganz okay. Taschengeld zum Beispiel. Oder das Kampftraining. Er war auch ganz zufrieden mit seiner Unterkunft. Und das Essen in der Kantine war auch nicht schlecht. Futtern, wann immer er wollte – das klang nach echtem Luxus. Endlich mal nichts essen, das aus der Mikrowelle des Supermarkts kam. <br />
<br />
Aber der Rest? Der warf ihn gnadenlos zurück in die Welt, aus der er einst geflohen war. Und jetzt gerade – in dieser Schlange – zweifelte er an seinem Urteilsvermögen. Vielleicht hätte er ja doch Huangs Einladung annehmen sollen. Das wäre zumindest die Abkürzung gewesen. Hier gab’s keine Abkürzungen. Das hatte er gleich bei seiner Ankunft begriffen. <br />
<br />
Vor ihm stand so 'n Kerl mit der Duftnote eines Stinktiers. Er kam wohl grad vom Bau. War okay. Wenn man nicht dazu verdonnert war, in der Schlange gleich hinter ihm zu stehen. Für einen kurzen Moment dachte er darüber nach, eine Lücke zu lassen. Aber Menschen waren schon 'ne ziemlich arschige Spezies. Auch die mit tierischem Anteil. In die Lücke hätte sich gleich jemand rein gedrängelt. Und er war sowieso schon angepisst. Oder vielleicht war es auch der Wolf in ihm. Er hat den Unterschied nie richtig finden können. <br />
<br />
Hinter ihm roch es nach Maiglöckchen und Kupfer. Kupfer! Diesen Geruch kannte er! Blut. Blut roch nach Kupfer. Von Instinkt getrieben drehte er sich um und sah der Kleinen kurz ins Gesicht. <br />
Er hatte die Hände in die Hosentaschen seiner Jeans geschoben und spielte mit der Schachtel Zigaretten, die er darin versteckt hatte. Rauchen war auch verboten! Das würde eine echt harte Zeit werden!<br />
Sein Blick glitt prüfend über ihr Gesicht. Dann an ihrem Körper herunter und wieder herauf. Kurz grinste er, ehe er sich wieder umdrehte. Kein Blut! Sie war nicht verletzt. Vielleicht gehörte dieser Geruch ja zu ihr? Dann wär’s aber 'ne interessante Mischung. Eine, auf die der Wolf in ihm ganz deutlich reagierte. <br />
<br />
Sie hatte braune Augen! <br />
Das Grinsen wurde breiter und er senkte den Blick, weil er fürchtete, man würde ihn für 'nen Trottel halten, der blöd vor sich hin griente. In Chicago hätt’s dafür sogar Prügel gegeben. An der falschen Ecke auf jeden Fall. <br />
Hier war er nur 'n Japaner, der zum Japaner wollte. <br />
An den Chillmodus dieser Stadt musste er sich erst noch gewöhnen. <br />
<br />
Dann drängte sich eine kleine Gruppe Leute an der Schlange vorbei und besetzte einen der ohnehin schon zu wenig vorhandenen Tische. Einen von ihnen verdonnerten sie zum Anstehen. <br />
<jin>“Echt jetzt?“</jin> Er zog die Hände aus den Hosentaschen und hätte sich beinahe über die Dreistigkeit empört. Dreitausend Kunden hatten noch vor ihnen ein Recht auf einen Tisch. <br />
<br />
Aber er war erst seit drei Tagen hier. Genug, um zu wissen, dass das 'n mieser Start wäre… aber auch nicht lang genug, um alte Gewohnheiten gänzlich abzustreifen. <br />
<br />
Er schnaufte geladen. <jin> Das reicht!“</jin> <br />
<br />
Ruckartig drehte er sich zu dem Mädchen hinter ihm um. <jin>“Okay, Maiglöckchen… sag mir, was du haben willst, ich bring’s dir mit. Du gehst da rüber…“</jin> Mit dem Kinn deutete er auf einen der letzten freien Tische in einer Ecke, <jin>“Und besetzt den Tisch.“</jin> Er drehte sich kurz um, streifte leicht angewidert den Kerl von der Stinktier-Baubrigade, und sah sie dann wieder an. <jin>„Mach schnell, sonst müssen wir unser Sushi im Regen futtern. Und ich hab da echt keinen Nerv zu!“</jin> Er hob eine Augenbraue, als würde er deutlich machen, wie sehr diese Schlange ohnehin schon an seinen Nerven zerrte. Der Blick blieb einen Moment länger an ihr hängen, als nötig gewesen wäre. Nicht aufdringlich – aber durchaus interessiert. <jin>„Du kannst natürlich auch hier stehen bleiben und weiter…“</jin> er verzog leicht das Gesicht, ließ den Blick demonstrativ über den Kerl vor sich streifen, <jin>„…das Aroma genießen.“</jin> Ein schiefes Grinsen lüpfte einen seiner Mundwinkel. <jin>„Deine Entscheidung.“</jin><br />
<br />
