Familiäre Strukturen
Mediale wachsen grundsätzlich in ihren biologischen Familien auf.
Anders als bei Menschen oder Gestaltwandlern basiert das familiäre Gefüge jedoch nicht auf emotionaler Bindung, sondern auf Macht, Status und Nutzen. Die Loyalität eines jeden Familienmitglieds gilt in erster Linie dem Oberhaupt der Familie. Dieses Amt ist weder an Geschlecht, noch an Alter oder Lebenserfahrung gebunden. Stattdessen übernimmt jene Person die Führung, die als die stärkste, intelligenteste und durchsetzungsfähigste gilt – häufig jene, die bereit ist, den Aufstieg der Familie ohne moralische Skrupel voranzutreiben.
Klassische Familienmodelle aus Mutter, Vater und gemeinsam aufgezogenen Kindern waren innerhalb der medialen Gesellschaft zur Zeit des Silentiums eine Seltenheit. Kinder entstanden häufig aus Fortpflanzungsverträgen, die eindeutig regelten, welchem Elternteil das volle Anrecht auf das Kind zustand. Der jeweils andere Vertragspartner wurde entweder durch finanzielle Kompensation, durch die Zusicherung eines weiteren Kindes oder durch andere vertraglich festgelegte Zugeständnisse entschädigt. Mit Erreichen der Volljährigkeit entschieden sich die Kinder zudem für eine Seite der Familie, um den eigenen Status sowie den politischen und finanziellen Einfluss dieser Linie gezielt zu mehren.
Dieses Vorgehen basierte auf der weit verbreiteten Überzeugung, dass volle Loyalität nur einer einzigen Familienseite gelten könne. Spätestens mit Eintritt der Volljährigkeit – sofern nicht bereits vertraglich anders geregelt – wurde daher festgelegt, welcher Seite sich das Kind dauerhaft verpflichtete. Bestand gegenüber dem anderen Vertragspartner noch eine ausstehende Entschädigung, wurde diese zunächst von der Familienseite übernommen, der sich das Kind anschloss, und anschließend vom Kind selbst durch eigene Leistungen oder finanzielle Mittel zurückerwirtschaftet.
Emotionale Nähe innerhalb medialer Familien war stets streng reglementiert. Spätestens mit dem Eintritt von Silentium existierten nur noch familiäre Bindungen, die von Schutz, Loyalität und Kontrolle geprägt waren. Eltern erfüllten fortan primär funktionale Rollen: Versorgung, Ausbildung und Leistungsüberwachung. Emotionale Wärme galt als ineffizient, potenziell gefährlich und destabilierend für die geistige Disziplin.
Während der Zeit von Silentium galten Kinder vor allem als genetische Sicherheit. Sie dienten dem Fortbestand der Familie und der Sicherung von Macht. Kunst, Musik oder Lyrik spielten in dieser Epoche keine Rolle: Der Stolz medialer Familien richtete sich nahezu ausschließlich auf die genetische Qualität ihres Nachwuchses. Hohe Skalenwerte, mentale Stärke und ein ansprechendes äußeres Erscheinungsbild galten als klare Vorteile, da sie Einfluss, Akzeptanz und politische Wirksamkeit erhöhten. Liebe oder echte Loyalität innerhalb der Familie waren selten und wurden als Schwäche betrachtet.
Verließ ein Medialer seine Familie, hatte dies gravierende Konsequenzen. Der Zugang zu finanziellen Mitteln, Ressourcen und Informationsnetzwerken wurde vollständig entzogen. Zusätzlich konnte eine Entschädigung verlangt werden, sofern der Familie durch den Weggang ein messbarer Schaden entstanden war.
FORTPFLANZUNG
Zu Zeiten des Silentiumprogramms war innerhalb der medialen Gesellschaft körperliche Intimität nicht gestattet. Fortpflanzung wurde daher zu einem rein klinischen Vorgang mit künstlicher Befruchtung. Anstelle familiärer Bindungen schlossen Mediale sogenannte Fortpflanzungsverträge, deren alleiniger Zweck die Zeugung von Nachwuchs war.
Diese Verträge kamen überwiegend zwischen Medialen mit hohen Skalenwerten und ausgeprägten Fähigkeiten zustande, da man sich hiervon eine deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit versprach, dass auch die Nachkommen über starke mediale Begabungen verfügen würden. Die genetische Optimierung des Nachwuchses stand dabei stets im Vordergrund.
Die vertragliche Ausgestaltung der Fortpflanzung variierte. In manchen Fällen wurden mehrere Kinder innerhalb eines Vertrags gezeugt und anschließend gleichmäßig zwischen den beteiligten Parteien aufgeteilt. In anderen Fällen verblieb das Kind vollständig bei einer Partei, während die andere finanziell entschädigt wurde. Diese Entschädigung orientierte sich an dem angenommenen Verlust an potentiellem Einfluss und Fähigkeiten, den der Nachwuchs für die nicht berücksichtigte Familienlinie dargestellt hätte.
So kühl und funktional dieses Vorgehen auch erscheinen mag, bestehen Fortpflanzungsverträge bis in die Gegenwart fort. Über mehr als ein Jahrhundert hinweg wurden mit diesem System verlässliche Ergebnisse erzielt. Zwar nehmen natürliche Zeugungen seit dem Bruch zahlreicher Medialer mit dem Silentium-Programm wieder zu, doch gelten vertraglich geregelte Fortpflanzungen weiterhin als bevorzugte Methode, wenn es um planbaren und strategisch wertvollen Nachwuchs geht.
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