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		<title><![CDATA[claws & fangs - Bryson City]]></title>
		<link>https://claws.stories-untold.de/</link>
		<description><![CDATA[claws & fangs - https://claws.stories-untold.de]]></description>
		<pubDate>Fri, 29 May 2026 16:58:27 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[but the heart has it's own memory and i have forgotten nothing]]></title>
			<link>https://claws.stories-untold.de/showthread.php?tid=578</link>
			<pubDate>Thu, 28 May 2026 14:21:44 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://claws.stories-untold.de/member.php?action=profile&uid=132">Greer Whitmore</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://claws.stories-untold.de/showthread.php?tid=578</guid>
			<description><![CDATA[Die Hitze lag schwer über Bryson City und hüllte die kleine Stadt in jenes träge Flimmern, das Asphalt und Häuserkanten weichzeichnete, bis alles ein wenig langsamer wirkte als gewöhnlich. Dennoch herrschte überall Bewegung. Stimmen vermischten sich mit Musik, die irgendwo zwischen den Straßenzügen gespielt wurde, Kinder liefen kreischend über die Gehwege und zwischen den dicht gedrängten Marktständen herrschte jenes kontrollierte Chaos, das nur entstehen konnte, wenn eine Gemeinschaft nicht bloß nebeneinander existierte, sondern tatsächlich miteinander lebte.<br />
<br />
Das Flea Fest hatte die Innenstadt vollständig vereinnahmt.<br />
<br />
Zwischen den Gebäuden spannten sich Stoffbahnen als Sonnenschutz, Lichterketten waren über den Straßen aufgehängt worden und beinahe jeder freie Platz war von Tischen, improvisierten Auslagen oder kleinen Essensständen besetzt. Der Geruch von Gegrilltem, Zucker, heißem Metall und Sonnencreme hing in der Luft, vermischte sich mit warmer Sommererde und dem harzigen Duft der Wälder, die Bryson City wie ein schützender Ring umgaben.<br />
<br />
Greers Finger schlossen sich etwas fester um den kühlen Plastikbecher ihres Schokoladenmilchshakes, während sie langsam zwischen den Menschen hindurchlief und die Umgebung beobachtete.<br />
<br />
Die Kälte des Getränks war angenehm gegen die dünnen schwarzen Lederhandschuhe, die ihre Hände trotz der Hitze vollständig verhüllten. Ebenso wie die leichte Stoffhose, die locker um ihre Beine fiel, die geschlossenen Schuhe und die Tunika mit dem hohen Kragen gehörten sie mittlerweile so selbstverständlich zu ihrer Rüstung, dass sie sich beinahe nackt fühlte, wenn sie fehlten. Das eingesetzte Spitzenmuster lockerte den ansonsten schlichten Schnitt etwas auf und verlieh dem Ganzen genug Eleganz, um nicht wie reine Zweckmäßigkeit zu wirken. Genau das war beabsichtigt.<br />
<br />
Denn eine Rüstung ließ sich deutlich angenehmer tragen, wenn niemand sie als solche erkannte.<br />
<br />
Das Sonnenlicht fing sich in ihrem glatten Haar, das sie heute nur leicht frisiert hatte, sodass es weich über ihre Schultern fiel, ohne übermäßig geschniegelt zu wirken. Der Sommer hatte außerdem feine Sommersprossen auf Nasenbein und Wangen hervorgebracht, die ihr Gesicht weicher wirken ließen als während der kalten Monate, in denen sie fast vollständig verblassten.<br />
<br />
Greer bemerkte die Blicke einzelner Menschen durchaus. Nicht aufdringlich. Eher beiläufig interessiert. Bryson City war klein genug, dass neue Gesichter auffielen, selbst wenn niemand unhöflich genug war, das offen zu zeigen. Und Greer wiederum beobachtete ebenso aufmerksam zurück.<br />
<br />
Nicht misstrauisch.<br />
Einfach… vorsichtig.<br />
<br />
Es war seltsam angenehm, durch eine Stadt zu laufen, die nicht von permanenter Hektik zerfressen wurde. Die Emotionen um sie herum wirkten anders als in den großen Metropolen, an die sie gewöhnt war. Weniger aggressiv. Weniger chaotisch. Selbst die Unruhe einer dicht gedrängten Menschenmenge traf ihre mentalen Schilde nicht wie ein Sturm, sondern eher wie einzelne Windböen, die gegen Fensterläden klopften.<br />
<br />
Trotzdem bemerkte sie inzwischen jede davon.<br />
<br />
Freude streifte ihre Wahrnehmung wie Sonnenlicht auf warmer Haut. Gereiztheit kratzte scharf über ihre Schilde. Aufregung vibrierte beinahe körperlich durch die Menge. Vor allem Kinder waren schwer auszublenden, weil ihre Emotionen selten gefiltert oder kontrolliert genug waren, um leise zu bleiben.<br />
<br />
Es wurde schlimmer.<br />
<br />
Nicht drastisch genug, dass Außenstehende etwas bemerkt hätten, doch Greer selbst spürte die Veränderung mit unangenehmer Deutlichkeit. Menschenmengen erschöpften sie schneller als früher. Emotionen blieben länger an ihren Schilden haften. Fremde Gedankenfragmente verschwanden nicht mehr sofort aus ihrem Kopf, sondern zogen sich wie Nachbilder durch ihren Geist.<br />
<br />
Vielleicht war genau das der Grund, weshalb Bryson City sich bislang als die richtige Entscheidung erwiesen hatte.<br />
<br />
Die Stadt war langsamer.<br />
<br />
Weicher.<br />
<br />
Hier existierte Raum zwischen den Menschen. Raum zum Atmen.<br />
<br />
Sie nahm einen weiteren Schluck ihres Milchshakes, während ihr Blick über die nächsten Marktstände glitt.<br />
<br />
Keramik.<br />
Alte Bücher.<br />
Vintage-Schilder.<br />
Werkzeug.<br />
Schmuck.<br />
Handgeschnitzte Figuren.<br />
<br />
Und schließlich:<br />
Metall.<br />
<br />
Ihr Schritt verlangsamte sich beinahe automatisch.<br />
<br />
Der Stand wirkte wie das kontrollierte Explosionsgebiet eines Dachbodens, den seit mehreren Jahrzehnten niemand mehr aufgeräumt hatte. Alte Gartenwerkzeuge lehnten gegen Holzkisten, Metallwannen waren ineinander gestapelt worden und zwischen rostigen Laternen, Emailleeimern und antiken Pflanzhaltern entdeckte Greer genau das, wonach sie gesucht hatte.<br />
<br />
Gießkannen.<br />
Gleich mehrere davon.<br />
<br />
Ihr Blick glitt aufmerksam über die unterschiedlichen Modelle. Einige waren zu beschädigt, andere wiederum zu modern. Doch eine größere Kanne aus Zink fiel ihr sofort ins Auge. Kleine Dellen zeichneten den unteren Bereich, der Griff war irgendwann nachträglich repariert worden und die Oberfläche hatte jene matte Patina entwickelt, die Metall nur bekam, wenn es über viele Jahre tatsächlich benutzt worden war.<br />
<br />
Perfekt.<br />
<br />
Sie trat näher und stellte den Milchshake vorsichtig auf dem Tisch ab.<br />
<br />
Der ältere Wapitibesitzer des Standes bemerkte sofort ihr Interesse. Seine Kleidung roch nach Holzstaub, Erde und Motoröl, während seine Emotionen eine ruhige Zufriedenheit ausstrahlten, die sich angenehm stumpf gegen ihre Wahrnehmung legte.<br />
<br />
"Die da ist stabil", erklärte er und deutete auf genau jene Kanne, die Greer bereits ins Auge gefasst hatte. "Hat meiner Frau fast dreißig Jahre gehört."<br />
<br />
Dreißig Jahre.<br />
<br />
Die Zahl blieb für einen Moment in ihrem Kopf hängen.<br />
<br />
Dreißig Jahre bedeuteten Beständigkeit. Gewohnheit. Wiederkehrende Rituale. Gemeinsame Morgen. Menschen, die blieben.<br />
<br />
Etwas zog sich unangenehm in ihrer Brust zusammen.<br />
<br />
Greer ignorierte es routiniert.<br />
<ina>"Ich nehme sie."</ina><br />
<br />
“Die hier?”, wollte er wissen und deutete auf das angepriesene Stück. Greer blickte auf und schüttelte den Kopf. <ina> “Alle.”</ina>, gab sie zurück und versuchte nicht einmal den Preis zu verhandeln oder dergleichen. <br />
<br />
Der ältere Mann lächelte zufrieden und begann sofort damit, die Gießkanne vorsichtig in Papier einzuschlagen, während Greer ihren Organizer hervorzog und eine Lieferung am Folgetag ausmachte. Der Wandler rief seinen eifrigen Helfer herbei - ein schlaksiger Teenager - der sich sofort daran, machte die, Gießkannen wegzupacken und mit einem roten Punkt zu markieren. <br />
<br />
Währenddessen nahm sie die Menschenmenge um sich herum weiterhin wahr. Nicht bewusst fokussiert, eher wie ein permanentes Hintergrundrauschen, das sich nicht vollständig abschalten ließ. Eine junge Frau lachte einige Meter weiter viel zu laut über einen Witz ihres Partners. Zwei Kinder stritten über ein Stofftier. Irgendwo entstand kurz Gereiztheit, weil jemand im Gedränge angerempelt worden war.<br />
<br />
Und mitten durch all das bewegte sich plötzlich ein riesiger Gestaltwandlerbär.<br />
<br />
Greers Aufmerksamkeit glitt beinahe automatisch zu ihm.<br />
<br />
Das Tier trottete vollkommen entspannt über die Straße, als würde es nicht mehrere hundert Kilogramm reine Muskelmasse darstellen, sondern lediglich einen etwas übergewichtigen Familienhund. Auf seinem Rücken saß ein kleines Mädchen mit halb geschmolzenem Eis in der Hand und winkte fröhlich jedem zu, der zurückwinkte.<br />
<br />
Mehrere Menschen grüßten den Bären beim Namen.<br />
Niemand wirkte beunruhigt.<br />
Niemand wich erschrocken zurück.<br />
<br />
Das Kind lachte hell auf, als der Wandler den Kopf leicht bewegte, damit sie ihr Gleichgewicht nicht verlor.<br />
<br />
Greer blieb einen Moment zu lange stehen.<br />
Der Anblick war gleichzeitig absurd und vollkommen selbstverständlich für diese Stadt.<br />
<br />
Familie.<br />
Zugehörigkeit.<br />
Nähe.<br />
<br />
Und noch bevor sie den Gedanken bewusst verhindern konnte, schlug die Erinnerung zu.<br />
<br />
Regenwasser auf Leder.<br />
Das dumpfe Brummen eines alten Trucks.<br />
Warme Hände.<br />
Dunkle Augen.<br />
Milchshakes.<br />
<br />
Ein schmerzhafter Stich zog durch ihren Brustkorb.<br />
Greers Finger spannten sich fester um den Plastikbecher.<br />
<br />
Nein.<br />
Nicht jetzt.<br />
Nicht hier.<br />
<br />
Sie zwang sich weiterzugehen, während ihr Verstand die aufkommende Erinnerung sofort mit Rationalität erstickte. Es war Jahre her. Menschen verloren einander ständig aus den Augen. Beziehungen scheiterten, Leben entwickelten sich auseinander und nicht jede intensive Begegnung musste irgendeine tiefere Bedeutung besitzen.<br />
<br />
Und trotzdem hatte sie Romeo nie vollständig vergessen.<br />
Das war vermutlich der unerquicklichste Teil der gesamten Angelegenheit.<br />
<br />
Greer war intelligent genug, um zu wissen, dass sie damals jung gewesen waren. Emotional überfordert. Hormonell vermutlich ohnehin nicht zurechnungsfähig. Hinzu kam die völlig absurde Intensität jener ersten Begegnung, die ihr Nervensystem beinahe überrollt hatte.<br />
<br />
Alles ließ sich erklären.<br />
Musste sich erklären lassen.<br />
Denn die Alternative war lächerlich.<br />
<br />
Sie war keine naive Jugendliche mehr, die an Schicksal oder kosmische Vorherbestimmung glaubte.<br />
Und doch erinnerte sie sich noch immer erschreckend genau an seine Stimme.<br />
<br />
Das war das Problem eines eidetischen Gedächtnisses. Menschen romantisierten perfekte Erinnerung gern, als wäre sie ein Geschenk. In Wahrheit bedeutete sie nur, dass manche Dinge niemals wirklich verblassten.<br />
<br />
Greer wusste noch exakt, wie sich seine Jacke angefühlt hatte.<br />
Wie seine Stimme geklungen hatte.<br />
Wie der Regen gegen die Scheiben seines Trucks geschlagen hatte.<br />
Wie sicher sie sich damals gefühlt hatte.<br />
<br />
Was irrational gewesen war.<br />
<br />
Und gefährlich.<br />
<br />
Sie nahm einen langen Schluck ihres Milchshakes und zwang sich dazu, den Gedanken loszulassen, bevor er sich weiter festsetzen konnte.<br />
<br />
Die sommerliche Hitze drückte schwer gegen ihre Haut, während sie sich erneut zwischen den Marktständen hindurchbewegte. Immer wieder blieb sie kurz stehen, betrachtete alte Pflanzgefäße, verwitterte Gartenornamente oder kleine Metallarbeiten, die <!-- start: charactertagger_tag_link -->