Er lehnte sich ein Stück nach vorn, gerade so weit, dass seine Stimme nicht für die halbe Schlange hörbar war. <jin>„Ich bin schnell. Versprochen.“</jin><br />
Ein kurzer Blick wanderte wieder über sie – diesmal bewusster. Die Art, wie sie da stand. Die Spannung in ihrem Körper. Der Geruch. Und diesen braunen Augen... Sein Wolf war nicht ruhig. Ganz und gar nicht. <jin>„Also?“</jin> Er deutete herausfordernd zum Tisch. <jin>„Deal oder Deal?“</jin>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="estcath"><div id="estcath-contain">
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Er hatte kein Heimweh. Knoxville war anders. Kleiner. Viel kleiner als Chicago. <br />
Aber nichts trieb ihn zurück. <br />
Abgesehen von dieser Schlange!<br />
Er seufzte genervt und tänzelte von einem Fuß auf den anderen. Geduld war nicht wirklich seine Stärke. <jin>“Willst du jemanden bestrafen, dann stell ihn in 'ne Schlange“</jin>, murmelte er. Er konnte den Gedanken nicht bei sich halten. Diesen, der ihn an die Hölle erinnerte, in der jeder eine Nummer zog und sich hinten anstellen musste. <br />
<br />
Die asiatischen Religionen kannten 12.800 Unterwelten unter der Erde – acht dunkle Unterwelten, acht kalte Unterwelten und 84.000 sonstige Unterwelten am Rande des Universums. Alle kamen nach dem Tod in die Unterwelt, aber wie lange man dort blieb, hing von der Schwere der Sünden ab, die man begangen hatte. <br />
<br />
Und Kenjiro befand sich jetzt schon in einer davon. <br />
Dabei hatte er sich nur etwas zu Mittag holen wollen. <br />
Er hätte es ja mitgenommen und auf dem Heimweg gegessen, aber es regnete! Und man aß Sushi nicht aus einem Regenfass! Und trotzallem musste er anstehen. <br />
<br />
Geh ins Tokyo Taste, hatten sie gesagt! Da gibt’s das beste Sushi des Landes, hatten sie gesagt.<br />
Nur hatte niemand gesagt, dass es nicht mehr frisch sein würde, wenn er endlich an der Reihe war. Und dass es der einzige Japaner in der Gegend war. Alle rannten in ihrer Mittagspause hier her. <br />
Für einen winzigen Moment lang hielt er es für einen Scherz. Den Neuen mal so richtig verladen. Ihm waren die Blicke der anderen nicht entgangen. Abschätzend und so als würde man herausfinden wollen, ob er hielt. Wie eine geflickte Naht, die man mit einem skeptischen Blick maß, während man erstmal prüfend am Stoff zerrte. <br />
<br />
In der High School lief es nicht besser. Name. Herkunft. Alter. Und dann diese hochgezogene Augenbraue. So als hätte er vergessen, sich 'ne Hose anzuziehen. Und in ihren Blicken all diese Fragen, die er nicht beantworten wollte. Er hätte längst mit der Schule fertig sein müssen. Stattdessen stand er da und schrieb sich für das Semester der zehnten Klasse ein. Die Zehnte! Nicht die Zwölfte – was man vielleicht noch ohne einen Laut der Überraschung hingenommen hätte. Aber die Zehnte? Das konnte nur bedeuten, dass mehr hinter der Schwänzerei steckte – und er las die Frage danach förmlich in ihren Gesichtern. <br />
<br />
Und dann das Geräusch seiner Schuhe auf dem Linoleum der Gänge. Der Geruch von alten Socken und vergammeltem Schulbrot in den Spints – Gott, er hatte das wirklich hinter sich gelassen. Und jetzt holte es ihn ein. Mit der Wucht eines Düsenjets, weil er sich kein bisschen darum geschert hatte, wie das Drumherum sein würde. Er wollte doch nur kämpfen!<br />
<br />
Dabei würde er in einer Woche wieder zur High School gehen und sich fragen, wieso zum Teufel er das Kleingedruckte nicht rechtzeitig gelesen hatte.<br />
<br />
Jetzt steckte er bis zum Hals in neuen Pflichten, während der Traum vom Sieg auf dem Ozean der Hoffnung dahin schipperte. <br />
<br />
Manches davon war ja ganz okay. Taschengeld zum Beispiel. Oder das Kampftraining. Er war auch ganz zufrieden mit seiner Unterkunft. Und das Essen in der Kantine war auch nicht schlecht. Futtern, wann immer er wollte – das klang nach echtem Luxus. Endlich mal nichts essen, das aus der Mikrowelle des Supermarkts kam. <br />
<br />
