Wildgewordene Gestaltwandler, auch als wildgewordene Einzelgänger bezeichnet, sind Gestaltwandler, die sich ihrem Tier vollständig ergeben haben. In diesem Zustand ist die Balance zwischen Mensch und Tier nachhaltig und unumkehrbar zerstört. Der menschliche Teil wird restlos verdrängt, während das Tier die komplette Kontrolle übernimmt.
Das Wildwerden ist kein gewöhnlicher Kontrollverlust, sondern ein irreversibler Endzustand. Hat sich ein Gestaltwandler seinem Tier einmal restlos ergeben, gibt es keinen Weg zurück. Der Prozess ist für Außenstehende wie für die Betroffenen gleichermaßen traumatisch und stellt den größten Albtraum eines jeden Gestaltwandlers dar.
Das Phänomen der wildgewordenen Gestaltwandler ist allgemein bekannt. Sowohl Gestaltwandler als auch Menschen und Mediale wissen um die Existenz dieses Zustands. Aufgrund der eindeutigen, extremen Verhaltensweisen gibt es keine Fehlurteile. Ist ein Gestaltwandler wildgeworden, bleiben keinerlei Zweifel zurück. Wildgewordene Gestaltwandler sind selten, jedoch real. Es handelt sich nicht um eine Legende. Potenziell kann es jede Gattung betreffen, die größte Gefahr geht jedoch von Raubtiergestaltwandlern aus, da deren Instinkte auf Töten und Jagd ausgelegt sind.
- Die Ursache liegt in einer genetischen Veranlagung, die meist innerhalb bestimmter Blutlinien vererbt wird. Diese Veranlagung muss nicht zwangsläufig ausbrechen, ist jedoch nicht heilbar, sobald sie aktiviert wird. Das Wildwerden ist in den meisten Fällen ein schleichender Prozess über Monate oder Jahre, kann jedoch in seltenen Fällen auch schlagartig eintreten. Der Zustand ist maximal verzögerbar, aber niemals dauerhaft verhinderbar.
- Eine besondere Ausnahme bilden Heiler und die Jäger, Fährtenleser und Vollstrecker. Sie werden niemals wild. Ihre Balance zwischen Mensch und Tier ist außergewöhnlich stabil, tief verwurzelt und in sich ruhend. Gerade diese innere Ausgeglichenheit ist Voraussetzung für ihre Aufgabe der Fährtenleser und der Grund, weshalb sie in der Lage sind, Wildgewordene zu erkennen, aufzuspüren und zur Strecke zu bringen, ohne selbst Gefahr zu laufen, diesem Zustand zu verfallen.
- Mögliche Frühwarnzeichen können zunehmende Selbstisolation, lange Aufenthalte in Tierform, der Rückzug aus sozialen Bindungen, gesteigertes Risikoverhalten, emotionale Instabilität sowie deutliche Persönlichkeitsveränderungen sein. Diese Anzeichen müssen nicht vollständig auftreten, gelten jedoch als ernstzunehmende Warnsignale.
- Jeder Gestaltwandler ist verpflichtet, einen Verdacht zu melden, auch Gefährten. Beobachtung ist zwingend erforderlich. Ab dem Jugendalter werden Anzeichen ernst genommen, auch wenn es extrem selten ist, dass Jugendliche wild werden.
- Ist ein Gestaltwandler wildgeworden verspürt er ausschließlich Mordlust und Zerstörungsdrang. Wiedererkennen ehemaliger Rudelgefährten und einst geliebter Personen, emotionale Bindung oder rationale Entscheidungen sind nicht mehr möglich.
- Die blinde Zerstörungswut richtet sich stets zuerst gegen jene, die dem Gestaltwandler einst am nächsten standen. Gefährten, Familienmitglieder und frühere Gemeinschaftsangehörige werden gezielt verfolgt und getötet. Je enger die frühere emotionale Bindung war, desto früher wird das Opfer zum Ziel. Erst nach der vollständigen Auslöschung der alten Gemeinschaft kann sich das Verhalten auch auf Außenstehende ausweiten, da angenommen wird, dass das Tier zunächst alle alten Verbindungen kappt, die bestanden.
- Sobald ein Gestaltwandler als wildgeworden ist, muss er hingerichtet werden. Diese Handlung gilt gleichermaßen als Pflicht zum Schutz der Gemeinschaft und als Gnade, da sie den Wildgewordenen von seinem Zustand erlöst. Zögern ist nicht erlaubt, da es eine unmittelbare Gefahr für andere darstellt.
- Die Jagd obliegt den dominanten Mitgliedern der Gemeinschaft. In einigen Rudeln existieren spezialisierte Gestaltwandler, die mit der Fähigkeit geboren werden, Wildgewordene aufzuspüren und zu töten: Katzen nennen sie Jäger, Wölfe Fährtenleser, Bären Vollstrecker. Existiert eine solche Position, obliegt ihr die Durchführung der Jagd und der Hinrichtung. Andernfalls übernehmen Alpha, Alphavertreter oder dominante Soldaten diese Aufgabe. Häufig vollzieht der Alpha selbst die Hinrichtung.
- Nach der Hinrichtung werden wildgewordene Gestaltwandler beigesetzt und betrauert. Trotz ihrer Taten galten sie zuvor meist als geschätzte und geliebte Mitglieder der Gemeinschaft.