<a href="member.php?action=profile&amp;uid=84" id="tag-5" class="tag" title="Ian Hilberger" data-uid="84">Ian</a>
<!-- end: charactertagger_tag_link --> mit ziemlicher Sicherheit entweder lieben oder als völligen Schrott bezeichnen würde. Wahrscheinlich beides gleichzeitig.<br />
<br />
Der Gedanke daran ließ ihre Mundwinkel minimal zucken.<br />
Es war angenehm, dass er hier war.<br />
<br />
Nicht nur wegen der familiären Nähe, sondern weil Ian etwas verkörperte, das Greer selbst nie wirklich beherrscht hatte. Er schuf Dinge, die blieben. Pflanzen. Gärten. Räume, in denen Menschen sich zu Hause fühlten.<br />
<br />
Und vielleicht war genau das der Grund, weshalb sie plötzlich das Bedürfnis verspürt hatte, einen eigenen Garten anzulegen.<br />
<br />
Nicht bloß irgendeinen Außenbereich.<br />
Sondern einen Ort, der lebendig war.<br />
Einen Ort, der nach Zuhause aussah.<br />
<br />
Greers Blick glitt über die Menschen um sie herum. Familien saßen vor kleinen Cafés, Kinder liefen mit überteuerten Süßigkeiten durch die Gegend und mehrere Gestaltwandler diskutierten lautstark darüber, welcher Grillstand der beste war. Selbst die kleinen Spannungen wirkten hier seltsam ungefährlich. Organisch. Nicht wie die scharfkantige Gereiztheit großer Städte, die sich permanent anfühlte, als würde jemand kurz vor einer Explosion stehen.<br />
<br />
Bryson City wirkte … verwurzelt.<br />
<br />
Und genau das machte die Stadt unheimlich angenehm.<br />
<br />
Denn Greer hatte den Großteil ihres Lebens in Übergängen verbracht. Hotels. Gerichtsgebäude. Temporäre Unterkünfte. Fälle, die sie für einige Wochen oder Monate an einen Ort banden, bevor der nächste Auftrag sie weitertrieb.<br />
<br />
Hier jedoch hatte sie ein Haus gekauft.<br />
<br />
Ein echtes Haus.<br />
<br />
Mit Garten.<br />
Mit Veranda.<br />
Mit Platz für Pflanzen.<br />
<br />
Allein dieser Gedanke fühlte sich manchmal noch surreal an.<br />
<br />
Ein Windstoß bewegte die aufgehängten Stoffbahnen über den Straßen und brachte kurzzeitig Erleichterung gegen die Hitze. Gleichzeitig trug er den Geruch von feuchter Erde heran, obwohl der Himmel wolkenlos war.<br />
<br />
Wieder Regen.<br />
Wieder Erinnerung.<br />
Greer schloss für einen kurzen Moment die Augen.<br />
<br />
Es war lächerlich, wie hartnäckig bestimmte Dinge im menschlichen Gehirn verankert blieben.<br />
Oder medialen Gehirn.<br />
<br />
Wahrscheinlich spielte das keine Rolle.<br />
<br />
Denn egal wie rational sie die Situation analysierte, irgendwo tief in ihrem Inneren existierte noch immer jener schmerzhafte, nie ganz verheilte Teil, der sich fragte, was passiert wäre, wenn das Leben damals anders verlaufen wäre.<br />
<br />
Sie hasste diese Frage.<br />
<br />
Vor allem, weil sie keine Antwort darauf wollte.<br />
<br />
Ein Kind rannte beinahe in sie hinein und riss sie abrupt zurück in die Gegenwart. Greer wich automatisch einen halben Schritt aus, noch bevor der kleine Junge sie tatsächlich berührte, während seine Mutter erschrocken hinterhereilte.<br />
<br />
"Sorry!"<br />
<br />
Greer schüttelte leicht den Kopf.<br />
<br />
<ina>"Alles gut."</ina><br />
<br />
Der Junge war bereits weitergerannt, kaum dass die Worte gefallen waren.<br />
<br />
Sie sah ihm einen Moment hinterher und bemerkte dabei, wie ihre Umgebung erneut gegen ihre Wahrnehmung brandete. Freude. Wärme. Sommerträgheit. Menschen, die miteinander lachten und lebten und blieben.<br />
<br />
Vielleicht war genau das der Grund, weshalb Bryson City sich zunehmend wie ein Zuhause anfühlte.<br />
<br />
Nicht, weil die Stadt perfekt war.<br />
<br />
Sondern, weil sie echt war.<br />
<br />
Und während Greer mit einem halb geschmolzenen Milchshake und einem Herzen, das offensichtlich deutlich weniger kontrolliert funktionierte, als ihr restlicher Verstand, weiter über das Flea Fest lief, wurde ihr unangenehm bewusst, dass manche Erinnerungen nicht deshalb gefährlich waren, weil sie schmerzten.<br />
<br />
Sondern weil ein Teil von einem niemals aufgehört hatte, sie festzuhalten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Die Hitze lag schwer über Bryson City und hüllte die kleine Stadt in jenes träge Flimmern, das Asphalt und Häuserkanten weichzeichnete, bis alles ein wenig langsamer wirkte als gewöhnlich. Dennoch herrschte überall Bewegung. Stimmen vermischten sich mit Musik, die irgendwo zwischen den Straßenzügen gespielt wurde, Kinder liefen kreischend über die Gehwege und zwischen den dicht gedrängten Marktständen herrschte jenes kontrollierte Chaos, das nur entstehen konnte, wenn eine Gemeinschaft nicht bloß nebeneinander existierte, sondern tatsächlich miteinander lebte.<br />
<br />
Das Flea Fest hatte die Innenstadt vollständig vereinnahmt.<br />
<br />
Zwischen den Gebäuden spannten sich Stoffbahnen als Sonnenschutz, Lichterketten waren über den Straßen aufgehängt worden und beinahe jeder freie Platz war von Tischen, improvisierten Auslagen oder kleinen Essensständen besetzt. Der Geruch von Gegrilltem, Zucker, heißem Metall und Sonnencreme hing in der Luft, vermischte sich mit warmer Sommererde und dem harzigen Duft der Wälder, die Bryson City wie ein schützender Ring umgaben.<br />
<br />
Greers Finger schlossen sich etwas fester um den kühlen Plastikbecher ihres Schokoladenmilchshakes, während sie langsam zwischen den Menschen hindurchlief und die Umgebung beobachtete.<br />
<br />
Die Kälte des Getränks war angenehm gegen die dünnen schwarzen Lederhandschuhe, die ihre Hände trotz der Hitze vollständig verhüllten. Ebenso wie die leichte Stoffhose, die locker um ihre Beine fiel, die geschlossenen Schuhe und die Tunika mit dem hohen Kragen gehörten sie mittlerweile so selbstverständlich zu ihrer Rüstung, dass sie sich beinahe nackt fühlte, wenn sie fehlten. Das eingesetzte Spitzenmuster lockerte den ansonsten schlichten Schnitt etwas auf und verlieh dem Ganzen genug Eleganz, um nicht wie reine Zweckmäßigkeit zu wirken. Genau das war beabsichtigt.<br />
<br />
Denn eine Rüstung ließ sich deutlich angenehmer tragen, wenn niemand sie als solche erkannte.<br />
<br />
Das Sonnenlicht fing sich in ihrem glatten Haar, das sie heute nur leicht frisiert hatte, sodass es weich über ihre Schultern fiel, ohne übermäßig geschniegelt zu wirken. Der Sommer hatte außerdem feine Sommersprossen auf Nasenbein und Wangen hervorgebracht, die ihr Gesicht weicher wirken ließen als während der kalten Monate, in denen sie fast vollständig verblassten.<br />
<br />
Greer bemerkte die Blicke einzelner Menschen durchaus. Nicht aufdringlich. Eher beiläufig interessiert. Bryson City war klein genug, dass neue Gesichter auffielen, selbst wenn niemand unhöflich genug war, das offen zu zeigen. Und Greer wiederum beobachtete ebenso aufmerksam zurück.<br />
<br />
Nicht misstrauisch.<br />
Einfach… vorsichtig.<br />
<br />
Es war seltsam angenehm, durch eine Stadt zu laufen, die nicht von permanenter Hektik zerfressen wurde. Die Emotionen um sie herum wirkten anders als in den großen Metropolen, an die sie gewöhnt war. Weniger aggressiv. Weniger chaotisch. Selbst die Unruhe einer dicht gedrängten Menschenmenge traf ihre mentalen Schilde nicht wie ein Sturm, sondern eher wie einzelne Windböen, die gegen Fensterläden klopften.<br />
<br />
Trotzdem bemerkte sie inzwischen jede davon.<br />
<br />
Freude streifte ihre Wahrnehmung wie Sonnenlicht auf warmer Haut. Gereiztheit kratzte scharf über ihre Schilde. Aufregung vibrierte beinahe körperlich durch die Menge. Vor allem Kinder waren schwer auszublenden, weil ihre Emotionen selten gefiltert oder kontrolliert genug waren, um leise zu bleiben.<br />
<br />
Es wurde schlimmer.<br />
<br />
Nicht drastisch genug, dass Außenstehende etwas bemerkt hätten, doch Greer selbst spürte die Veränderung mit unangenehmer Deutlichkeit. Menschenmengen erschöpften sie schneller als früher. Emotionen blieben länger an ihren Schilden haften. Fremde Gedankenfragmente verschwanden nicht mehr sofort aus ihrem Kopf, sondern zogen sich wie Nachbilder durch ihren Geist.<br />
<br />
Vielleicht war genau das der Grund, weshalb Bryson City sich bislang als die richtige Entscheidung erwiesen hatte.<br />
<br />
Die Stadt war langsamer.<br />
<br />
Weicher.<br />
<br />
Hier existierte Raum zwischen den Menschen. Raum zum Atmen.<br />
<br />
Sie nahm einen weiteren Schluck ihres Milchshakes, während ihr Blick über die nächsten Marktstände glitt.<br />
<br />
Keramik.<br />
Alte Bücher.<br />
Vintage-Schilder.<br />
Werkzeug.<br />
Schmuck.<br />
Handgeschnitzte Figuren.<br />
<br />
Und schließlich:<br />
Metall.<br />
<br />
Ihr Schritt verlangsamte sich beinahe automatisch.<br />
<br />
Der Stand wirkte wie das kontrollierte Explosionsgebiet eines Dachbodens, den seit mehreren Jahrzehnten niemand mehr aufgeräumt hatte. Alte Gartenwerkzeuge lehnten gegen Holzkisten, Metallwannen waren ineinander gestapelt worden und zwischen rostigen Laternen, Emailleeimern und antiken Pflanzhaltern entdeckte Greer genau das, wonach sie gesucht hatte.<br />
<br />
Gießkannen.<br />
Gleich mehrere davon.<br />
<br />
Ihr Blick glitt aufmerksam über die unterschiedlichen Modelle. Einige waren zu beschädigt, andere wiederum zu modern. Doch eine größere Kanne aus Zink fiel ihr sofort ins Auge. Kleine Dellen zeichneten den unteren Bereich, der Griff war irgendwann nachträglich repariert worden und die Oberfläche hatte jene matte Patina entwickelt, die Metall nur bekam, wenn es über viele Jahre tatsächlich benutzt worden war.<br />
<br />
Perfekt.<br />
<br />
Sie trat näher und stellte den Milchshake vorsichtig auf dem Tisch ab.<br />
<br />
Der ältere Wapitibesitzer des Standes bemerkte sofort ihr Interesse. Seine Kleidung roch nach Holzstaub, Erde und Motoröl, während seine Emotionen eine ruhige Zufriedenheit ausstrahlten, die sich angenehm stumpf gegen ihre Wahrnehmung legte.<br />
<br />
"Die da ist stabil", erklärte er und deutete auf genau jene Kanne, die Greer bereits ins Auge gefasst hatte. "Hat meiner Frau fast dreißig Jahre gehört."<br />
<br />
Dreißig Jahre.<br />
<br />
Die Zahl blieb für einen Moment in ihrem Kopf hängen.<br />
<br />
Dreißig Jahre bedeuteten Beständigkeit. Gewohnheit. Wiederkehrende Rituale. Gemeinsame Morgen. Menschen, die blieben.<br />
<br />
Etwas zog sich unangenehm in ihrer Brust zusammen.<br />
<br />
Greer ignorierte es routiniert.<br />
<ina>"Ich nehme sie."</ina><br />
<br />
“Die hier?”, wollte er wissen und deutete auf das angepriesene Stück. Greer blickte auf und schüttelte den Kopf. <ina> “Alle.”</ina>, gab sie zurück und versuchte nicht einmal den Preis zu verhandeln oder dergleichen. <br />
<br />
Der ältere Mann lächelte zufrieden und begann sofort damit, die Gießkanne vorsichtig in Papier einzuschlagen, während Greer ihren Organizer hervorzog und eine Lieferung am Folgetag ausmachte. Der Wandler rief seinen eifrigen Helfer herbei - ein schlaksiger Teenager - der sich sofort daran, machte die, Gießkannen wegzupacken und mit einem roten Punkt zu markieren. <br />
<br />
Währenddessen nahm sie die Menschenmenge um sich herum weiterhin wahr. Nicht bewusst fokussiert, eher wie ein permanentes Hintergrundrauschen, das sich nicht vollständig abschalten ließ. Eine junge Frau lachte einige Meter weiter viel zu laut über einen Witz ihres Partners. Zwei Kinder stritten über ein Stofftier. Irgendwo entstand kurz Gereiztheit, weil jemand im Gedränge angerempelt worden war.<br />
<br />
