Gestaltwandler kennen zwei Formen langfristiger Bindungen. Die häufigste davon sind die alltäglichen Beziehungen, die den Großteil aller Partnerschaften ausmachen. In der Regel handelt es sich dabei um monogame Verbindungen auf Lebenszeit, in denen sich beide Partner bewusst füreinander entscheiden und den Prozess der Werbung durchlaufen. Auch wenn diese Verbindungen von tiefen Gefühlen getragen werden, geht ihnen stets eine rationale und freiwillige Entscheidung voraus.
Die zweite und weitaus seltenere Bindungsform ist das Gefährtenband. Es gilt als außergewöhnliches Geschenk, von dem viele Gestaltwandler träumen, das jedoch nur wenige im Laufe ihres Lebens finden. Begegnet man seinem Seelengefährten, geschieht die Erkenntnis meist auf der tiefsten Existenzebene. Zwar kann auch hier eine Werbung stattfinden, doch setzt häufig bereits früh der Paarungstanz ein – ein tief instinktiver Prozess, der nicht vom bewussten Willen, sondern vom animalischen Teil des Gestaltwandlers ausgelöst wird.
Werbung
Die Werbung kann sowohl einer flüchtigen als auch einer lebenslangen Beziehung vorausgehen und ist mit einer Datingphase vergleichbar.
In den meisten Fällen wird die Werbung vom dominanteren Part initiiert. Insbesondere unterwürfige Gestaltwandler sind von Natur aus zurückhaltender und gehen dieses Risiko nur dann ein, wenn sie sich ihrer Erfolgschancen sehr sicher sind. Denn eine Zurückweisung kann für unterwürfige Mitglieder emotional besonders belastend sein, weshalb diese Konstellation selten ist, jedoch nicht vollends ausgeschlossen.
- Ob die Werbung öffentlich oder privat stattfindet, liegt allein beim Paar.
- Entscheidet sich das Paar für eine öffentliche Werbung, nutzen dominante Gestaltwandler diese bevorzugt, um einen klaren Besitzanspruch auf ihren Partner kundzutun, da insbesondere Raubtiere stark territorial veranlagt sind – auch in Bezug auf ihre Partner.
- Dominante Gestaltwandler tragen während der Werbung eine besondere Verantwortung. Sie müssen darauf achten, dem umworbenen Gegenüber nichts aufzuzwingen. Gleichzeitig kann es vorkommen, dass instinktives Verhalten zunimmt, insbesondere wenn ein Gefährtenband im Raum steht.
- Während einer öffentlichen Werbung, gilt es als Affront, sich in diesen Prozess einzumischen, solange der Umworbene noch keine Entscheidung getroffen hat. Außenstehende haben in dieser Zeit Abstand zu wahren.
- In dieser Zeit herrscht vollständige Exklusivität. Flirten oder das Bekunden von Interesse an anderen gilt als Zeichen mangelnder Ernsthaftigkeit. Untreue ist bei Gestaltwandlern generell schwerwiegend, während der Werbung jedoch vollkommen unverzeihlich, da Vertrauen und Loyalität die Grundlage jeder Bindung bilden.
- Ein klares äußeres Zeichen der Werbung existiert nur dann, wenn intime Körperprivilegien regelmäßig geteilt werden und viel Zeit miteinander verbracht wird. In diesem Fall beginnen sich die Witterungen der Beteiligten zu vermischen. Vor allem dominante Weibchen wehren diese Vermischung jedoch oft lange bewusst ab, da sie freiheitsliebend und unabhängig sind. Eine dauerhafte Vermischung der Witterungen setzt eine bewusste Entscheidung für den Partner voraus.
- Die Dauer der Werbung ist vollkommen individuell. Sie kann wenige Stunden oder mehrere Monate andauern. Ob ein Gefährtenband im Raum steht oder nicht, ist dabei irrelevant. Entscheidend ist, dass sowohl der menschliche als auch der animalische Teil des umworbenen Gestaltwandlers den Partner akzeptieren. Beziehungen, die nur eine Seite zufriedenstellen, sind meist zum Scheitern verurteilt.