Aber der Rest? Der warf ihn gnadenlos zurück in die Welt, aus der er einst geflohen war. Und jetzt gerade – in dieser Schlange – zweifelte er an seinem Urteilsvermögen. Vielleicht hätte er ja doch Huangs Einladung annehmen sollen. Das wäre zumindest die Abkürzung gewesen. Hier gab’s keine Abkürzungen. Das hatte er gleich bei seiner Ankunft begriffen. <br />
<br />
Vor ihm stand so 'n Kerl mit der Duftnote eines Stinktiers. Er kam wohl grad vom Bau. War okay. Wenn man nicht dazu verdonnert war, in der Schlange gleich hinter ihm zu stehen. Für einen kurzen Moment dachte er darüber nach, eine Lücke zu lassen. Aber Menschen waren schon 'ne ziemlich arschige Spezies. Auch die mit tierischem Anteil. In die Lücke hätte sich gleich jemand rein gedrängelt. Und er war sowieso schon angepisst. Oder vielleicht war es auch der Wolf in ihm. Er hat den Unterschied nie richtig finden können. <br />
<br />
Hinter ihm roch es nach Maiglöckchen und Kupfer. Kupfer! Diesen Geruch kannte er! Blut. Blut roch nach Kupfer. Von Instinkt getrieben drehte er sich um und sah der Kleinen kurz ins Gesicht. <br />
Er hatte die Hände in die Hosentaschen seiner Jeans geschoben und spielte mit der Schachtel Zigaretten, die er darin versteckt hatte. Rauchen war auch verboten! Das würde eine echt harte Zeit werden!<br />
Sein Blick glitt prüfend über ihr Gesicht. Dann an ihrem Körper herunter und wieder herauf. Kurz grinste er, ehe er sich wieder umdrehte. Kein Blut! Sie war nicht verletzt. Vielleicht gehörte dieser Geruch ja zu ihr? Dann wär’s aber 'ne interessante Mischung. Eine, auf die der Wolf in ihm ganz deutlich reagierte. <br />
<br />
Sie hatte braune Augen! <br />
Das Grinsen wurde breiter und er senkte den Blick, weil er fürchtete, man würde ihn für 'nen Trottel halten, der blöd vor sich hin griente. In Chicago hätt’s dafür sogar Prügel gegeben. An der falschen Ecke auf jeden Fall. <br />
Hier war er nur 'n Japaner, der zum Japaner wollte. <br />
An den Chillmodus dieser Stadt musste er sich erst noch gewöhnen. <br />
<br />
Dann drängte sich eine kleine Gruppe Leute an der Schlange vorbei und besetzte einen der ohnehin schon zu wenig vorhandenen Tische. Einen von ihnen verdonnerten sie zum Anstehen. <br />
<jin>“Echt jetzt?“</jin> Er zog die Hände aus den Hosentaschen und hätte sich beinahe über die Dreistigkeit empört. Dreitausend Kunden hatten noch vor ihnen ein Recht auf einen Tisch. <br />
<br />
Aber er war erst seit drei Tagen hier. Genug, um zu wissen, dass das 'n mieser Start wäre… aber auch nicht lang genug, um alte Gewohnheiten gänzlich abzustreifen. <br />
<br />
Er schnaufte geladen. <jin> Das reicht!“</jin> <br />
<br />
Ruckartig drehte er sich zu dem Mädchen hinter ihm um. <jin>“Okay, Maiglöckchen… sag mir, was du haben willst, ich bring’s dir mit. Du gehst da rüber…“</jin> Mit dem Kinn deutete er auf einen der letzten freien Tische in einer Ecke, <jin>“Und besetzt den Tisch.“</jin> Er drehte sich kurz um, streifte leicht angewidert den Kerl von der Stinktier-Baubrigade, und sah sie dann wieder an. <jin>„Mach schnell, sonst müssen wir unser Sushi im Regen futtern. Und ich hab da echt keinen Nerv zu!“</jin> Er hob eine Augenbraue, als würde er deutlich machen, wie sehr diese Schlange ohnehin schon an seinen Nerven zerrte. Der Blick blieb einen Moment länger an ihr hängen, als nötig gewesen wäre. Nicht aufdringlich – aber durchaus interessiert. <jin>„Du kannst natürlich auch hier stehen bleiben und weiter…“</jin> er verzog leicht das Gesicht, ließ den Blick demonstrativ über den Kerl vor sich streifen, <jin>„…das Aroma genießen.“</jin> Ein schiefes Grinsen lüpfte einen seiner Mundwinkel. <jin>„Deine Entscheidung.“</jin><br />
<br />
Er lehnte sich ein Stück nach vorn, gerade so weit, dass seine Stimme nicht für die halbe Schlange hörbar war. <jin>„Ich bin schnell. Versprochen.“</jin><br />
Ein kurzer Blick wanderte wieder über sie – diesmal bewusster. Die Art, wie sie da stand. Die Spannung in ihrem Körper. Der Geruch. Und diesen braunen Augen... Sein Wolf war nicht ruhig. Ganz und gar nicht. <jin>„Also?“</jin> Er deutete herausfordernd zum Tisch. <jin>„Deal oder Deal?“</jin>]]></content:encoded>
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