Und mitten durch all das bewegte sich plötzlich ein riesiger Gestaltwandlerbär.<br />
<br />
Greers Aufmerksamkeit glitt beinahe automatisch zu ihm.<br />
<br />
Das Tier trottete vollkommen entspannt über die Straße, als würde es nicht mehrere hundert Kilogramm reine Muskelmasse darstellen, sondern lediglich einen etwas übergewichtigen Familienhund. Auf seinem Rücken saß ein kleines Mädchen mit halb geschmolzenem Eis in der Hand und winkte fröhlich jedem zu, der zurückwinkte.<br />
<br />
Mehrere Menschen grüßten den Bären beim Namen.<br />
Niemand wirkte beunruhigt.<br />
Niemand wich erschrocken zurück.<br />
<br />
Das Kind lachte hell auf, als der Wandler den Kopf leicht bewegte, damit sie ihr Gleichgewicht nicht verlor.<br />
<br />
Greer blieb einen Moment zu lange stehen.<br />
Der Anblick war gleichzeitig absurd und vollkommen selbstverständlich für diese Stadt.<br />
<br />
Familie.<br />
Zugehörigkeit.<br />
Nähe.<br />
<br />
Und noch bevor sie den Gedanken bewusst verhindern konnte, schlug die Erinnerung zu.<br />
<br />
Regenwasser auf Leder.<br />
Das dumpfe Brummen eines alten Trucks.<br />
Warme Hände.<br />
Dunkle Augen.<br />
Milchshakes.<br />
<br />
Ein schmerzhafter Stich zog durch ihren Brustkorb.<br />
Greers Finger spannten sich fester um den Plastikbecher.<br />
<br />
Nein.<br />
Nicht jetzt.<br />
Nicht hier.<br />
<br />
Sie zwang sich weiterzugehen, während ihr Verstand die aufkommende Erinnerung sofort mit Rationalität erstickte. Es war Jahre her. Menschen verloren einander ständig aus den Augen. Beziehungen scheiterten, Leben entwickelten sich auseinander und nicht jede intensive Begegnung musste irgendeine tiefere Bedeutung besitzen.<br />
<br />
Und trotzdem hatte sie Romeo nie vollständig vergessen.<br />
Das war vermutlich der unerquicklichste Teil der gesamten Angelegenheit.<br />
<br />
Greer war intelligent genug, um zu wissen, dass sie damals jung gewesen waren. Emotional überfordert. Hormonell vermutlich ohnehin nicht zurechnungsfähig. Hinzu kam die völlig absurde Intensität jener ersten Begegnung, die ihr Nervensystem beinahe überrollt hatte.<br />
<br />
Alles ließ sich erklären.<br />
Musste sich erklären lassen.<br />
Denn die Alternative war lächerlich.<br />
<br />
Sie war keine naive Jugendliche mehr, die an Schicksal oder kosmische Vorherbestimmung glaubte.<br />
Und doch erinnerte sie sich noch immer erschreckend genau an seine Stimme.<br />
<br />
Das war das Problem eines eidetischen Gedächtnisses. Menschen romantisierten perfekte Erinnerung gern, als wäre sie ein Geschenk. In Wahrheit bedeutete sie nur, dass manche Dinge niemals wirklich verblassten.<br />
<br />
Greer wusste noch exakt, wie sich seine Jacke angefühlt hatte.<br />
Wie seine Stimme geklungen hatte.<br />
Wie der Regen gegen die Scheiben seines Trucks geschlagen hatte.<br />
Wie sicher sie sich damals gefühlt hatte.<br />
<br />
Was irrational gewesen war.<br />
<br />
Und gefährlich.<br />
<br />
Sie nahm einen langen Schluck ihres Milchshakes und zwang sich dazu, den Gedanken loszulassen, bevor er sich weiter festsetzen konnte.<br />
<br />
Die sommerliche Hitze drückte schwer gegen ihre Haut, während sie sich erneut zwischen den Marktständen hindurchbewegte. Immer wieder blieb sie kurz stehen, betrachtete alte Pflanzgefäße, verwitterte Gartenornamente oder kleine Metallarbeiten, die <!-- start: charactertagger_tag_link -->
<a href="member.php?action=profile&amp;uid=84" id="tag-5" class="tag" title="Ian Hilberger" data-uid="84">Ian</a>
<!-- end: charactertagger_tag_link --> mit ziemlicher Sicherheit entweder lieben oder als völligen Schrott bezeichnen würde. Wahrscheinlich beides gleichzeitig.<br />
<br />
Der Gedanke daran ließ ihre Mundwinkel minimal zucken.<br />
Es war angenehm, dass er hier war.<br />
<br />
Nicht nur wegen der familiären Nähe, sondern weil Ian etwas verkörperte, das Greer selbst nie wirklich beherrscht hatte. Er schuf Dinge, die blieben. Pflanzen. Gärten. Räume, in denen Menschen sich zu Hause fühlten.<br />
<br />
Und vielleicht war genau das der Grund, weshalb sie plötzlich das Bedürfnis verspürt hatte, einen eigenen Garten anzulegen.<br />
<br />
Nicht bloß irgendeinen Außenbereich.<br />
Sondern einen Ort, der lebendig war.<br />
Einen Ort, der nach Zuhause aussah.<br />
<br />
Greers Blick glitt über die Menschen um sie herum. Familien saßen vor kleinen Cafés, Kinder liefen mit überteuerten Süßigkeiten durch die Gegend und mehrere Gestaltwandler diskutierten lautstark darüber, welcher Grillstand der beste war. Selbst die kleinen Spannungen wirkten hier seltsam ungefährlich. Organisch. Nicht wie die scharfkantige Gereiztheit großer Städte, die sich permanent anfühlte, als würde jemand kurz vor einer Explosion stehen.<br />
<br />
Bryson City wirkte … verwurzelt.<br />
<br />
Und genau das machte die Stadt unheimlich angenehm.<br />
<br />
Denn Greer hatte den Großteil ihres Lebens in Übergängen verbracht. Hotels. Gerichtsgebäude. Temporäre Unterkünfte. Fälle, die sie für einige Wochen oder Monate an einen Ort banden, bevor der nächste Auftrag sie weitertrieb.<br />
<br />
Hier jedoch hatte sie ein Haus gekauft.<br />
<br />
Ein echtes Haus.<br />
<br />
Mit Garten.<br />
Mit Veranda.<br />
Mit Platz für Pflanzen.<br />
<br />
Allein dieser Gedanke fühlte sich manchmal noch surreal an.<br />
<br />
Ein Windstoß bewegte die aufgehängten Stoffbahnen über den Straßen und brachte kurzzeitig Erleichterung gegen die Hitze. Gleichzeitig trug er den Geruch von feuchter Erde heran, obwohl der Himmel wolkenlos war.<br />
<br />
Wieder Regen.<br />
Wieder Erinnerung.<br />
Greer schloss für einen kurzen Moment die Augen.<br />
<br />
Es war lächerlich, wie hartnäckig bestimmte Dinge im menschlichen Gehirn verankert blieben.<br />
Oder medialen Gehirn.<br />
<br />
Wahrscheinlich spielte das keine Rolle.<br />
<br />
Denn egal wie rational sie die Situation analysierte, irgendwo tief in ihrem Inneren existierte noch immer jener schmerzhafte, nie ganz verheilte Teil, der sich fragte, was passiert wäre, wenn das Leben damals anders verlaufen wäre.<br />
<br />
Sie hasste diese Frage.<br />
<br />
Vor allem, weil sie keine Antwort darauf wollte.<br />
<br />
Ein Kind rannte beinahe in sie hinein und riss sie abrupt zurück in die Gegenwart. Greer wich automatisch einen halben Schritt aus, noch bevor der kleine Junge sie tatsächlich berührte, während seine Mutter erschrocken hinterhereilte.<br />
<br />
"Sorry!"<br />
<br />
Greer schüttelte leicht den Kopf.<br />
<br />
<ina>"Alles gut."</ina><br />
<br />
Der Junge war bereits weitergerannt, kaum dass die Worte gefallen waren.<br />
<br />
Sie sah ihm einen Moment hinterher und bemerkte dabei, wie ihre Umgebung erneut gegen ihre Wahrnehmung brandete. Freude. Wärme. Sommerträgheit. Menschen, die miteinander lachten und lebten und blieben.<br />
<br />
Vielleicht war genau das der Grund, weshalb Bryson City sich zunehmend wie ein Zuhause anfühlte.<br />
<br />
Nicht, weil die Stadt perfekt war.<br />
<br />
Sondern, weil sie echt war.<br />
<br />
Und während Greer mit einem halb geschmolzenen Milchshake und einem Herzen, das offensichtlich deutlich weniger kontrolliert funktionierte, als ihr restlicher Verstand, weiter über das Flea Fest lief, wurde ihr unangenehm bewusst, dass manche Erinnerungen nicht deshalb gefährlich waren, weil sie schmerzten.<br />
<br />
Sondern weil ein Teil von einem niemals aufgehört hatte, sie festzuhalten.]]></content:encoded>
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		<item>
			<title><![CDATA[souls don't meet by accident]]></title>
			<link>https://claws.stories-untold.de/showthread.php?tid=565</link>
			<pubDate>Wed, 08 Apr 2026 19:09:14 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://claws.stories-untold.de/member.php?action=profile&uid=5">Cree Wheylan</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://claws.stories-untold.de/showthread.php?tid=565</guid>
			<description><![CDATA[Cree saß am schweren Holztisch, den Rücken zur Wand, und ließ den Blick langsam durch den Raum gleiten, ohne dabei wirklich etwas zu übersehen.<br />
<br />
Dunkles Holz zog sich durch den gesamten Raum, durchzogen von warmem Licht, das sich in den satten Maserungen fing und die Atmosphäre in ein gedämpftes, fast träge wirkendes Glühen tauchte. Der Duft von gebratenem Fleisch, von Rauch und Gewürzen hing schwer in der Luft, legte sich auf die Sinne wie eine zweite Schicht, die einen zwang, langsamer zu werden, sich zu setzen, zu bleiben. Kein hektisches Kommen und Gehen, kein lautes Stimmengewirr – hier wurde gegessen, nicht konsumiert. Gespräche blieben gedämpft, getragen von dem leisen Klirren von Besteck auf Porzellan und dem tiefen, zufriedenen Brummen satter Gäste.<br />
<br />
Neben ihm saß Kade. Nah genug, dass seine Präsenz nicht zu ignorieren war, ruhig genug, um nicht aufzufallen. Eine Kombination, die Cree noch immer faszinierte.<br />
<br />
Sie hatten sich bewusst so platziert, dass niemand ihnen in den Rücken fallen konnte, eine Selbstverständlichkeit für jemanden wie ihn – und eine Rücksichtnahme für seine Eltern, die sonst vermutlich sofort in die Defensive gegangen wären. So jedoch war alles klar verteilt. Und das Kades Platz an seiner Seite war, würde auch niemand anzweifeln. Nicht nur, weil er Crees - zukünftiger - Gefährte, sondern selbst absolut tödlich und ein Beschützer war. <br />
<br />
Eamon und Briony waren noch nicht da.<br />
<br />
Ein paar Minuten zu spät, nichts Ungewöhnliches, nichts, das ihn nervös machte. Wenn überhaupt, gab es ihm mehr Zeit, sich zu sammeln – auch wenn er sich selbst nicht eingestehen würde, dass genau das der Fall war.<br />
<br />
Die Getränke standen bereits vor ihnen. Kade hatte sich für eine sichere Option entschieden, etwas Verlässliches, das weder überraschte noch provozierte. Typisch. Kontrolliert, selbst in den kleinsten Dingen. Und das Grizzly’s Cut war klug genug, darauf vorbereitet zu sein. In einer Stadt wie Bryson City, in der Mediale längst kein Fremdkörper mehr waren, hatte man gelernt, sich anzupassen – nicht aus Rücksicht, sondern aus wirtschaftlicher Professionalität.<br />
<br />
Cree hingegen hatte sich gegen das Bier entschieden. Nicht, weil er es nicht gewollt hätte, sondern weil er seine Mutter kannte.<br />
<br />
Ein leises Schnauben lag fast auf seinen Lippen bei dem Gedanken. Briony hatte nichts gegen Alkohol – solange er zur richtigen Zeit, im richtigen Maß und mit dem richtigen Benehmen einherging. Und heute war kein Abend für „einfach mal schauen“. Heute war ein Abend, an dem sie jedes Detail wahrnehmen würde. Jede Regung. Jede Entscheidung.<br />
<br />
Also Kaffee.<br />
<br />
Für seinen Vater hatte er Jasmintee bestellt, für seine Mutter eine hausgemachte Limonade mit frischen Erdbeeren – Dinge, die ihnen gefielen, Dinge, die sie entspannten. Caleb würde sie rechtzeitig bringen, sobald die beiden den Laden betraten. Cree hatte dafür gesorgt.<br />
<br />
Sein Blick glitt erneut durch den Raum, streifte die Gäste, die gedeckten Tische, die ruhige Eleganz dieses Ortes, der so gar nicht zu seinem üblichen Umfeld passte. Normalerweise zog es ihn ins Timberline – rauer, direkter, ehrlicher. Das hier war … kontrollierter. Gepflegter. Fast schon geschniegelt.<br />
<br />
Und definitiv nicht gemacht für Jeans mit Löchern.<br />
Ein schiefes Grinsen zuckte kurz über seine Lippen.<br />
<br />