- Die Werbungsphase endet, sobald der umworbene Gestaltwandler annimmt – was in der Regel zu einer Beziehung führt – oder ablehnt. Eine Ablehnung bleibt folgenlos, solange respektvoll mit den Bemühungen des werbenden Gestaltwandlers umgegangen wird. Ebenso ist es verpönt, eine gescheiterte Werbung zu verspotten oder intime Details nach außen zu tragen, da dies Unruhe in die Gemeinschaft bringt.
- Wird eine Werbung von einem unterwürfigen Umworbenen eindeutig abgelehnt, hat sich der dominante Initiator unverzüglich zurückzuziehen. Dies dient dem Schutz unterwürfiger Gestaltwandler und gilt als ungeschriebenes Gesetz innerhalb aller Gemeinschaften.
Der Paarungstanz
Der Paarungstanz beschreibt einen besonderen Abschnitt und kann sich der Werbung anschließen, zeitgleich stattfinden oder diese sogar gänzlich ersetzen. Der Auslöser für den Paarungstanz ist die Aussicht auf das Gefährtenband zwischen zwei Gestaltwandlern – oder einem Gestaltwandler und einem potenziellen Gefährten anderer Gattungen. Es handelt sich um keinen bewusst gesteuerten Prozess, sondern gründet in der Reaktion des Tieres auf den Seelengefährten.
Das Verhalten beider Partner unterscheidet sich – je nach Dominanzgrad – während dem Paarungstanz deutlich von einer gewöhnlichen Werbung. Vor allem, weil zu dieser Zeit die Instinkte wesentlich drängender, intensiver und schwerer zu kontrollieren sind. Die Nähe des Partners wird stärker gesucht, Trennung fällt schwerer, und selbst kurze Abwesenheiten des Partners kann Unruhe, Reizbarkeit oder aggressive Impulse auslösen.
- Der Paarungstanz äußert sich sowohl körperlich als auch emotional. Die Anziehung zwischen den Beteiligten ist tiefgreifend und nicht selten sexueller Natur, geht jedoch weit darüber hinaus. Beide Partner empfinden ein starkes Bedürfnis nach Nähe, Berührung und Vertrautheit, begleitet von einem instinktiven Wunsch, den anderen zu schützen und zu beanspruchen.
- Besonders dominante Werbende sind während des Paarungstanzes stark von ihren Instinkten beeinflusst. Konkurrenz wird nur schwer toleriert, rationale Abwägungen treten größtenteils in den Hintergrund. Dennoch richtet sich potenzielle Aggression niemals gegen den umworbenen Partner, sondern ausschließlich gegen mögliche Rivalen.
- Während dieser Phase kann es zu einer deutlichen Veränderung der Witterung kommen. Der Duft der Werbenden beginnt sich zu verändern und wird von anderen Gestaltwandlern – insbesondere dominanten Mitgliedern der Gemeinschaft – früh wahrgenommen. Diese Veränderung dient als instinktives Warnsignal, Abstand zu halten, da der Paarungstanz mit gesteigerter Territorialität und erhöhter Aggressionsbereitschaft einhergehen kann.
- Die Dauer des Paarungstanzes ist individuell. Bei manchen Paaren dauert er nur wenige Tage, bei anderen zieht er sich über Wochen oder sogar Monate. Er endet entweder mit dem Einrasten des Gefährtenbandes – oder damit, dass der umworbene Gestaltwandler sich gegen diese Bindung entscheidet.
Scheitert der Paarungstanz, verursacht das bei beiden Partnern erhebliche Qualen. Jedoch nimmt die instinktive Anziehung im Laufe der Zeut ab, bis sie vollständig abreißt. Dieser Verlauf ist individuell und durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst. Doch damit das geschehen kann, verlässt der dominantere Part die Gemeinschaft. Nicht selten für immer, um Abstand zu gewinnen und beiden Seiten die Verarbeitung und den Verlust zu erleichtern.
Ein gescheiterter Paarungstanz hinterlässt oft tiefe Spuren, gilt jedoch nicht als Makel, sondern als schmerzhafter, aber respektierter Teil der Natur der Gestaltwandler.