Romeo hätte ihm wahrscheinlich ohne zu zögern einen seiner Schals umgelegt, hätte er danach gefragt. Der Gedanke allein war absurd genug, um ihn innerlich den Kopf schütteln zu lassen.<br />
<br />
<ina>„Ist es wirklich in Ordnung für dich?“</ina><br />
<br />
Seine Stimme war ruhiger, als die Frage es vermuten ließ, und doch lag etwas darunter. Nicht Unsicherheit – eher … Aufmerksamkeit. Ein wiederholtes Abtasten, ob alles noch im Gleichgewicht war.<br />
<br />
Seine Eltern waren keine aufdringlichen Persönlichkeiten. Aber sie waren Bären.<br />
Und Bären waren neugierig. Vor allem seine Mutter.<br />
<br />
Es wunderte ihn noch immer, dass sie sich so lange zurückgehalten hatte. <br />
Monate. Monate, in denen er offen um einen Medialen geworben hatte, der nicht einmal bereit war, das Band zwischen ihnen anzuerkennen – und Briony hatte nichts gesagt. Keine Fragen gestellt, keinen Druck aufgebaut.<br />
<br />
Bis heute.<br />
<br />
Ein leises, kaum hörbares Knarren ließ seinen Blick zur Tür wandern, noch bevor jemand anderes darauf reagierte.<br />
<br />
Und dann waren sie da.<br />
<br />
Eamon trat zuerst ein, breitschultrig, mit ruhigem Blick und einer Präsenz die vermuten ließ, dass er einfach nur ein Mann mittleren Alters war. Ohne den Raum für sich beanspruchen zu müssen. Neben ihm Briony, kleiner, lebendiger und ihre Energie sofort spürbar, als hätte jemand die Luft im Raum ein wenig wärmer gedreht. Mit einem mütterlichen Lächeln, aus dem Fürsorge und Freundlichkeit sprach.<br />
<br />
Cree war bereits halb aufgestanden, als sie den Tisch erreichten.<br />
<br />
Und dann war da kein Alpha mehr.<br />
Sondern nur ihr Sohn.<br />
Mit einem Schlag war nicht mehr er derjenige, der den Ton angab, sondern sein Vater. Der zwar nicht viel, aber ausreichend dominanter als seine Mutter war, um zwischen ihnen die Führung zu übernehmen.<br />
<br />
Brionys Hände lagen sofort an seinem Gesicht, zogen ihn ein Stück zu sich herunter, während sie ihn auf die Wangen küsste und herzlich umarmte, ihre Stimme leise, warm, erfüllt von dieser unverkennbaren Mischung aus Stolz und Zuneigung. Ein weiterer, kurzer Kuss auf seine Wange folgte, ehe sie ihn noch einmal musterte, als müsste sie sich vergewissern, dass er wirklich vor ihr stand. Als wären sie über Jahre getrennt gewesen und hätten sich nicht erst vor zwei Wochen zu einem gemeinsamen Abendessen getroffen.<br />
<br />
Eamon blieb näher, legte ihm eine schwere Hand auf die Schulter, ein festes, ehrliches Drücken, begleitet von einem tiefen, zufriedenen Brummen, das mehr sasagte, als Worte es je hätten tun können.<br />
<br />
Dann wandte sich Briony Kade zu und ihr offenes Lächeln wurde einen Hauch zurückhaltender. Vorsichtiger. Doch sie war eine Bärenmutter und auch wenn ihr Junges längst erwachsen war und der Alpha eines Clans, war sie doch seine Mutter. Also musterte sie Kade. In ihrem Blick lag keine Herausforderung, nur ehrliches Interesse. <br />
<br />
Sanft legte sie ihre Hand an seinen Unterarm, eine vorsichtige, respektvolle Geste, begleitet von einem warmen Lächeln, das sich bis in ihre Augen zog.<br />
<br />
<ina> " Du bist ein stattlicher Mann. Ist er nicht ein stattlicher Mann? " </ina>, sagte sie zu Eamon, ohne den Blick ganz von Kade zu lösen, ihre Stimme weich, beinahe stolz, als hätte sie etwas Wertvolles erkannt.<br />
<br />
Eamon brummte lediglich zustimmend, kurz, tief, ohne den Moment unnötig auszuschmücken.<br />
<br />
Beide hielten den Blickkontakt nicht lange. Nicht aus Unsicherheit oder Angst – sondern aus Instinkt.<br />
<br />
Kade war dominanter als sie und sie wussten es. Daran war nichts Verwerfliches und sie störten sich nicht daran, doch es war eine seltsame und spannende Dynamik, die sich da auftat und die Cree zum ersten Mal aus nächster Nähe beobachtete. Weil er seinen Eltern noch keine seiner Liebschaften vorgestellt hatte. <br />
<br />
Gerne hätte er Kade zu verstehen gegeben, dass er ihn jederzeit retten würde, wenn es nötig würde, doch ... ein wenig war er selbst auch neugierig, wie sich die drei ohne seine Einmischungen verstehen würden.<br />
<br />
Im selben Moment kam Caleb mit den Getränken und alle nahmen wieder Platz.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Cree saß am schweren Holztisch, den Rücken zur Wand, und ließ den Blick langsam durch den Raum gleiten, ohne dabei wirklich etwas zu übersehen.<br />
<br />
Dunkles Holz zog sich durch den gesamten Raum, durchzogen von warmem Licht, das sich in den satten Maserungen fing und die Atmosphäre in ein gedämpftes, fast träge wirkendes Glühen tauchte. Der Duft von gebratenem Fleisch, von Rauch und Gewürzen hing schwer in der Luft, legte sich auf die Sinne wie eine zweite Schicht, die einen zwang, langsamer zu werden, sich zu setzen, zu bleiben. Kein hektisches Kommen und Gehen, kein lautes Stimmengewirr – hier wurde gegessen, nicht konsumiert. Gespräche blieben gedämpft, getragen von dem leisen Klirren von Besteck auf Porzellan und dem tiefen, zufriedenen Brummen satter Gäste.<br />
<br />
Neben ihm saß Kade. Nah genug, dass seine Präsenz nicht zu ignorieren war, ruhig genug, um nicht aufzufallen. Eine Kombination, die Cree noch immer faszinierte.<br />
<br />
Sie hatten sich bewusst so platziert, dass niemand ihnen in den Rücken fallen konnte, eine Selbstverständlichkeit für jemanden wie ihn – und eine Rücksichtnahme für seine Eltern, die sonst vermutlich sofort in die Defensive gegangen wären. So jedoch war alles klar verteilt. Und das Kades Platz an seiner Seite war, würde auch niemand anzweifeln. Nicht nur, weil er Crees - zukünftiger - Gefährte, sondern selbst absolut tödlich und ein Beschützer war. <br />
<br />
Eamon und Briony waren noch nicht da.<br />
<br />
Ein paar Minuten zu spät, nichts Ungewöhnliches, nichts, das ihn nervös machte. Wenn überhaupt, gab es ihm mehr Zeit, sich zu sammeln – auch wenn er sich selbst nicht eingestehen würde, dass genau das der Fall war.<br />
<br />
Die Getränke standen bereits vor ihnen. Kade hatte sich für eine sichere Option entschieden, etwas Verlässliches, das weder überraschte noch provozierte. Typisch. Kontrolliert, selbst in den kleinsten Dingen. Und das Grizzly’s Cut war klug genug, darauf vorbereitet zu sein. In einer Stadt wie Bryson City, in der Mediale längst kein Fremdkörper mehr waren, hatte man gelernt, sich anzupassen – nicht aus Rücksicht, sondern aus wirtschaftlicher Professionalität.<br />
<br />
Cree hingegen hatte sich gegen das Bier entschieden. Nicht, weil er es nicht gewollt hätte, sondern weil er seine Mutter kannte.<br />
<br />
Ein leises Schnauben lag fast auf seinen Lippen bei dem Gedanken. Briony hatte nichts gegen Alkohol – solange er zur richtigen Zeit, im richtigen Maß und mit dem richtigen Benehmen einherging. Und heute war kein Abend für „einfach mal schauen“. Heute war ein Abend, an dem sie jedes Detail wahrnehmen würde. Jede Regung. Jede Entscheidung.<br />
<br />
Also Kaffee.<br />
<br />
Für seinen Vater hatte er Jasmintee bestellt, für seine Mutter eine hausgemachte Limonade mit frischen Erdbeeren – Dinge, die ihnen gefielen, Dinge, die sie entspannten. Caleb würde sie rechtzeitig bringen, sobald die beiden den Laden betraten. Cree hatte dafür gesorgt.<br />
<br />
Sein Blick glitt erneut durch den Raum, streifte die Gäste, die gedeckten Tische, die ruhige Eleganz dieses Ortes, der so gar nicht zu seinem üblichen Umfeld passte. Normalerweise zog es ihn ins Timberline – rauer, direkter, ehrlicher. Das hier war … kontrollierter. Gepflegter. Fast schon geschniegelt.<br />
<br />
Und definitiv nicht gemacht für Jeans mit Löchern.<br />
Ein schiefes Grinsen zuckte kurz über seine Lippen.<br />
<br />
Romeo hätte ihm wahrscheinlich ohne zu zögern einen seiner Schals umgelegt, hätte er danach gefragt. Der Gedanke allein war absurd genug, um ihn innerlich den Kopf schütteln zu lassen.<br />
<br />
<ina>„Ist es wirklich in Ordnung für dich?“</ina><br />
<br />
Seine Stimme war ruhiger, als die Frage es vermuten ließ, und doch lag etwas darunter. Nicht Unsicherheit – eher … Aufmerksamkeit. Ein wiederholtes Abtasten, ob alles noch im Gleichgewicht war.<br />
<br />
Seine Eltern waren keine aufdringlichen Persönlichkeiten. Aber sie waren Bären.<br />
Und Bären waren neugierig. Vor allem seine Mutter.<br />
<br />
Es wunderte ihn noch immer, dass sie sich so lange zurückgehalten hatte. <br />
Monate. Monate, in denen er offen um einen Medialen geworben hatte, der nicht einmal bereit war, das Band zwischen ihnen anzuerkennen – und Briony hatte nichts gesagt. Keine Fragen gestellt, keinen Druck aufgebaut.<br />
<br />
Bis heute.<br />
<br />
Ein leises, kaum hörbares Knarren ließ seinen Blick zur Tür wandern, noch bevor jemand anderes darauf reagierte.<br />
<br />
Und dann waren sie da.<br />
<br />
Eamon trat zuerst ein, breitschultrig, mit ruhigem Blick und einer Präsenz die vermuten ließ, dass er einfach nur ein Mann mittleren Alters war. Ohne den Raum für sich beanspruchen zu müssen. Neben ihm Briony, kleiner, lebendiger und ihre Energie sofort spürbar, als hätte jemand die Luft im Raum ein wenig wärmer gedreht. Mit einem mütterlichen Lächeln, aus dem Fürsorge und Freundlichkeit sprach.<br />
<br />
Cree war bereits halb aufgestanden, als sie den Tisch erreichten.<br />
<br />
Und dann war da kein Alpha mehr.<br />
Sondern nur ihr Sohn.<br />
Mit einem Schlag war nicht mehr er derjenige, der den Ton angab, sondern sein Vater. Der zwar nicht viel, aber ausreichend dominanter als seine Mutter war, um zwischen ihnen die Führung zu übernehmen.<br />
<br />
Brionys Hände lagen sofort an seinem Gesicht, zogen ihn ein Stück zu sich herunter, während sie ihn auf die Wangen küsste und herzlich umarmte, ihre Stimme leise, warm, erfüllt von dieser unverkennbaren Mischung aus Stolz und Zuneigung. Ein weiterer, kurzer Kuss auf seine Wange folgte, ehe sie ihn noch einmal musterte, als müsste sie sich vergewissern, dass er wirklich vor ihr stand. Als wären sie über Jahre getrennt gewesen und hätten sich nicht erst vor zwei Wochen zu einem gemeinsamen Abendessen getroffen.<br />
<br />
Eamon blieb näher, legte ihm eine schwere Hand auf die Schulter, ein festes, ehrliches Drücken, begleitet von einem tiefen, zufriedenen Brummen, das mehr sasagte, als Worte es je hätten tun können.<br />
<br />
Dann wandte sich Briony Kade zu und ihr offenes Lächeln wurde einen Hauch zurückhaltender. Vorsichtiger. Doch sie war eine Bärenmutter und auch wenn ihr Junges längst erwachsen war und der Alpha eines Clans, war sie doch seine Mutter. Also musterte sie Kade. In ihrem Blick lag keine Herausforderung, nur ehrliches Interesse. <br />
<br />
Sanft legte sie ihre Hand an seinen Unterarm, eine vorsichtige, respektvolle Geste, begleitet von einem warmen Lächeln, das sich bis in ihre Augen zog.<br />
<br />
<ina> " Du bist ein stattlicher Mann. Ist er nicht ein stattlicher Mann? " </ina>, sagte sie zu Eamon, ohne den Blick ganz von Kade zu lösen, ihre Stimme weich, beinahe stolz, als hätte sie etwas Wertvolles erkannt.<br />
<br />
Eamon brummte lediglich zustimmend, kurz, tief, ohne den Moment unnötig auszuschmücken.<br />
<br />
Beide hielten den Blickkontakt nicht lange. Nicht aus Unsicherheit oder Angst – sondern aus Instinkt.<br />
<br />
Kade war dominanter als sie und sie wussten es. Daran war nichts Verwerfliches und sie störten sich nicht daran, doch es war eine seltsame und spannende Dynamik, die sich da auftat und die Cree zum ersten Mal aus nächster Nähe beobachtete. Weil er seinen Eltern noch keine seiner Liebschaften vorgestellt hatte. <br />
<br />
Gerne hätte er Kade zu verstehen gegeben, dass er ihn jederzeit retten würde, wenn es nötig würde, doch ... ein wenig war er selbst auch neugierig, wie sich die drei ohne seine Einmischungen verstehen würden.<br />
<br />
Im selben Moment kam Caleb mit den Getränken und alle nahmen wieder Platz.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[I'm the human version of tangled headphones]]></title>
			<link>https://claws.stories-untold.de/showthread.php?tid=563</link>
			<pubDate>Wed, 08 Apr 2026 17:11:43 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://claws.stories-untold.de/member.php?action=profile&uid=105">Jaemin Hwang</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://claws.stories-untold.de/showthread.php?tid=563</guid>
			<description><![CDATA[Jaemin spürte, wie ihre Wangen bereits glühten, dennoch konnte nichts und niemand sie daran hindern, das Salz auf ihrem Handrücken zu verteilen und in die Zitrone zu beißen nur um den Tequilla einen Moment später hinunter zu kippen, gefolgt von einem weiteren den Rory ihr freundlicherweise überlassen hatte. Nicht, dass sie noch einen gebrauchen könnte, ein lächelnder Blick zur Seite, zeigte der Bärin, dass ihre Freundin bereits genug an den Spirituosen genippt hatte, um mindestens genauso rot im Gesicht zu sein, wie sie selbst. Aber heute Nacht war alles egal. denn Jaemin war frei. Sie war Single. Sie würde diesem .. gemeinen, fiesen Blödmann keine Sekunde nachtrauern. Niemals. Und vielleicht würden ihr irgendwann auch noch passende Beleidigungen zu ihm einfallen. Heute Nacht aber bestimmt nicht mehr. Sie stieß mit den beiden leeren Shotgläsern mit sich selbst an, ehe sie diese, dem Barkeeper zu schob und vom Stuhl rutschte. Ihr enges, rotes Kleid wieder richtend, versuchte sie selbstsicher auf beiden Beinen zu stehen.<br />
<br />
Musik dröhnte aus alten Lautsprechern, leise genug, dass die Wandler in der Bar keine Schäden davon trugen, aber immer noch laut genug, dass es zum Tanzen animierte. Es war voll. Gefühlt hatte sich die halbe Stadt in der Bar versammelt und das erste Mal seit sie hier war, schien sie zu erkennen, wie viele gutaussehende Männer es eigentlich gab. Als hätte Ryo ihr ein Brett vor die Augen gehalten, hatte sie das andere Geschlecht nie als etwas anderes als einfache Personen wahrgenommen. Jetzt jedoch.. <br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">“Der Typ dahinten ist süß, oder?”</span> fragte sie, wobei sie vielleicht ein bisschen zu laut und ein bisschen zu undeutlich sprach. Was garantiert nicht an dem Alkohol lag, den sie für Rory und sich verzehrt hatte. Ihre Finger deuteten vage in die Richtung eines Kerls Ende zwanzig. Er trug einen Cowboyhut, hatte dunkles kurzes Haar und erinnerte verdächtig an Ryo.<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"> “Er hat so kräftige Arme…und ist.. groß..”</span> murmelte sie, ohne zu bemerken, dass Rory gar nicht mehr neben ihr war. Sie atmete tief durch. Heute würde sie jemanden ansprechen. Was sollte schon passieren? Dass sie einen Korb bekam? Das würde ganz bestimmt nur kurz schmerzen. Sie machte den ersten Schritt, ihre Knöchel gefährlich am Wackeln.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Jaemin spürte, wie ihre Wangen bereits glühten, dennoch konnte nichts und niemand sie daran hindern, das Salz auf ihrem Handrücken zu verteilen und in die Zitrone zu beißen nur um den Tequilla einen Moment später hinunter zu kippen, gefolgt von einem weiteren den Rory ihr freundlicherweise überlassen hatte. Nicht, dass sie noch einen gebrauchen könnte, ein lächelnder Blick zur Seite, zeigte der Bärin, dass ihre Freundin bereits genug an den Spirituosen genippt hatte, um mindestens genauso rot im Gesicht zu sein, wie sie selbst. Aber heute Nacht war alles egal. denn Jaemin war frei. Sie war Single. Sie würde diesem .. gemeinen, fiesen Blödmann keine Sekunde nachtrauern. Niemals. Und vielleicht würden ihr irgendwann auch noch passende Beleidigungen zu ihm einfallen. Heute Nacht aber bestimmt nicht mehr. Sie stieß mit den beiden leeren Shotgläsern mit sich selbst an, ehe sie diese, dem Barkeeper zu schob und vom Stuhl rutschte. Ihr enges, rotes Kleid wieder richtend, versuchte sie selbstsicher auf beiden Beinen zu stehen.<br />
<br />
Musik dröhnte aus alten Lautsprechern, leise genug, dass die Wandler in der Bar keine Schäden davon trugen, aber immer noch laut genug, dass es zum Tanzen animierte. Es war voll. Gefühlt hatte sich die halbe Stadt in der Bar versammelt und das erste Mal seit sie hier war, schien sie zu erkennen, wie viele gutaussehende Männer es eigentlich gab. Als hätte Ryo ihr ein Brett vor die Augen gehalten, hatte sie das andere Geschlecht nie als etwas anderes als einfache Personen wahrgenommen. Jetzt jedoch.. <br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">“Der Typ dahinten ist süß, oder?”</span> fragte sie, wobei sie vielleicht ein bisschen zu laut und ein bisschen zu undeutlich sprach. Was garantiert nicht an dem Alkohol lag, den sie für Rory und sich verzehrt hatte. Ihre Finger deuteten vage in die Richtung eines Kerls Ende zwanzig. Er trug einen Cowboyhut, hatte dunkles kurzes Haar und erinnerte verdächtig an Ryo.<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"> “Er hat so kräftige Arme…und ist.. groß..”</span> murmelte sie, ohne zu bemerken, dass Rory gar nicht mehr neben ihr war. Sie atmete tief durch. Heute würde sie jemanden ansprechen. Was sollte schon passieren? Dass sie einen Korb bekam? Das würde ganz bestimmt nur kurz schmerzen. Sie machte den ersten Schritt, ihre Knöchel gefährlich am Wackeln.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[build your roots where your soul can grow wild]]></title>
			<link>https://claws.stories-untold.de/showthread.php?tid=549</link>
			<pubDate>Wed, 04 Feb 2026 10:09:30 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://claws.stories-untold.de/member.php?action=profile&uid=4">Alpha</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://claws.stories-untold.de/showthread.php?tid=549</guid>
			<description><![CDATA[Das <i>Wild Roots</i> lag still in der Vormittagssonne, als hätte der Laden selbst beschlossen, den Tag bewusst langsamer zu beginnen. Das alte Holzhaus wirkte von außen unscheinbar, beinahe bescheiden, doch schon beim Näherkommen offenbarte sich, dass hier nichts zufällig war. Vor der Eingangstür standen mehrere niedrige Regale, auf denen Übertöpfe in allen erdenklichen Formen und Farben arrangiert waren. Manche glatt und schlicht, andere ungleichmäßig, mit sichtbaren Fingerabdrücken im Ton, selbst getöpfert und mit kleinen, kaum lesbaren Markierungen versehen. Nichts wirkte chaotisch, auch wenn es auf den ersten Blick so scheinen mochte. Alles hatte seinen Platz.<br />
<br />
Beim Öffnen der Tür schlug einem sofort der typische Duft eines Blumenladens entgegen. Feuchte Erde, frisches Grün, ein Hauch von Süße aus geöffneten Blüten und das trockene, warme Aroma getrockneter Kräuter. Die Luft war schwer davon, aber nicht unangenehm. Eher beruhigend. Fast wie ein tiefer Atemzug.<br />
<br />
Der Laden selbst war sonnendurchflutet. Große Fenster ließen das Licht herein, in manchen Bereichen gebrochen durch alte Buntglasscheiben, die das Sonnenlicht in weichen Farbflecken auf Böden, Wände und Pflanzen warfen. Grün, Gold, ein wenig Blau. Es tanzte über die Jahre hinweg abgenutzten Holzdielen, über Regale, deren Kanten glattpoliert waren von Jahrzehnten täglicher Berührungen. Das Interior war alt, man sah ihm sein Alter an, doch alles war gepflegt, sauber, instand gehalten mit der Art von Aufmerksamkeit, die nicht aus Pflicht, sondern aus Zuneigung entsteht.<br />
<br />
Die Pflanzen standen nicht willkürlich verteilt. Sie waren nach Licht- und Temperaturbedürfnissen angeordnet, dicht an den Fenstern jene, die das Sonnenlicht liebten, weiter im Inneren jene, die Schatten bevorzugten. Kräuter hingen gebündelt von der Decke, beschriftet mit kleinen handgeschriebenen Kärtchen. Dazwischen immer wieder seltenere Gewächse, sorgfältig platziert, als würden sie einen eigenen, stillen Raum beanspruchen.<br />
<br />
An einer Seite des Ladens befand sich eine schlichte Werkbank. Abgenutzt, aber stabil. Hier lagen Scheren, Bänder, getrocknete Gräser, Bindfäden. Hier entstanden die Bouquets, die nicht nur hübsch, sondern stimmig waren. Arrangements, die wirkten, als hätten sie verstanden, wofür sie bestimmt waren.<br />
<br />
<a href="images/npcs/Harper.png" target="bank"><b>  » Harper Lane « </b></a> bewegte sich durch den Raum mit der Selbstverständlichkeit von jemandem, der jeden Zentimeter kannte. Ihr luftiger Rock schwang bei jeder Bewegung, bauschte sich leicht, wenn sie stehen blieb oder sich drehte. Die Farben ihrer Kleidung fügten sich nahtlos in die Blütenpracht ein, als hätte der Laden sie angezogen und nicht umgekehrt. Ihr graues, krauses Haar war mit bunten Bändern durchzogen, die bei jedem Schritt leise raschelten. Große, schillernde Ohrringe fingen das Licht ein und reflektierten es in kleinen, flüchtigen Blitzen.<br />
<br />
Als sie sprach, war ihre Stimme warm, aber rau. Ein wenig tiefer, als man es erwarten würde, mit einer leichten Heiserkeit, die sie hin und wieder dazu zwang, sich zu räuspern. Eine alte Verletzung, ein Überbleibsel aus ihrer Jugend. Sie störte nicht. Im Gegenteil. Sie verlieh ihren Worten Gewicht, Erdung.<br />
<br />
Harper wirkte zufrieden. Nicht euphorisch, nicht sentimental. Zufrieden auf eine ruhige, ausgeglichene Art. Der Gedanke daran, bald bei ihrer Tochter zu leben, ihre Enkelkinder um sich zu haben, ließ sie lächeln. Und doch lag unter dieser Freude etwas anderes. Etwas Ernstes. Denn Wild Roots war mehr als ein Laden. Es war das Ergebnis eines ganzen Lebens, aufgebaut mit ihrem Mann, getragen durch gute und schlechte Zeiten. Ein Vermächtnis.<br />
<br />
Sie war bereit loszulassen. Aber nicht leichtfertig. Nicht noch einmal falsch.<br />
<br />
Drei Mal hatte sie in den letzten zehn Jahren gezögert. Drei Mal war der richtige Moment da gewesen und doch nicht die richtige Person. Heute war anders. Heute wartete sie. Nicht ungeduldig. Wachsam. Offen.<br />
<br />
Harper blieb nahe der Werkbank stehen, strich mit den Fingern über ein Blatt, prüfte dessen Spannung, lächelte kaum merklich. Dann richtete sie sich auf, blickte zur Tür.<br />
<br />
Ian Hilberger würde jeden Moment eintreten.<br />
<br />
In den letzten Wochen hatten Briefe und Nachrichten zwischen ihnen den Weg gefunden. Keine ausufernden Texte, keine leeren Floskeln. Ian schrieb bedacht, präzise, mit einer ruhigen Selbstverständlichkeit, die Harper aufgefallen war. Er stellte die richtigen Fragen. Nicht nur zu Zahlen, Verträgen oder Lieferketten, sondern zu Pflanzen. Zu Standorten, zu Jahreszeiten, zu Böden. Zu Dingen, die man nicht fragte, wenn man nur einen Laden übernehmen wollte, sondern ein <i>Werk</i>.<br />
<br />
Seine Worte hatten Respekt getragen. Und Neugier. Eine ehrliche.<br />
Harper hatte gelächelt, mehr als einmal, während sie las. Hatte genickt, leise vor sich hin gemurmelt, wenn er Zusammenhänge erkannte, die sie selbst für selbstverständlich hielt. <b>Ein guter Eindruck</b>, ohne Zweifel. Einer, der Hoffnung machte.<br />
<br />
Und doch war da dieses Bedürfnis geblieben. Diese leise Stimme in ihr, die mehr verlangte als Papier und Worte. Sie brauchte dieses Treffen. Musste den Mann sehen, hören, beobachten, wie er sich bewegte, wie er atmete, wie er einen Raum wahrnahm. Für ihren inneren Frieden. Für diesen letzten Funken Gewissheit.<br />