Das Gefährtenband
Das Gefährtenband, auch Paarungsband oder Seelenband genannt, ist ein gestaltwandlerisches Konstrukt und beschreibt die seltene Verbindung zweier Partner, die füreinander bestimmt sind. Es gilt als das Finden der zweiten Hälfte der eigenen Seele. Es stellt eine derart tiefe und enge Verbindung ihrer Seelen dar, dass Gestaltwandler und mediale Partner das emotionale Echo und das Befinden ihres Gefährten über dieses Band wahrnehmen können. Nur ein kleiner Teil aller Gestaltwandler erlebt diese Form der Bindung.
Die Entstehung eines Gefährtenbandes ist nicht vorhersehbar. Überlieferungen berichten von Bändern, die beim ersten Blickkontakt entstanden, ebenso wie von solchen, die sich über Monate entwickelten oder erst nach Jahren des gemeinsamen Lebens erkannt wurden. Auch Ablehnung oder äußere Umstände wie verfeindete Gemeinschaften können die Entstehung verzögern oder verhindern.
- In gegengeschlechtlichen Beziehungen geht die Entscheidung über das Entstehen eines Gefährtenbandes immer vom weiblichen Part aus. Das Tier der Frau muss den Partner anerkennen. Je dominanter die Frau ist, desto bewusster fällt diese Entscheidung aus.
- In gleichgeschlechtlichen Beziehungen entscheidet stets der unterwürfigere Bindungspartner.
- Mediale können ein Gefährtenband nur eingehen, wenn sie ihre mentalen Schilde bewusst senken. Ohne diese Öffnung kann kein Band entstehen, selbst wenn der Partner sich längst für den Medialen entschieden hat.
- Menschen gehen die Verbindung bewusst oder unbewusst ein und können, anders als Gestaltwandler oder Mediale, nicht auf das Band zugreifen und beispielsweise spüren, wie es ihrem Gefährten geht.
- Wird ein Gefährtenband geschlossen, findet stets eine Feier statt, zu der die Gemeinschaft eingeladen ist. Form und Umfang richten sich nach den Bedürfnissen der Bindungspartner. Der Alpha heißt den neuen Gefährten offiziell willkommen, da Gemeinschaften eher bereit sind, den Partner zu integrieren, als ein Mitglied zu verlieren.
- Schließt ein amtierender Alpha ein Gefährtenband, muss der Gefährte von der Gemeinschaft akzeptiert werden. Die Alphavertreter leisten dem Alphapaar einen erneuten Blutschwur. Mitglieder, die diese Bindung nicht mittragen können, verlassen die Gemeinschaft. Das Gefährtenband steht auch für Alphas über allem anderen.
- Gefährten stehen im Leben ihres Partners an oberster Stelle. Sie belügen oder hintergehen einander nicht und haben keine Geheimnisse voreinander. Das Gefährtenband gilt als heilig. Gefährten entscheiden sich immer füreinander, auch vor Verpflichtungen ihrer eigenen Gemeinschaft gegenüber. Dennoch würde kein Gefährte verlangen, dass der Partner seine Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft vernachlässigt.
- Das Gefährtenband verbindet nicht nur die Herzen, sondern auch die Leben der Gefährten. In den meisten Fällen überlebt kein Partner den Tod des anderen. Nur besonders dominante Gestaltwandler oder jene mit einer großen Aufgabe können diesen Verlust überstehen – doch selbst dann bleibt eine unheilbare Leerstelle zurück.
- Ein Gefährtenband kann abgelehnt werden. Dies bedeutet jedoch, ein einmaliges Geschenk zurückzuweisen und mit dem Wissen zu leben, den eigenen Seelengefährten verloren zu haben. Die Ablehnung ist mit tiefem seelischem Leid verbunden. Das Band zieht die beiden Gefährten unwiderstehlich zueinander – emotional, mental und körperlich. Sich dagegen zu entscheiden erfordert enorme Kraft und verursacht langfristige Qualen bei beiden Partnern.
- Wird das Band dauerhaft zurückgewiesen, wird es mit der Zeit reißen. Es hinterlässt jedoch meist eine Leere in der Seele. Ein weiteres Gefährtenband kann niemals entstehen, da diese Verbindung nur einmal im Leben möglich ist.