<br />
Denn ihr größter Horror war kein Abschied. Es war der Gedanke, dass Wild Roots eines Tages lieblos geführt, ausgehöhlt, in den Bankrott getrieben werden könnte. Dass das, was sie und ihr Mann aufgebaut hatten, zu etwas Beliebigem verkommen würde.<br />
<br />
Harper würde nicht überstürzt handeln. Niemals.<br />
Wenn sie heute losließ, dann nur, weil sie wusste, dass ihr Vermächtnis verstanden wurde.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Das <i>Wild Roots</i> lag still in der Vormittagssonne, als hätte der Laden selbst beschlossen, den Tag bewusst langsamer zu beginnen. Das alte Holzhaus wirkte von außen unscheinbar, beinahe bescheiden, doch schon beim Näherkommen offenbarte sich, dass hier nichts zufällig war. Vor der Eingangstür standen mehrere niedrige Regale, auf denen Übertöpfe in allen erdenklichen Formen und Farben arrangiert waren. Manche glatt und schlicht, andere ungleichmäßig, mit sichtbaren Fingerabdrücken im Ton, selbst getöpfert und mit kleinen, kaum lesbaren Markierungen versehen. Nichts wirkte chaotisch, auch wenn es auf den ersten Blick so scheinen mochte. Alles hatte seinen Platz.<br />
<br />
Beim Öffnen der Tür schlug einem sofort der typische Duft eines Blumenladens entgegen. Feuchte Erde, frisches Grün, ein Hauch von Süße aus geöffneten Blüten und das trockene, warme Aroma getrockneter Kräuter. Die Luft war schwer davon, aber nicht unangenehm. Eher beruhigend. Fast wie ein tiefer Atemzug.<br />
<br />
Der Laden selbst war sonnendurchflutet. Große Fenster ließen das Licht herein, in manchen Bereichen gebrochen durch alte Buntglasscheiben, die das Sonnenlicht in weichen Farbflecken auf Böden, Wände und Pflanzen warfen. Grün, Gold, ein wenig Blau. Es tanzte über die Jahre hinweg abgenutzten Holzdielen, über Regale, deren Kanten glattpoliert waren von Jahrzehnten täglicher Berührungen. Das Interior war alt, man sah ihm sein Alter an, doch alles war gepflegt, sauber, instand gehalten mit der Art von Aufmerksamkeit, die nicht aus Pflicht, sondern aus Zuneigung entsteht.<br />
<br />
Die Pflanzen standen nicht willkürlich verteilt. Sie waren nach Licht- und Temperaturbedürfnissen angeordnet, dicht an den Fenstern jene, die das Sonnenlicht liebten, weiter im Inneren jene, die Schatten bevorzugten. Kräuter hingen gebündelt von der Decke, beschriftet mit kleinen handgeschriebenen Kärtchen. Dazwischen immer wieder seltenere Gewächse, sorgfältig platziert, als würden sie einen eigenen, stillen Raum beanspruchen.<br />
<br />
An einer Seite des Ladens befand sich eine schlichte Werkbank. Abgenutzt, aber stabil. Hier lagen Scheren, Bänder, getrocknete Gräser, Bindfäden. Hier entstanden die Bouquets, die nicht nur hübsch, sondern stimmig waren. Arrangements, die wirkten, als hätten sie verstanden, wofür sie bestimmt waren.<br />
<br />
<a href="images/npcs/Harper.png" target="bank"><b>  » Harper Lane « </b></a> bewegte sich durch den Raum mit der Selbstverständlichkeit von jemandem, der jeden Zentimeter kannte. Ihr luftiger Rock schwang bei jeder Bewegung, bauschte sich leicht, wenn sie stehen blieb oder sich drehte. Die Farben ihrer Kleidung fügten sich nahtlos in die Blütenpracht ein, als hätte der Laden sie angezogen und nicht umgekehrt. Ihr graues, krauses Haar war mit bunten Bändern durchzogen, die bei jedem Schritt leise raschelten. Große, schillernde Ohrringe fingen das Licht ein und reflektierten es in kleinen, flüchtigen Blitzen.<br />
<br />
Als sie sprach, war ihre Stimme warm, aber rau. Ein wenig tiefer, als man es erwarten würde, mit einer leichten Heiserkeit, die sie hin und wieder dazu zwang, sich zu räuspern. Eine alte Verletzung, ein Überbleibsel aus ihrer Jugend. Sie störte nicht. Im Gegenteil. Sie verlieh ihren Worten Gewicht, Erdung.<br />
<br />
Harper wirkte zufrieden. Nicht euphorisch, nicht sentimental. Zufrieden auf eine ruhige, ausgeglichene Art. Der Gedanke daran, bald bei ihrer Tochter zu leben, ihre Enkelkinder um sich zu haben, ließ sie lächeln. Und doch lag unter dieser Freude etwas anderes. Etwas Ernstes. Denn Wild Roots war mehr als ein Laden. Es war das Ergebnis eines ganzen Lebens, aufgebaut mit ihrem Mann, getragen durch gute und schlechte Zeiten. Ein Vermächtnis.<br />
<br />
Sie war bereit loszulassen. Aber nicht leichtfertig. Nicht noch einmal falsch.<br />
<br />
Drei Mal hatte sie in den letzten zehn Jahren gezögert. Drei Mal war der richtige Moment da gewesen und doch nicht die richtige Person. Heute war anders. Heute wartete sie. Nicht ungeduldig. Wachsam. Offen.<br />
<br />
Harper blieb nahe der Werkbank stehen, strich mit den Fingern über ein Blatt, prüfte dessen Spannung, lächelte kaum merklich. Dann richtete sie sich auf, blickte zur Tür.<br />
<br />
Ian Hilberger würde jeden Moment eintreten.<br />
<br />
In den letzten Wochen hatten Briefe und Nachrichten zwischen ihnen den Weg gefunden. Keine ausufernden Texte, keine leeren Floskeln. Ian schrieb bedacht, präzise, mit einer ruhigen Selbstverständlichkeit, die Harper aufgefallen war. Er stellte die richtigen Fragen. Nicht nur zu Zahlen, Verträgen oder Lieferketten, sondern zu Pflanzen. Zu Standorten, zu Jahreszeiten, zu Böden. Zu Dingen, die man nicht fragte, wenn man nur einen Laden übernehmen wollte, sondern ein <i>Werk</i>.<br />
<br />
Seine Worte hatten Respekt getragen. Und Neugier. Eine ehrliche.<br />
Harper hatte gelächelt, mehr als einmal, während sie las. Hatte genickt, leise vor sich hin gemurmelt, wenn er Zusammenhänge erkannte, die sie selbst für selbstverständlich hielt. <b>Ein guter Eindruck</b>, ohne Zweifel. Einer, der Hoffnung machte.<br />
<br />
Und doch war da dieses Bedürfnis geblieben. Diese leise Stimme in ihr, die mehr verlangte als Papier und Worte. Sie brauchte dieses Treffen. Musste den Mann sehen, hören, beobachten, wie er sich bewegte, wie er atmete, wie er einen Raum wahrnahm. Für ihren inneren Frieden. Für diesen letzten Funken Gewissheit.<br />
<br />
Denn ihr größter Horror war kein Abschied. Es war der Gedanke, dass Wild Roots eines Tages lieblos geführt, ausgehöhlt, in den Bankrott getrieben werden könnte. Dass das, was sie und ihr Mann aufgebaut hatten, zu etwas Beliebigem verkommen würde.<br />
<br />
Harper würde nicht überstürzt handeln. Niemals.<br />
Wenn sie heute losließ, dann nur, weil sie wusste, dass ihr Vermächtnis verstanden wurde.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[some side effects can’t be regulated]]></title>
			<link>https://claws.stories-untold.de/showthread.php?tid=519</link>
			<pubDate>Tue, 18 Nov 2025 11:09:22 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://claws.stories-untold.de/member.php?action=profile&uid=107">Coinneach Donnachaidh</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://claws.stories-untold.de/showthread.php?tid=519</guid>
			<description><![CDATA[Seine Fingerkuppen glitten immer wieder über den Stoff seiner schwarzen Hose, ein nervöser Ausweg, während der Redner einfach nicht zum Punkt kam. Wahrscheinlich war allen Anwesenden längst klar, dass die Pharmafirma, die dieses angeblich <i>lukrative und medialentaugliche</i> Anästhetikum entwickelt hatte, sich deutlich zu weit aus dem Fenster gelehnt hatte. Mehrere Universitätskliniken hatten das Präparat bereits aufgrund mangelnder unabhängiger Reproduzierbarkeit der Effektstärke abgelehnt. Nun versuchte die Firma, in kleineren, ländlichen Einrichtungen Fuß zu fassen, in der Hoffnung, dass dort weniger kritisch nachgefragt würde.<br />
<br />
Coinneachs Kiefer mahlten und er musste sich erheblich zusammennehmen, um den Mann nicht einfach über das Pult zu ziehen, um… nun ja, Dinge zu tun. Er war keine gewalttätige Person. Im Gegenteil: er war diszipliniert, kontrolliert, rational. Doch diese Fahrlässigkeit, dieser offen zur Schau gestellte Wille, andere zu instrumentalisieren, Schwächere auszunutzen, nur um eine <i>klinisch saubere</i> Studie zu generieren, die den eigenen Profit maximierte …<br />
<br />
<ina>“Also wollen Sie uns darum bitten, dass wir zukünftig an medialen Patienten vorrangig <b>Ihre</b> Mittel testen.”</ina><br />
Seine Stimme blieb ruhig, doch jeder verstand, was er meinte. Es war genau das. Sie wollten Versuchspersonen aus jenen machen, die sich Hilfe suchend an die Klinik wandten. Dass Coinneach kein praktizierender Arzt des Hauses war, spielte dabei keine Rolle. Er war Arzt im Clan, und dort gab es ebenfalls Mediale. Clangefährten, die er wissentlich einer unzureichend geprüften Substanz aussetzen sollte.<br />
<br />
Der Vertreter, ein Mann mit perfekter Frisur, strahlend weißem Lächeln und viel zu kleinen Augen, setzte ein beschwichtigendes Grinsen auf. <i>“Nein, nicht testen. Wir haben selbstverständlich bereits nachgewiesen, dass der gewünschte Effekt zuverlässig eintritt.”</i><br />
Ronley Powell. Schrecklicher Name. Schrecklicher Mann.<br />
<br />
Coinneach sah zur medialen Kollegin hinüber, die seinen Blick suchte. Beide mussten sich nicht telepathisch verbinden, um zu wissen, was der andere dachte.<br />
<ina>“Das mag stimmen. Aber wo sind die Angaben zu potenziellen Nebenwirkungen? Ich sehe keine vollständige Risikoprofilierung, keine Angaben zu Langzeitfolgen, nicht einmal eine pharmakokinetische Übersicht.”</ina><br />
<br />
Seine hellgrauen Augen, die seine kardinale <b>mediale</b> Natur verbargen, machten ihn für Powell zu einem vermeintlichen Verbündeten. Einem Menschen. Die Tattoos auf seinen Händen, am Hals, selbst auf der Kopfhaut, verstärkten diesen Effekt – er wirkte menschlicher, greifbarer, weniger als ein typisch steriler Medialer. Wieso sollte sich ein Mensch für ein paar Mediale interessieren? <br />
<br />
Powell trat einen Schritt vor.<br />
<i>“Weil es keine gibt.”</i><br />
<br />
Mit diesen Worten erhob sich Coinneach, richtete seinen Anzug und ließ den Blick durch die Runde schweifen. Er und Dr. Billie Carden waren die einzigen Medialen hier – genau deshalb hatte man sie eingeladen. Man wollte neue Wege finden, verantwortungsvollere Behandlungsoptionen, sichere Alternativen für vulnerable Patienten entwickeln.<br />
Doch das hier würde exakt das Gegenteil bewirken.<br />
<br />
Coinneach würde sich daran nicht beteiligen. Wenn es nach ihm ging, würde das niemand. Doch leider war er kein Träumer und wusste, dass die Realität keinem Wunschdenken folgte. Irgendwann würde irgendwer dieses Medikament einsetzen. Aber nicht er. <br />
<br />
<ina>“Vielen Dank an den Klinikvorstand für die Einladung. Für mich ist der Termin hier beendet, denn einen größeren Haufen Scheiße habe ich mir selten anhören dürfen…”</ina><br />
Powell hastete hinter dem Pult hervor, hob beschwörend die Hände, wollte an Coinneachs Vernunft appellieren – und verstummte abrupt, als seine Zunge sich keinen Millimeter mehr bewegte.<br />
<br />
Langsam drehte Coinneach den Kopf zu ihm, sein Blick eiskalt.<br />
<ina>“Wollen Sie <i><b>mir</i></b>immer noch weiß machen, dass das Medikament keine Nebenwirkungen zeigt?”</ina><br />
Der Mann wurde kalkweiß. Coinneach ließ seinen mentalen Griff los, ehe die Versuchung wuchs, etwas zu brechen, das später im OP landen würde. Dann wandte er sich ab und verließ den Konferenzraum. Hinter der geschlossenen Tür hörte er Powells Stimme, während er versuchte, das sinkende Schiff zu retten.<br />
<br />
Wut brannte in ihm, ein gefährliches, brodelndes Feuer. Die Personen auf dem Gang – Menschen, Mediale, Gestaltwandler – wichen ihm leicht aus, während sie ihren Aufgaben nachgingen. Im <b>Mountainheart Medical Center</b> machten sie keine Unterschiede zwischen den Gattungen. Sie arbeiteten zusammen, vertrauten einander.<br />
Und dieses Vertrauen wollte eine gierige Firma ausnutzen, weil Tierversuchsmodelle nicht ausreichten, um eine überzeugende Evidenz zu liefern.<br />
<br />
Er lockerte die Krawatte, die seine Mutter ihm heute Morgen liebevoll gebunden hatte – nicht, weil er es selbst nicht konnte, sondern weil sie stolz auf ihn war. Jetzt fühlte sich der Stoff wie eine Schlinge an. Seine Finger fanden das Kombigerät aus Organizer und Smartphone in seiner Tasche.<br />
Er musste Cree informieren. Jemand musste diesen Mist stoppen. Und er brauchte jemanden, der ihn wieder einfing, bevor er umkehrte und Ronley Powell in ein klinisch nicht mehr identifizierbares Fragment verwandelte.<br />
<br />
Seine Gedanken wurden dunkler. Lauter. Wilder. Die Brutalität, die Gewaltbereitschaft, die in ihm sang, sehnte sich nach einem Clanmitglied. Jemandem, der ihn beruhigen, wieder in klaren Linien denken lassen konnte. Irgendjemandem.<br />
<br />
Dann hörte er ein Lachen.<br />
<br />
Sein Verstand stolperte für einen Wimpernschlag. Er drehte sich um, suchte die Stimme, die er eben noch gehört hatte. Er kannte sie.<br />
<br />
Es war keine gute Idee, dieser Stimme zu folgen.<br />
<br />
Aber seine Füße hatten sich längst entschieden und trugen ihn in Richtung des heißeren Lachens.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Seine Fingerkuppen glitten immer wieder über den Stoff seiner schwarzen Hose, ein nervöser Ausweg, während der Redner einfach nicht zum Punkt kam. Wahrscheinlich war allen Anwesenden längst klar, dass die Pharmafirma, die dieses angeblich <i>lukrative und medialentaugliche</i> Anästhetikum entwickelt hatte, sich deutlich zu weit aus dem Fenster gelehnt hatte. Mehrere Universitätskliniken hatten das Präparat bereits aufgrund mangelnder unabhängiger Reproduzierbarkeit der Effektstärke abgelehnt. Nun versuchte die Firma, in kleineren, ländlichen Einrichtungen Fuß zu fassen, in der Hoffnung, dass dort weniger kritisch nachgefragt würde.<br />
<br />
Coinneachs Kiefer mahlten und er musste sich erheblich zusammennehmen, um den Mann nicht einfach über das Pult zu ziehen, um… nun ja, Dinge zu tun. Er war keine gewalttätige Person. Im Gegenteil: er war diszipliniert, kontrolliert, rational. Doch diese Fahrlässigkeit, dieser offen zur Schau gestellte Wille, andere zu instrumentalisieren, Schwächere auszunutzen, nur um eine <i>klinisch saubere</i> Studie zu generieren, die den eigenen Profit maximierte …<br />
<br />
<ina>“Also wollen Sie uns darum bitten, dass wir zukünftig an medialen Patienten vorrangig <b>Ihre</b> Mittel testen.”</ina><br />
Seine Stimme blieb ruhig, doch jeder verstand, was er meinte. Es war genau das. Sie wollten Versuchspersonen aus jenen machen, die sich Hilfe suchend an die Klinik wandten. Dass Coinneach kein praktizierender Arzt des Hauses war, spielte dabei keine Rolle. Er war Arzt im Clan, und dort gab es ebenfalls Mediale. Clangefährten, die er wissentlich einer unzureichend geprüften Substanz aussetzen sollte.<br />
<br />
Der Vertreter, ein Mann mit perfekter Frisur, strahlend weißem Lächeln und viel zu kleinen Augen, setzte ein beschwichtigendes Grinsen auf. <i>“Nein, nicht testen. Wir haben selbstverständlich bereits nachgewiesen, dass der gewünschte Effekt zuverlässig eintritt.”</i><br />
Ronley Powell. Schrecklicher Name. Schrecklicher Mann.<br />
<br />
Coinneach sah zur medialen Kollegin hinüber, die seinen Blick suchte. Beide mussten sich nicht telepathisch verbinden, um zu wissen, was der andere dachte.<br />
<ina>“Das mag stimmen. Aber wo sind die Angaben zu potenziellen Nebenwirkungen? Ich sehe keine vollständige Risikoprofilierung, keine Angaben zu Langzeitfolgen, nicht einmal eine pharmakokinetische Übersicht.”</ina><br />
<br />
Seine hellgrauen Augen, die seine kardinale <b>mediale</b> Natur verbargen, machten ihn für Powell zu einem vermeintlichen Verbündeten. Einem Menschen. Die Tattoos auf seinen Händen, am Hals, selbst auf der Kopfhaut, verstärkten diesen Effekt – er wirkte menschlicher, greifbarer, weniger als ein typisch steriler Medialer. Wieso sollte sich ein Mensch für ein paar Mediale interessieren? <br />
<br />
Powell trat einen Schritt vor.<br />
<i>“Weil es keine gibt.”</i><br />
<br />
Mit diesen Worten erhob sich Coinneach, richtete seinen Anzug und ließ den Blick durch die Runde schweifen. Er und Dr. Billie Carden waren die einzigen Medialen hier – genau deshalb hatte man sie eingeladen. Man wollte neue Wege finden, verantwortungsvollere Behandlungsoptionen, sichere Alternativen für vulnerable Patienten entwickeln.<br />
Doch das hier würde exakt das Gegenteil bewirken.<br />
<br />
Coinneach würde sich daran nicht beteiligen. Wenn es nach ihm ging, würde das niemand. Doch leider war er kein Träumer und wusste, dass die Realität keinem Wunschdenken folgte. Irgendwann würde irgendwer dieses Medikament einsetzen. Aber nicht er. <br />
<br />
<ina>“Vielen Dank an den Klinikvorstand für die Einladung. Für mich ist der Termin hier beendet, denn einen größeren Haufen Scheiße habe ich mir selten anhören dürfen…”</ina><br />
Powell hastete hinter dem Pult hervor, hob beschwörend die Hände, wollte an Coinneachs Vernunft appellieren – und verstummte abrupt, als seine Zunge sich keinen Millimeter mehr bewegte.<br />
<br />
Langsam drehte Coinneach den Kopf zu ihm, sein Blick eiskalt.<br />
<ina>“Wollen Sie <i><b>mir</i></b>immer noch weiß machen, dass das Medikament keine Nebenwirkungen zeigt?”</ina><br />
Der Mann wurde kalkweiß. Coinneach ließ seinen mentalen Griff los, ehe die Versuchung wuchs, etwas zu brechen, das später im OP landen würde. Dann wandte er sich ab und verließ den Konferenzraum. Hinter der geschlossenen Tür hörte er Powells Stimme, während er versuchte, das sinkende Schiff zu retten.<br />
<br />
Wut brannte in ihm, ein gefährliches, brodelndes Feuer. Die Personen auf dem Gang – Menschen, Mediale, Gestaltwandler – wichen ihm leicht aus, während sie ihren Aufgaben nachgingen. Im <b>Mountainheart Medical Center</b> machten sie keine Unterschiede zwischen den Gattungen. Sie arbeiteten zusammen, vertrauten einander.<br />
Und dieses Vertrauen wollte eine gierige Firma ausnutzen, weil Tierversuchsmodelle nicht ausreichten, um eine überzeugende Evidenz zu liefern.<br />
<br />
Er lockerte die Krawatte, die seine Mutter ihm heute Morgen liebevoll gebunden hatte – nicht, weil er es selbst nicht konnte, sondern weil sie stolz auf ihn war. Jetzt fühlte sich der Stoff wie eine Schlinge an. Seine Finger fanden das Kombigerät aus Organizer und Smartphone in seiner Tasche.<br />
Er musste Cree informieren. Jemand musste diesen Mist stoppen. Und er brauchte jemanden, der ihn wieder einfing, bevor er umkehrte und Ronley Powell in ein klinisch nicht mehr identifizierbares Fragment verwandelte.<br />
<br />
Seine Gedanken wurden dunkler. Lauter. Wilder. Die Brutalität, die Gewaltbereitschaft, die in ihm sang, sehnte sich nach einem Clanmitglied. Jemandem, der ihn beruhigen, wieder in klaren Linien denken lassen konnte. Irgendjemandem.<br />
<br />
Dann hörte er ein Lachen.<br />
<br />
Sein Verstand stolperte für einen Wimpernschlag. Er drehte sich um, suchte die Stimme, die er eben noch gehört hatte. Er kannte sie.<br />
<br />
Es war keine gute Idee, dieser Stimme zu folgen.<br />
<br />
Aber seine Füße hatten sich längst entschieden und trugen ihn in Richtung des heißeren Lachens.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[I dont need a Hero ... maybe]]></title>
			<link>https://claws.stories-untold.de/showthread.php?tid=498</link>
			<pubDate>Thu, 14 Aug 2025 17:08:32 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://claws.stories-untold.de/member.php?action=profile&uid=81">Sarah Morales</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://claws.stories-untold.de/showthread.php?tid=498</guid>
			<description><![CDATA[Mit dem Handy in der Hand wanderte Sarah unruhig am Eingang des Krankenhauses hin und her. Leon war auf dem Weg zu ihnen und Sarah macht sich Sorgen um ihn. Das Wetter wurde immer schlechter und der Regen trommelte wie verrückt auf das Vordach des Eingangs. Man konnte überhaupt nichts mehr sehen. Die Hagelkörner, die irgendwann heruntergekommen waren, hatten einen der Strahler kaputt gemacht, der übrig gebliebene verströmte ein unheimliches Licht. Nachdem sie Chloes Zimmer verlassen hatte, hatte sie noch nach ihrem Sohn gesehen. Evan schlief tief und fest und kuschelte sich an Kira, die bei den Kindern blieb und sich ebenfalls zu später Stunde zu ihnen gelegt hatte. Es war unheimlich, der Wind toste wie verrückt ums Haus. Einige Fenster waren durch umherfliegende Äste und andere Sachen bereits kaputtgegangen. Man hatte die Glaswände so gut es ging abgehängt und Bretter dran gemacht als die Warnung des Unwetters kam. Dennoch flackerten Lichter und in hier und da zischte oder zog es. Sarah war vor fünf Minuten noch einmal bei Chloe im Zimmer gewesen, um sicherzugehen, dass die Rothaarige sicher war und hatte den Behandlungsvorhang zum Fenster hin geschlossen. <br />
<br />
Nach der letzten OP, die sie Dr. Wilson assistiert hatte, hatte sich Sarah nur neue Krankenhauskleidung geben lassen. Ein provisorisches Namensschild klebte auf ihrer Brust, damit sowohl Patienten als auch Ärzte wussten, mit wem sie sprachen. Es gab einige Menschen und auch Mediale und Gestaltwandler, die im Krankenhaus Schutz suchten. Sarah verstand diesen Drang. Sie selbst war aber nicht hier, um Schutz zu suchen, sondern um zu helfen. In Los Angeles gab es verschiedene Einrichtungen, in die man sich bei solchen Unwetter flüchten konnte. Naturgewalten waren unberechenbar, das hatte sie damals als Erstes in der Stadt der Engel gelernt. Dass Leon nun durch dieses Wetter fuhr oder lief oder was auch immer, machte ihr also ziemliche Sorgen, auch wenn der große Kerl ein verdammter Bär war. Zum wiederholten Mal, fragte sie jemand, ob alles in Ordnung sei, trotz des Sturmes draußen, war etwas Ruhe eingekehrt. Sie nickte und versuchte den Drang hin und her zu laufen damit zu unterdrücken, dass sie ihre Notizen durchging, die sie über die Patienten angelegt hatte. Sie traute dem bisherigen Frieden nicht, dass die Technik noch nicht versagt hatte, das würde sie, irgendwann. Da war sie sich sicher.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Mit dem Handy in der Hand wanderte Sarah unruhig am Eingang des Krankenhauses hin und her. Leon war auf dem Weg zu ihnen und Sarah macht sich Sorgen um ihn. Das Wetter wurde immer schlechter und der Regen trommelte wie verrückt auf das Vordach des Eingangs. Man konnte überhaupt nichts mehr sehen. Die Hagelkörner, die irgendwann heruntergekommen waren, hatten einen der Strahler kaputt gemacht, der übrig gebliebene verströmte ein unheimliches Licht. Nachdem sie Chloes Zimmer verlassen hatte, hatte sie noch nach ihrem Sohn gesehen. Evan schlief tief und fest und kuschelte sich an Kira, die bei den Kindern blieb und sich ebenfalls zu später Stunde zu ihnen gelegt hatte. Es war unheimlich, der Wind toste wie verrückt ums Haus. Einige Fenster waren durch umherfliegende Äste und andere Sachen bereits kaputtgegangen. Man hatte die Glaswände so gut es ging abgehängt und Bretter dran gemacht als die Warnung des Unwetters kam. Dennoch flackerten Lichter und in hier und da zischte oder zog es. Sarah war vor fünf Minuten noch einmal bei Chloe im Zimmer gewesen, um sicherzugehen, dass die Rothaarige sicher war und hatte den Behandlungsvorhang zum Fenster hin geschlossen. <br />
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Nach der letzten OP, die sie Dr. Wilson assistiert hatte, hatte sich Sarah nur neue Krankenhauskleidung geben lassen. Ein provisorisches Namensschild klebte auf ihrer Brust, damit sowohl Patienten als auch Ärzte wussten, mit wem sie sprachen. Es gab einige Menschen und auch Mediale und Gestaltwandler, die im Krankenhaus Schutz suchten. Sarah verstand diesen Drang. Sie selbst war aber nicht hier, um Schutz zu suchen, sondern um zu helfen. In Los Angeles gab es verschiedene Einrichtungen, in die man sich bei solchen Unwetter flüchten konnte. Naturgewalten waren unberechenbar, das hatte sie damals als Erstes in der Stadt der Engel gelernt. Dass Leon nun durch dieses Wetter fuhr oder lief oder was auch immer, machte ihr also ziemliche Sorgen, auch wenn der große Kerl ein verdammter Bär war. Zum wiederholten Mal, fragte sie jemand, ob alles in Ordnung sei, trotz des Sturmes draußen, war etwas Ruhe eingekehrt. Sie nickte und versuchte den Drang hin und her zu laufen damit zu unterdrücken, dass sie ihre Notizen durchging, die sie über die Patienten angelegt hatte. Sie traute dem bisherigen Frieden nicht, dass die Technik noch nicht versagt hatte, das würde sie, irgendwann. Da war sie sich sicher.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[what a way to make an entrance!]]></title>
			<link>https://claws.stories-untold.de/showthread.php?tid=445</link>
			<pubDate>Thu, 01 May 2025 13:26:38 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://claws.stories-untold.de/member.php?action=profile&uid=73">Jericho Minelli</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://claws.stories-untold.de/showthread.php?tid=445</guid>
			<description><![CDATA[Jericho übernahm nicht häufig Patrouillen in Bryson, doch heute war es zu einem Engpass gekommen. Zwei Soldaten waren ausgefallen, sodass sich der Wapitiwandler nun die Streife im östlichen Viertel der Stadt mit einer Kollegin teilte. Es herrschte sonntägliche Ruhe auf den Straßen, weshalb sie sich schon vor einer Weile aufgeteilt hatten, nie weit voneinander entfernt, sodass sie sich im Notfall schnell erreichen konnten.<br />
Die nötige Kommunikation verlief über das Smartphone, auf das der Ranger ohnehin immer wieder einen Blick warf, um den Zustand seiner Schützlinge zuhause zu überprüfen. Er hatte zwar seine Mutter damit beauftragt, ein Auge auf die Tiere zu halten, bis er wieder zurückkehrte, doch er konnte nicht anders, als sich selbst vom Wohlergehen seiner Patienten zu überzeugen.<br />
Stella, die verwundete Hirschkuh, die Jericho vor einigen Wochen gemeinsam mit ihrem Kalb aufgelesen hatte, hatte bereits bemerkenswerte Fortschritte gemacht, sodass sie inzwischen von ihrer eisernen Schiene befreit werden konnte und lediglich noch eine Orthese trug, die ihr Bein stabilisierte. Während Astro, ihr Kalb, wuchs und gedieh und inzwischen nicht nur handzahm, sondern auch äußerst verschmust geworden war. Die Wanderdrosselküken, deren Eier der Wildhüter nach dem Sturm aufgesammelt hatte, waren mittlerweile ausgeflogen, trieben sich aber regelmäßig in der Nähe seiner Hütte herum. Auch sie huschten hin und wieder durch das Bild einer der Überwachungskameras. <br />
<br />
Der Soldat steckte den Kommunikator zurück in die Hosentasche und ließ den Blick über die Straße vor sich schweifen. Es waren nur wenige Menschen unterwegs – einige Familien, die einen Sonntagsspaziergang zur nächsten Eisdiele unternahmen oder Jugendliche, die auf dem Weg zum Freibad waren. Doch bei einer Patrouille ging es nur darum, für Recht und Ordnung zu sorgen. Man wollte Präsenz zeigen, die örtlichen Sheriffs unterstützen und den Bewohnern der Stadt Sicherheit vermitteln. Genau das tat Jericho, selbst wenn ihm eine Patrouille durch die Wildnis des Territoriums aus vielerlei Gründen deutlich lieber gewesen wäre.<br />
<br />
Dass er sich aber genau zur rechten Zeit am rechten Ort befand, zeigte sich nur einen Moment später. Das Kreischen quietschender Autoreifen ließ den Wapitis unter seiner Haut den Kopf in die Höhe reißen. Der Hirsch blähte die Nüstern und noch bevor der Soldat sich umblicken konnte, schallte ein unheilvolles Klirren in seine Ohren. <i>Fuck!</i><br />
Eine Sekunde des Schrecks, bevor der Helferinstinkt einschlagen konnte und Jericho auf dem Absatz kehrt machte. Die Unfallstelle befand sich nur ein paar hundert Meter hinter ihm und die ersten Menschen strömten bereits um einen schräg auf einer Kreuzung stehenden Wagen, sodass er nicht direkt erkennen konnte, was vorgefallen war. Mütter hielten ihre Kinder fest und einige Halbstarke zückten bereits ihre Handys – ganz offensichtlich um das Drama aufzuzeichnen, statt um Hilfe zu rufen – was den Soldaten dazu antrieb, die Beine noch mehr in die Hand zu nehmen und die kurze Distanz im Spurt zurückzulegen.<br />
<br />
<b>„Zur Seite!“</b>, drängte er sich an zwei Jugendlichen vorbei und bedachte sie dabei mit einem tadelnden Blick, der zwar nicht von einem Raubtier stammte, aber dennoch die Schärfe eines dominanten Gestaltwandlers in sich trug. Die beiden Jungen machten einen Schritt zurück, erkannten aber offenbar noch nicht, dass es angebracht war, ihre Handys wieder wegzustecken. Darum würde er sich später kümmern. Zunächst galt es, die Unfallstelle abzusichern und möglichen Verletzen zu helfen. <br />
<br />
Sein Blick fiel nun auf den verbeulten Reifen eines Fahrrads. Unweit davon standen zwei Männer vor einer weiteren Person, die auf dem Boden lag. Der aufgerissenen Fahrertür nach zu urteilen, musste einer der Beiden wohl der Unfallverursacher sein. Informationen, die reichten, um sich einen ersten Eindruck zu machen. Jericho umrundete das Auto, öffnete den Kofferraum und wühlte ein Warndreieck und einen veralteten Verbandskasten hervor. Nicht optimal, aber besser als nichts. <b>„Stellen Sie das da vorne auf!“</b>, bat er eine Passantin, während er ihr das Dreieck in die Hand drückte, dann eilte er zurück zu dem verbeulten Fahrrad und drängte die inzwischen wild diskutierenden Männer zur Seite.<br />
<br />
Endlich konnte er einen ersten Blick auf die verletzte Person werfen. Ihr Fahrrad hatte eine ordentliche Beule in der Seite des Fahrzeugs hinterlassen und entsprechend zugerichtet sah die junge Frau aus. Abgesehen von diversen schmerzhaft wirkenden Schrammen und Schürfwunden, sah ihr Arm gar nicht gut aus. Der Winkel, in dem der Unterarm auf der Straße lag, war definitiv nicht natürlich!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Jericho übernahm nicht häufig Patrouillen in Bryson, doch heute war es zu einem Engpass gekommen. Zwei Soldaten waren ausgefallen, sodass sich der Wapitiwandler nun die Streife im östlichen Viertel der Stadt mit einer Kollegin teilte. Es herrschte sonntägliche Ruhe auf den Straßen, weshalb sie sich schon vor einer Weile aufgeteilt hatten, nie weit voneinander entfernt, sodass sie sich im Notfall schnell erreichen konnten.<br />
Die nötige Kommunikation verlief über das Smartphone, auf das der Ranger ohnehin immer wieder einen Blick warf, um den Zustand seiner Schützlinge zuhause zu überprüfen. Er hatte zwar seine Mutter damit beauftragt, ein Auge auf die Tiere zu halten, bis er wieder zurückkehrte, doch er konnte nicht anders, als sich selbst vom Wohlergehen seiner Patienten zu überzeugen.<br />
Stella, die verwundete Hirschkuh, die Jericho vor einigen Wochen gemeinsam mit ihrem Kalb aufgelesen hatte, hatte bereits bemerkenswerte Fortschritte gemacht, sodass sie inzwischen von ihrer eisernen Schiene befreit werden konnte und lediglich noch eine Orthese trug, die ihr Bein stabilisierte. Während Astro, ihr Kalb, wuchs und gedieh und inzwischen nicht nur handzahm, sondern auch äußerst verschmust geworden war. Die Wanderdrosselküken, deren Eier der Wildhüter nach dem Sturm aufgesammelt hatte, waren mittlerweile ausgeflogen, trieben sich aber regelmäßig in der Nähe seiner Hütte herum. Auch sie huschten hin und wieder durch das Bild einer der Überwachungskameras. <br />
<br />
Der Soldat steckte den Kommunikator zurück in die Hosentasche und ließ den Blick über die Straße vor sich schweifen. Es waren nur wenige Menschen unterwegs – einige Familien, die einen Sonntagsspaziergang zur nächsten Eisdiele unternahmen oder Jugendliche, die auf dem Weg zum Freibad waren. Doch bei einer Patrouille ging es nur darum, für Recht und Ordnung zu sorgen. Man wollte Präsenz zeigen, die örtlichen Sheriffs unterstützen und den Bewohnern der Stadt Sicherheit vermitteln. Genau das tat Jericho, selbst wenn ihm eine Patrouille durch die Wildnis des Territoriums aus vielerlei Gründen deutlich lieber gewesen wäre.<br />
<br />
Dass er sich aber genau zur rechten Zeit am rechten Ort befand, zeigte sich nur einen Moment später. Das Kreischen quietschender Autoreifen ließ den Wapitis unter seiner Haut den Kopf in die Höhe reißen. Der Hirsch blähte die Nüstern und noch bevor der Soldat sich umblicken konnte, schallte ein unheilvolles Klirren in seine Ohren. <i>Fuck!</i><br />
Eine Sekunde des Schrecks, bevor der Helferinstinkt einschlagen konnte und Jericho auf dem Absatz kehrt machte. Die Unfallstelle befand sich nur ein paar hundert Meter hinter ihm und die ersten Menschen strömten bereits um einen schräg auf einer Kreuzung stehenden Wagen, sodass er nicht direkt erkennen konnte, was vorgefallen war. Mütter hielten ihre Kinder fest und einige Halbstarke zückten bereits ihre Handys – ganz offensichtlich um das Drama aufzuzeichnen, statt um Hilfe zu rufen – was den Soldaten dazu antrieb, die Beine noch mehr in die Hand zu nehmen und die kurze Distanz im Spurt zurückzulegen.<br />
<br />
<b>„Zur Seite!“</b>, drängte er sich an zwei Jugendlichen vorbei und bedachte sie dabei mit einem tadelnden Blick, der zwar nicht von einem Raubtier stammte, aber dennoch die Schärfe eines dominanten Gestaltwandlers in sich trug. Die beiden Jungen machten einen Schritt zurück, erkannten aber offenbar noch nicht, dass es angebracht war, ihre Handys wieder wegzustecken. Darum würde er sich später kümmern. Zunächst galt es, die Unfallstelle abzusichern und möglichen Verletzen zu helfen. <br />
<br />
Sein Blick fiel nun auf den verbeulten Reifen eines Fahrrads. Unweit davon standen zwei Männer vor einer weiteren Person, die auf dem Boden lag. Der aufgerissenen Fahrertür nach zu urteilen, musste einer der Beiden wohl der Unfallverursacher sein. Informationen, die reichten, um sich einen ersten Eindruck zu machen. Jericho umrundete das Auto, öffnete den Kofferraum und wühlte ein Warndreieck und einen veralteten Verbandskasten hervor. Nicht optimal, aber besser als nichts. <b>„Stellen Sie das da vorne auf!“</b>, bat er eine Passantin, während er ihr das Dreieck in die Hand drückte, dann eilte er zurück zu dem verbeulten Fahrrad und drängte die inzwischen wild diskutierenden Männer zur Seite.<br />
<br />
Endlich konnte er einen ersten Blick auf die verletzte Person werfen. Ihr Fahrrad hatte eine ordentliche Beule in der Seite des Fahrzeugs hinterlassen und entsprechend zugerichtet sah die junge Frau aus. Abgesehen von diversen schmerzhaft wirkenden Schrammen und Schürfwunden, sah ihr Arm gar nicht gut aus. Der Winkel, in dem der Unterarm auf der Straße lag, war definitiv nicht natürlich!]]></content:encoded>
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